TV-Kritik: Und ewig locken die Moneygirls
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 05.02.2009 37 Kommentare
«Deal or No Deal»
Am Anfang wählt der Hauptkandidat einen von 26 Koffern aus, die von uniformierten Moneygirls präsentiert werden und Geldbeträge von fünf Rappen bis 250'000 Franken verbergen. Der ausgewählte Koffer bleibt geschlossen, die übrigen werden nacheinander geöffnet und der Kandidat bekommt jede Runde ein Geld-Angebot für den zu Beginn ausgewählten Koffer. Manche Kandidaten werden schwach, andere widerstehen dem Angebot und gehen aufs Ganze: Sie setzen auf den Inhalt des ausgewählten Koffers.
«Bei einem Jubiläum wird eine Null für eine Null von mehreren Nullen geehrt»: Der alte Spruch von Peter Ustinov gewann gestern Abend erschreckend an Aktualität. Dann nämlich lief auf SF 1 zum 200. Mal «Deal or No Deal». Ein Schelm, wer nun an Moderator Roman Kilchsperger denkt. Nein, die grosse Null ist das Format selbst. Unter allen Konzepten, die die holländische Entertainment-Fabrik Endemol bisher ausgespuckt hat, ist «Deal or No Deal» das trivialste: Geldkoffer, Moneygirls, zufällige Gewinne.
«Gerade sind wir auf einer TV-Website zur blödesten Sendung des Jahres gewählt worden, aber das ist toll. Denn wenn schon schlecht, dann zumindest auf dem ersten Platz», sagte Kilchsperger vor der Jubiläumssendung. Recht hat er. Recht haben auch die Feministinnen, die der Sendung Sexismus vorwerfen. Sowie jene Zuschauer, die nicht einsehen, weshalb sie für ein eingekauftes Kommerz-Format TV-Gebühren bezahlen. Und natürlich haben auch die Kilchsperger-Gegner Recht, die sich über die prolligen Sprüche und Dialekt-Imitationen des Zürchers nerven.
In der Schweiz speziell erfolgreich
Allein, Zahlen lügen nicht: Gut eine halbe Million Zuschauer verfolgen die Sendung jeden Mittwoch. Man fragt sich: Wer sind diese Leute? Warum tun sie sich das an? Dann ein ungemütlicher Gedanke: Stimmt womöglich mit dem eigenen Geschmack etwas nicht? Ist man zu elitär? Immerhin wurde das Format von Endemol sogar in die Gameshow-Grossmacht USA verkauft.
Interessanterweise ist «Deal or No Deal» in der Schweiz speziell erfolgreich. Abgesehen von Italien, dort läuft die Sendung jeden Abend. Allerdings ist das italienische Fernsehen nicht gerade für Qualität bekannt – ein weiterer Beweis für die Unzumutbarkeit der Show?
Leider bietet auch die Spieltheorie keine überzeugenden Antworten. Gewiss, ein Quiz ist ein archaisches Prinzip, das den Spieltrieb befriedigt. Und insbesondere der Schweizer findet es toll, wenn Wissen belohnt wird. Zumal so Sachverhalte geklärt werden und damit Sicherheit geschaffen wird, was wir Schweizer ja auch mögen. Bloss: Bei «Deal or no Deal» handelt es sich paradoxerweise um ein Quiz ohne Fragen. Bleiben also folgende Erklärungsoptionen zum anhaltenden Erfolg der Show:
a) Der Zuschauerwettbewerb
b) Moneygirls sind nicht sexistisch, sondern sexy
c) Roman Kilchspergers Sprüche sind sooo mies nicht
Antworten bitte im unten stehenden Talkback deponieren. Als Hauptpreis winkt eine hitzige Diskussion.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.02.2009, 12:31 Uhr
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37 Kommentare
@Lötscher Ich bin sicher kein Tagträumer und bedauere Ihre Gefühle in leichte Wallungen gebracht zu haben. Verkaufen sie die Zuschauer nicht als so dumm, nicht zu wissen um was es wirklich geht. Die ganze Gesellschaft manipuliert. uns. Siehe SAT1 u.a. rund um Mitternacht ? Da bekomme ich auch so meine Wut und frage mich ob der Zielgruppe. Ruf mich an - Schön, schön.. dann lieber Deal ..... Antworten
Zufällige Gewinne? Natürlich spielt der Zufall eine Rolle, aber der Kandidat kann etwas zum Gewinn beitragen! Im Gegensatz zum Lotto. Ich schaue die Sendung natürlich auch. Die Money Girls sind sympatisch und sehen gut aus! R. Kilchsberger ist witzig, ein sehr guter Moderator. Die Sendung ist für mich gute Unterhaltung. Antworten
