Tag 5: Vincent und die starken Frauen
Von Hanna Jordi. Aktualisiert am 18.01.2012 1 Kommentar
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Offenbar ist der Berner Altstadtkeller nicht spurlos an Vincent Raven vorübergegangen. Offenbar hat er sich in diesem Gewölbe aus dem 14. Jahrhundert auch mittelalterliche Ideen herangezüchtet. Anders können wir es uns nicht erklären, wie sich der Magier am fünften Tag im Dschungelcamp zu einer solchen Breitseite hinreissen lässt. Ja, nachdem er sich am Tag des Einzugs bereits über die «Schwuchtelfarbe» seiner Hosen ausliess, traf sein Furor gestern die Frauen. Vincent ist nämlich der Meinung, dass man Frauen, wie Radost Bokel eine ist, nicht zur Chefin machen sollte. Weil es sonst nämlich «immer» Stunk gibt.
Gut, denken wir uns noch, die Radost hat aber auch wirklich ein bisschen genervt, wie sie so darauf beharrte, dass die Dschungelcamper nicht allein, sondern zu zweit auf die Toilette gehen, wie es die RTL-Regeln vorschreiben. Aber anstatt dass der Vincent dann, wenn die Kamera – gierig auf solchen Tonspurenstoff – exklusiv auf ihn gerichtet ist, das Gesagte ein bisschen weichredet, präzisiert er noch: «Frauen in Führungspositionen», sagt er, «man sollte ihnen auf die Finger schauen.»
Und das von einem, der als Zauberer im Mittelalter auf demselben Scheiterhaufen gelandet wäre wie ein paar unverhohlen starke Frauen und die mit den vermeintlichen roten Hosen. Wir leiden: Kaum hat die Schweiz die Welt ein bisschen vergessen gemacht, dass der letzte Kanton erst 1990 das Frauenstimmrecht einführte, funkt uns dieser machoide Magier in die Imagekorrektur.
Derart verunsichert von Vincents Gebaren im Dschungel sind wir dann doch froh, dass er zur Dschungelprüfung antraben muss. Vielleicht wird er im Angesicht von Spinnen und Kakerlaken geläutert, wer weiss. Und siehe da, Vincent kriegt tatsächlich sein Fett, nein, seine Proteine weg: Er trinkt einen Kakerlakenshake, scheitert an einem Käsefruchtfladen, läuft aber pünktlich zu einem Glas voller Buschschweinsperma wieder zu Hochform auf. Keine grosse Aufgabe für einen, der die Autosuggestion quasi erfunden hat: «Wenn man nicht weiss, was es ist, schmeckt es gut!»
Fast sind wir versöhnt. Woher nimmt er diese Stärke? Die einfachste Erklärung ist, dass sie vom Amulett herrührt, dem Amulett der Pforten, welches er gut sichtbar auf der Brust trägt und jedem Mitstreiter fürsorglich um den Hals legt, wenn sie eine schwere Prüfung abzulegen haben. Was übrigens nicht nur ein Akt der Nächstenliebe, sondern einer des Marketings ist: Das Amulett der Pforten kann auf Vincent Ravens Onlineshop erstanden werden, Drudenfuss und Rabenköpfe sind drauf, Sterlingsilber, 299 Euro. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.01.2012, 08:34 Uhr
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1 Kommentar
Nunja, Autosuggestion in Coué-Qualität ist das nicht, aber es zeigt doch, dass Denken Folgen hat und dass man dies - bei Gebrauch des Geistes - auch nutzen kann. Wenn man dann dem Denken noch eine weitere Chance gibt, ist auch noch ein bisschen mehr damit möglich. Meistens jedenfalls.
Franz Josef Neffe
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