Crocodile Dundee im Kampf gegen die Steuerbehörde
Stichworte
Crocodile Dundee, Buschjäger, ist zu Besuch in der US-Grossstadt. Halbwüchsige stellen sich ihm und Begleiterin Sue nachts in den Weg. Einer lässt das Stellmesser aufschnappen, er will Geld. «Gib ihm die Brieftasche, er hat ein Messer», sagt Sue mit zittriger Stimme. «Das ist kein Messer», sagt Dundee, lächelt und hält sein phänomenal überdimensioniertes Buschmesser ins Licht: «Das ist ein Messer!»
Mit der Flucht der Angreifer endet die Szene, die vom trockenen Humor ihres Helden lebt. In drei Filmen hat Paul Hogan seit 1986 den Australier Crocodile Dundee gespielt. Heute lebt er mit Sue, pardon: Linda Kozlowski in Los Angeles. Und wäre er nicht eben nach Sydney gereist, um seine mit 101 verstorbene Mutter zu beerdigen – es gäbe hier nichts Neues zu vermelden.
«Australier des Jahres»
Gestern wurde bekannt: Hogan, 70, darf nicht mehr aus Australien ausreisen. Zuerst soll er zahlen. Die Steuerbehörde will von ihm umgerechnet 25 Millionen Franken. Er soll massiv Steuern hinterzogen haben, via Offshorefirmen. Hogan bestreitet das.
Es ist ein schwerer Moment für die Nation. Australien geht gegen sich selber vor. Denn Hogan, Schulabgänger mit 15, hernach Hafenarbeiter, Bademeister, Boxer, personifiziert sein Land. Das war schon so, als er 1984 sonnenverbrannt in Outdoor-Montur für Australien warb. 600'000 Amerikaner soll er zu Ferien in Down Under motiviert haben, die TV-Kampagne gilt als erfolgreichste Tourismuswerbung, die je im US-Fernsehen lief. Hogan wurde danach «Australier des Jahres».
Liebenswerter Rüpel
Zu Hause liebte man ihn da schon lange. 1972 gab er sein TV-Debüt als Messerwerfer in einer Talentshow. Die Moderatoren wollten sich über den Unterschichtsimpel lustig machen, doch am Ende lachte das Publikum mit ihm über die Moderatoren. Ein grosser Unterhalter eben, dieser Hogan. Bald bekam er eine eigene Comedy-Show.
Und dann kam 1986 der Moment, da australische Coolness zum globalen Hit avancierte. Der erste «Crocodile Dundee»-Film, ein Welterfolg. Er lebte vom simplen, doch starken Stadt-Land-Gegensatz: Hie der Känguru-Kontinent mit dem Buschjäger im Krokodiledergilet. Da Hochhaus-New-York mit seinen Büroneurotikern und gestressten In-People. Crocodile Dundee war der liebenswerte Rüpel, der in Amerika (er besuchte die Journalistin Sue) jeden herzhaft mit «Gidday» begrüsste, als begegne man sich draussen am Wasserloch. Seine Männlichkeit war so plakativ wie entspannt. Und er hatte bei aller Rauheit der Sitten ein gutes Herz. Man musste den Naivling mit den flinken Fäusten einfach mögen.
Ein Gewinner geblieben
Film Nummer zwei war 1988 die Verlängerung des Erfolgs – beide Filme zusammen sollen umgerechnet eine halbe Milliarde Schweizer Franken eingespielt haben. Film drei hingegen: eine Katastrophe bei den Kritikern und an der Kinokasse. Den Schauspieler traf das nicht allzu hart. Er konnte in Interviews über den Flop lachen.
Paul Hogan ist letztlich ein Gewinner geblieben. Dass er, um Leinwandpartnerin Kozlowski zu heiraten, seine erste Frau und die fünf Kinder verliess, verzieh man ihm. Und sein Filmstoff, den er massgeblich selber entworfen hatte, war so wirksam, dass sich Premier Bob Hawke einst auf Staatsbesuch den Amerikanern als «Chef von Crocodile-Dundee-Land» vorstellte.
Auch wenn die Behörden Paul Hogan derzeit arg zusetzen – der Durchschnittsmensch wird sich weiter für Crocodile Dundee begeistern: den grössten Australier aller Zeiten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.08.2010, 08:11 Uhr
Kommentar schreiben
Kultur
Kultur
Meistgelesen in der Rubrik Kultur
Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?
Ja, auf jeden Fall
Nein, interessiert mich nicht
Erst wenn die Geräte billiger geworden sind
Ich habe schon einen
3308 Stimmen

























































































































