Kultur
Begehrte Bümplizer Mischkulturen
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Preisverleihung
Am 11. Mai um 0 Uhr auf ARD und am 13. Mai um 12 Uhr auf 3sat.
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Es hat nicht gereicht. 50'000 Franken wollte der Berner Filmemacher Mano Khalil über Wemakeit.ch für seinen geplanten Spielfilm «Die Schwalbe» sammeln, etwas weniger als die Hälfte davon ist innert 90 Tagen zusammengekommen. Traurig ist der syrische Kurde, der in Bümpliz lebt, darüber jedoch nicht: «Der Betrag hätte sowieso nur ein kleineres Loch im Budget stopfen sollen.» Was für ihn am meisten zähle, sei die Aufmerksamkeit, die sein Projekt so erhalten habe. Dennoch: Es sind stattliche 23'105 Franken, mit denen 81 Personen den Film unterstützen wollten.
Gemäss den Spielregeln von Wemakeit wird das Geld nun nicht abgebucht – und Khalil ist eigentlich froh darüber: «Ich habe gesehen, dass mich meine Nachbarn und Freunde unterstützen wollten, Menschen, die nicht im Geld schwimmen. Mir wäre es nicht recht gewesen, von ihnen Geld anzunehmen.» Denn für die Finanzierung eines Filmes eigne sich Crowdfunding nur bedingt, findet Khalil. «Für kleine Projekte und Newcomer, die keine Chance haben, Geld von der öffentlichen Hand zu bekommen, sind solche Plattformen perfekt. Aber der Staat darf nicht von der Pflicht entbunden werden, in seine Künstler zu investieren.» Khalils aktuelles Dokumentarfilmprojekt, «Der Imker», ist konventionell finanziert – vom Bundesamt für Kultur, vom Fernsehen, von Stiftungen.
Bedrückend und berührend
Der Regisseur ist derzeit daran, den Film zu schneiden. Gerade kommt er aus dem Schnittraum im Progr. Die Arbeit gehe flott voran, sagt er, die Geschichte erzähle sich fast von selber. Ende Jahr soll «Der Imker» in die Kinos kommen. Khalil porträtiert darin Ibrahim, einen Bienenzüchter, der Opfer der kurdisch-türkischen Konflikte wurde und alles verlor: Frau, Kinder und seine über 500 Bienenvölker. Der ältere Mann floh daraufhin in die Schweiz. Es ist eine bedrückende und gleichzeitig berührende Geschichte, die Khalil an diesem strahlenden Frühlingstag im Progr-Café schildert.
Und vor allem die Geschichte einer erfolgreichen Integration, denn obwohl Ibrahim kaum Deutsch spricht, hat er Anschluss gefunden – auch in der Innerschweiz, dem scheinbar konservativen Herzen des Landes. Mit dem Geld, das ihm das Bundesamt für Migration für Möbel zur Verfügung gestellt hatte, kaufte sich Ibrahim Bienen. Inzwischen sind es mehr als 100 Völker, die Pflanzen von Basel bis Andermatt bestäuben. «Ibrahim ist ein Mensch, der nie aufgegeben hat», sagt Khalil, und man hat das Gefühl, dass er, der vor 16 Jahren aus Syrien geflüchtet ist, auch ein wenig sich selber meint. Wie geschmiert läuft es aber nicht nur beim «Imker», sondern auch für Khalils letzten Film aus dem Jahr 2010.
Auf Welttournee
«Unser Garten Eden», das kleine Welttheater aus dem Bümplizer Schrebergarten, tingelte auf Festivals durch die halbe Welt – von der Berlinale nach Turin, Bozen und Beirut. Eben hat Khalil eine Anfrage von der Schweizer Botschaft in China erhalten, den Dokfilm in Pyongyang zu zeigen. «Die gelebte Demokratie aus Bümpliz in Nordkorea vorführen zu können – das ist ein Traum!», schwärmt er.
Ein weiterer Schritt in der eindrucksvollen Karriere dieses kleinen Dokfilms ist die Nomination für den Civis-Medienpreis für Integration. Morgen wird Khalil nach Brüssel fliegen, wo am Abend im Europäischen Parlament die Preisverleihung stattfindet. Fernsehchef Roger de Weck wird da sein, nebst anderen wichtigen Figuren aus dem europäischen Medienkuchen; Frank Elstner ist Jurypräsident, Sandra Maischberger moderiert den Anlass. Khalils feinfühliges Porträt aus dem Bottigenmoos ist unter den sechs nominierten Fernseh- und Radioprojekten, die «das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster nationaler, ethnischer, religiöser oder kultureller Herkunft fördern», wie es bei der Civis-Medienstiftung heisst.
Mit so einem Erfolg hat der Filmemacher nicht gerechnet. Denn «Unser Garten Eden» war mit einem kleinen Budget entstanden – wie alle von Khalils Filmen. «Ich brauche nicht Millionen», sagt er. «Mit ‹Unser Garten Eden› habe ich bewiesen, dass man auch mit verhältnismässig wenig Geld einen erfolgreichen Film drehen kann.» Denn das Bundesamt für Kultur lehnte damals Khalils Fördergesuch für «Unser Garten Eden» ab, mit der Begründung, der Schrebergarten sei eine abgeschlossene Welt, die nicht breit interessiere. Khalil schmunzelt. (Der Bund)
Erstellt: 08.05.2012, 08:34 Uhr
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