Berner Filmpreis für «Messies, ein schönes Chaos»
«Spiegel unserer Wegwerfgesellschaft»: Die porträtierte Elmira im Film «Messies, ein schönes Chaos».
Trailer «Bouton»
Trailer «Silberwald»
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«Ich freue mich wahnsinnig über diesen Preis. Das ist eine Bestätigung und eine wunderbare Motivation für weitere Filme», sagt Ulrich Grossenbacher. Der 53-jährige Berner erhält für «Messies, ein schönes Chaos» den mit 30'000 Franken dotierten Berner Filmpreis 2011. Dies ist in der jungen Karriere des Films, der in Locarno Premiere feierte und dort den Preis der Semaine de la critique gewann, bereits die zweite Auszeichnung. Und weitere werden zweifellos folgen, denn Grossenbacher hat einen überaus feinfühligen und ästhetisch betörenden Film gedreht – grosses Kino mit Menschen, die einen in ihrem Lebenskampf nahe gehen.
Grossenbarcher porträtiert mit offenem Blick fürs Komische wie fürs Traurige vier Messies, vier Menschen, die an ihrer Sammelsucht beinahe ersticken, vier Menschen auch, die um ihre Probleme wissen und ihnen doch ausgeliefert sind – eine Schwäche, die wir alle mit ihnen teilen. «Der Film schafft das Kunststück, dass wir hinter sich türmenden Bergen von Gerümpel nicht Verwahrlosung, sondern Menschen mit ausserordentlichen Fähigkeiten entdecken. In diesem tiefgründigen Spiegel unserer Wegwerfgesellschaft verschwimmt der Unterschied zwischen Krankheit und Normalität, während sich die Notwendigkeit gegenseitiger Toleranz verdeutlicht», schreibt die Jury zu ihrem Entscheid.
Grossenbacher hatte bereits 2006 mit «Hippie Masala», einem Dokumentarfilm über Aussteiger in Indien, sein Flair für Menschen mit sonderbaren Passionen bewiesen. «Messies», der in seiner emotionalen Tiefe an Mano Khalils «Unser Garten Eden» erinnert, kommt am 1. März 2012 in die Kinos. «Der Berner Filmpreis gibt mir zusätzlich Schub für die Kino-Lancierung», sagt Grossenbacher, der den Film selber verleiht.
«Silberwald» und «Bouton»
2011 ist ein ausserordentlich gutes Berner Filmjahr, die Jury (Corinne Küenzli, Franziska Reck, Adrian Blaser, Simon Lüdi, Matthias Bürcher) spricht gar von einem Quantensprung: Noch nie seien so viele (total 44) und so viele hochstehende Filme eingereicht worden. Das mag ein Trost sein für alle, die leer ausgegangen sind wie etwa Christian Iseli («Das Album meiner Mutter»), Andreas Berger («Zaffaraya 3.0»), Gabriele Schärer («Moi c’est moi») oder Norbert Wiedmer und Enrique Ros («Meisterträume»).
Mit je einem Regiepreis (10 000 Franken) wurden Christine Repond und Res Balzli ausgezeichnet. Die in München lebende Repond erzählt im Spielfilm «Silberwald» von Jugendlichen im Emmental, die in Versuchung durch das Böse in Gestalt von Neonazis geraten – ein Film mit starkem Drehbuch, der ein brisantes Thema aufgreift. «Mit ihrem ersten Kinospielfilm schafft es Christine Repond, den Prozess einer Rechtsradikalisierung von jungen Menschen intelligent und sensibel nachzuzeichnen», schreibt die Jury. Balzli begleitete in «Bouton», der bereits im Kino lief («Bund vom 2.4.) eine todkranke junge Schauspielerin in ihrem letzten Jahr. «Durch den Dialog mit der sprechenden Handpuppe Bouton entsteht eine dramatische Dynamik zwischen Begeisterung und bangender Verzweiflung», so die Jury.
Abgerundet wird das Palmarès mit zwei Nachwuchsförderpreisen von je 5000 Franken. Diese gehen an den Animationsfilm «Eisprung» von Loretta Arnold und an «Handschlag» von Gregor Frei. Freis Abschlussfilm an der Ecal Lausanne läuft derzeit am Kurzfilmfestival Shnit im Schweizer Wettbewerb.
Preisverleihung: Dampfzentrale, 16. 11. (Der Bund)
Erstellt: 06.10.2011, 09:55 Uhr
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