Ballerinas, Caprihosen – und bezaubernd bis in alle Ewigkeit

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 29.04.2009

Audrey Hepburn gilt bis heute als eine der schönsten Frauen der Welt. Und eine der stilvollsten – ihre Mode ist bis heute unsterblich geblieben. Am 4. Mai wäre sie 80 geworden.

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Am 4. Mai wäre die schönste Frau aller Zeiten («New Woman»-Magazin, 2006), Audrey Hepburn, 80 Jahre alt geworden.
Bild: Keystone

   
Nick Yapp: Audrey Hepburn – Fotografien einer Legende. ca. 200 s/w- und farbige Abbildungen, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag.

Nick Yapp: Audrey Hepburn – Fotografien einer Legende. ca. 200 s/w- und farbige Abbildungen, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag.

Müsste man den Zauber der Audrey Hepburn mit einem Wort benennen, dann wäre es wohl: Klasse. Audreay Hepburn hatte Stil. Ihr Beatnik-Schwarz, ihre 7/8-Hosen, ihre schlichten Etuikleider, grossen Sonnenbrillen, Tellerröcke und flachen Ballerinas kamen gewissermassen nie mehr aus der Mode. Abgesehen davon war Audrey Hepurn aber ganz Haltung. «Sie ist, was der Lateiner sui generis nennt – das Original», sagte der Regisseur Billy Wilder über sie. Und sie wurde damit, kann man hinzufügen, eine der wichtigsten Mode-Ikonen des zwanzigsten Jahrhunderts und setzte in einer Zeit, da vollbusige Platinblondinen die Leinwände beherrschten, auf Minimalismus. Damit traf sie den Nerv der modernen Frauen.

Anti-It-Girl

Nicht nur modisch setzte Hepburn Massstäbe. Sie war auch ein neuer Typ Star, sozusagen ein Anti-It-Girl. 1951 wurde sie fast über Nacht bekannt, als sie Colettes «Gigi» am Broadway tanzte, darauf nach Hollywood kam und für ihren ersten Hollywood-Film «Ein Herz und eine Krone» einen Oscar erhielt. Doch obschon sie bald einer der meistfotografierten Filmstars der Welt war, entwickelte sie keinerlei Star-Allüren und leistete sich in ihrer ganzen Karriere keinen einzigen Skandal. «Ich glaube daran, dass man sich ein Ziel setzen muss und sich durch nichts von der Verfolgung dieses Zieles abhalten lassen darf», sagte sie 1953 zur «Weltwoche». «Ich darf mir durch diesen Preis und all den Beifall des Publikums den Kopf nicht verdrehen oder mich gar dazu verleiten lassen, dass ich nicht mehr auf mein Lebensziel hinarbeite — eine grosse Schauspielerin zu werden.» Das Interview fand am dem Abend statt, an dem sie für «Roman Holiday» den Oscar erhalten hatte.

Audrey Hepburn hasste Partys und Paparazzi und war zeit ihres Lebens überzeugt, sie habe einfach Glück gehabt. Sie fand, sie sehe komisch aus, habe schiefe Zähne, eine breite Nase und grosse Ohren. Aber bis heute gilt Audrey Hepburn als eine der schönsten Frauen der Welt, im April 2006 wurde sie von den Lesern des britischen Magazins «New Woman» gar zur schönsten Frau aller Zeiten gewählt.

Kindheit unter Naziherrschaft

Als Kind jedoch hatte sie einige schwere Schicksalsschläge zu erleiden gehabt. Als Tochter der Baronesse Ella van Heemstra und des irischen Industriellen J. A. Hepburn-Ruston geboren, wuchs sie in einem stürmischen häuslichen Umfeld auf. Die Ehe war unglücklich und Audrey verbrachte die meiste Zeit alleine mit ihren Hunden und Kaninchen. Um sie aus der Traumwelt zu reissen, schickte ihre Mutter die fünfjährige Audrey nach England, wo sie später auch das Internat besuchte. Nach der Scheidung ihrer Eltern kam Audrey als Zehnjährige wieder nach Belgien, wo sie den Ausbruch des zweiten Weltkriegs und die Ermordung ihres Onkels und ihres Cousins durch die Nazis miterleben musste. Ihre ehemals adlige Familie wurde enteignet, der Bruder ins Konzentrationslager geschickt. Audrey musste sich verstecken und magerte auf neununddreissig Kilo ab – was später oft als Grund für ihre zeitlebens zarte Figur angegeben wurde. Unter diesen Umständen wurde das elfjährige, verträumte Mädchen schnell erwachsen. Sie setzte die in England begonnenen Ballettstunden fort und gab, um Geld für den Widerstand zu sammeln, schwarze Vorstellungen.

Kurz nach der Invasion der Alliierten wurde Audrey auf der Strasse von der deutschen Polizei aufgegriffen; riss sich los und versteckte sich über einen Monat lang in einem Keller. Bis endlich die Alliierten eintrafen. «Ich lief zum Fenster meines Kellers und sah das erste Kontingent englischer Soldaten», berichtet Audrey in der «Weltwoche». «Die Freiheit hat für mich einen besonderen Geruch — den Geruch nach englischem Benzin und englischen Zigaretten.» Nur dank der Care-Pakete der Uno, sagte sie später, hatte sie überlebt.

Später, als sie das Filmen längst aufgegeben hatte, liess sie sich zur Sonderbotschafterin von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen ernennen und reiste bis zu ihrem Tod für wohltätige Zwecke kreuz und quer durch die Welt. Sie starb 1993 am Genfersee und wurde in Tolochenaz beigesetzt. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.04.2009, 13:05 Uhr

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