Kultur

«Brüno», der Film – Intimrasuren und zu viele Süssigkeiten

Wer von der PR-Kampagne noch nicht genug hat, kann sich im Kino knapp 80 Minuten ab «Brüno» schlapp lachen. Im Abgang wirkt der Film allerdings etwas überladen.

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Brünos Interviewtechnik ist grandios - trotzdem schmeisst ihn seine Fernsehshow «Funkyzeit» raus.

   

Mit Brüno muss niemand mehr warm werden. Denn erstens ist er das selbst schon. Zweitens hatte das Publikum angesichts der massiven Vorab-Publicity des Borat-Komikers genau zwei Möglichkeiten: Entweder man liebt ihn heiss und hat knapp 80 Minuten reichlich Grund zum Lachen. Oder straft seinen Amok-Humor mit kalter Verachtung.

Das Setting ist dasselbe wie bei Brünos Vorläufer-Filmen «Borat» und «Ali G»: Komiker Sacha Baron Cohen schlüpft in die Haut einer Filmfigur und sucht in lächerlichen Outfits nichts ahnende Bürger heim. Mit ernster Miene stellt er die absurdesten Fragen und entlarvt dabei Vorurteile und Geistlosigkeit seiner Interviewpartner.

Homo-Stunts

Als schwuler Brüno entlarvt Cohen die Welt der Mode und des Showbiz. Zu donnerndem Eurotrance stellt er zunächst seine Fernsehshow Funkyzeit vor, bei der er alsbald entlassen wird. Brüno: «Aber dann realisierte ich, dass die Modewelt künstlich und oberflächlich ist. Also ging ich nach Los Angeles, um die grösste Celebrity der Welt zu werden.» Was natürlich nicht so einfach ist. In LA veranstaltet er Castings, tritt in TV-Shows auf und will sich schliesslich zum Hetero ummodeln lassen - wobei er natürlich kläglich scheitert.

So weit das Handlungsgerüst, in das Brüno seine Interviews und Sketches einbaut. Und Stunts. Denn gewisse Szenen waren wohl beim Dreh nicht ganz ungefährlich: etwa wenn Brüno als Wrestler bei einem sogenannten Cage-Fight auftritt und inmitten biersaufender, ultra-aggressiver Wrestling-Fans seinen Freund zu küssen beginnt.

Das härteste Business der Welt

Zuweilen ist der Film zynisch und zuweilen fragt man sich auch, was an Analbleaching eigentlich so komisch sein soll. Dennoch kann man Baron Cohen nicht absprechen, dass sein Spiel grandios und seine Interviews subversiv sind. Wenn er etwa als Brüno ein Model fragt: «Modeln muss der härteste Job der Welt sein.» Sie: «Ja, es ist wirklich hart, den ganzen Tag auf Highheels stehen». Brüno: «Genau. Und dann das Laufen, linkes Bein, rechtes Bein. Und dann wieder das linke Bein. Und am Schluss noch drehen - brutal!» Sie: «Ja, das Drehen ist wirklich beängstigend.» Und das alles ganz ironiefrei.

Oder wenn er Paula Abdul zu sich einlädt, und sie auffordert, sich auf einen am Boden kauernden mexikanischen Arbeiter zu setzen. Solche Möbel seien der letzte Schrei. Sie setzt sich also auf einen Mexikaner und sagt: «Ja, helfen ist wirklich wichtig für mich, es ist die Luft, die ich atme.»

Über die ganze Länge ist der Film so gnadenlos komisch wie zuweilen ermüdend. Denn anders als in der Ali G.-Show, in der Baron Cohen seine Figuren entwickelte, fehlt hier der Antipode, der Rhythmus, Tempo und Stimmung brechen könnte. So wirkt der Brüno-Film zum Schluss wie ein allzu süsses Dessert. Es schmeckte zwar, aber man ist froh, wenn der Teller leer ist. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.07.2009, 14:53 Uhr

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5 Kommentare

Enzo Westwood

03.07.2009, 08:49 Uhr
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Ob der Film hält, was er verspricht? Bei weitem! Und, ich kann nur empfehlen, geht euch den Film gleich zu Beginn des Filmstarts am 8.7., wenn die Kinos gut besetzt sind, reinziehen. Denn Lachen ist ansteckend - an der Vorpremiere letzten Dienstag hat sich der ganze Saal fast kaputtgelacht. Antworten


Philipp Tettamanti

02.07.2009, 20:04 Uhr
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Ich habe den Film auch vorgestern im Abaton gesehen. Und ich habe wirklich tränen gelacht! Der Film zeigt einfach wunderbar auf wie viel Ekel die Menschheit noch vor Homosexuellen empfindet. Und die Hohlheit der Modeindustrie könnte man deutlicher nicht aufzeigen. Und: Ich hätte nicht den Mut einem Terror-Gruppen-Anführer zu sagen sein Prophet sehe aus wie ein odbachloser Weihnachtsmann. Respekt! Antworten


David Maimonides

02.07.2009, 17:55 Uhr
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Michael, der Film lief Vorgestern als Vorpremiere u.a. im Abaton b. Der Saal war ausverkauft ... Partiell ist mein Kommentar schon ironisch (aber kaum zynisch oder sarkastisch) gemeint. Zudem wirst du wohl nicht der einzige sein, der den Film nicht sehen wird, aber was stört dich denn daran? Eine weltoffene Person kann sich in dem Film eigentlich recht gut unterhalten ... Antworten


Michael Trümmer

02.07.2009, 17:42 Uhr
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David, der Film ist doch noch gar nicht in den Kinos... ausserdem hoffe ich, dass dein "die gay world so richtig authentisch erklärt und gezeigt" sarkastisch/zynisch/ironisch/satirisch gemeint ist. Ich glaub ich bin der einzige, der Cohen und seine Filmcrew nicht noch reicher machen will :( Antworten


David Maimonides

02.07.2009, 17:03 Uhr
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Ich fand den Film sehr unterhaltsam und war dankbar, dass uns endlich mal die gay world so richtig authentisch erklärt und gezeigt wurde ... Hut ab vor Cohen's Mut Ich frage mich aber, wie der Film in den USA gezeigt werden kann. Der "Brüno" schreiende Penis is wohl für US-Standards eher sehr offensiv. Antworten



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