@Peter Duschek, Nichts für ungut, aber bei dem Satz "Es gibt noch Leute die Träume haben" wirds mir etwas mulmig.. Glauben Sie mir, das sind nicht mehr die Träume der Menschen, das sind die "Träume", oder sagen wir besser Konzepte, Ideen, Verkaufsstrategien der modernen manipulativen Medien- und Konsumindustrie. Nichts anderes. Punkt aus. Antworten
Ich finde Deal or no Deal eine schöne Sendung. Es gibt zudem verschiedene Versionen dieser Spielshow. Entweder mit Koffern oder mit Kartonschachteln. Ich finde die Koffer etwas ästhetischer. Ich würde mich trotzdem über die Show "Wer wird Millionär" beim SF freuen. Obwohl sie schon relativ alt ist, würde diese beim SF sicher auch sehr gut laufen. Vielleicht hat das SF noch die Kulissen von TV3. Antworten
So einen Stumpfsinn kann ich einfach nicht anschauen. Wenn jedoch viele dies so wollen, warum auch nicht. Macht ja nichts, wenn eine Minderheit es eben so sieht wie ich es tue. Nur dies darf man doch fragen, ist das Geld vom Zahler der Fernsehgebühren richtig eingesetzt. Antworten
Nomen est nomen - der Verfasser versucht die Zuschauer mit fadscheinigen Argumenten zu hinterfragen. Ob BRD, IT oder sonstwo. Es gibt noch Leute die Träume haben. Träume Geld gewinnen zu können. Das befriedigt in erster Linie das Format. Es lenkt ab vom Alltag und zeigt, dass ob mit oder ohne Risiko, taktische Fehler machen kann, zu spät auszusteigen oder zu früh. Gönnen sie das doch den Leuten . Antworten
Okay, die Sendung ist doof. Die Girls etwas stacksig und der Kilchsperger finde ich auch eher eine peinliche Nummer. Aber, man soll auch demokratisch sein. Immerhin schauen 500'000 Menschen jeden MIttwoch diese Sendung. Offenbar gibt es ein Publikum dafür; und ich schaue da auch mal rein. Das ist eben auch Service-Public; für jeden was. Antworten
Sind die Moneygirls eine Schweizer Erfindung? Oder hat man die den Italienern abgeschaut? Ich habe jedenfalls bei einem Englandaufenthalt die englische Version von Deal or no Deal gesehen und dort ist es tatsächlich eine Art Quiz mit mehreren Kandidaten und ohne Moneygirls... Antworten
Sehr geehrte Frau Deltenre Vielleicht sollte man sich doch überlegen, ob die floppende Sendung Tag und Nacht, nicht zusammen mit der Money Girl Show und Giacobo / Müller Show kombiniert werden könnte. Der Sexfilm wäre dann jeweils Sonntag Abend zu sehen und aus Spargründen könnten die weiblichen Darstellerinnen von SF bei Giacobo Vergewaltigungsdarstellerinnen spielen. 100%-ige Einschaltquote!! Antworten
Erde an Raumschiff, bzw. an Fernsehen: Macht doch endlich wieder mal intelligente Quiz-Sendungen, wo der Kandidat auch mehr wissen muss als Ja oder Nein und dabei unser Konzessionsgeld einkassiert. Gab doch mal ein "Wär gwünnt?", wo neben Spass und Unterhaltung auch geistig etwas mehr geboten wurde. Antworten
@Phillipp Sauter Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, die Sendung reflektiert einmal mehr (unter zahllos anderen Formaten) die Verblödung der Bevölkerung. Was mich hingegen viel mehr interessieren würde ist, was machen Sie um gegen die SRG und die BILLAG zu kämpfen? Gibt es eine öffentliche Gruppe oder ein Forum/Konferenz o.ä. dem Sie angehören? Kampf dem TV-Monopol! Antworten
Es werden ganz offensichtlich niedere Instinkte angesprochen. Und die hat wohl jeder von uns, die einen stehen dazu und die anderen verdrängen dies und bevorzugen mit grossem Eifer Mitmenschen zu beleidigen. Erfolg gibt manchmal recht. QED. Aber wenn mir eine Sendung nicht passt, dann schaue ich eben eine andere. Soll mir einer sagen die Auswahl sei nicht gross genug... ! zapzap Antworten
Der Knallerspruch von Roman ist immer wieder der gleiche: 'Gut gespielt'. Als ob ein Kandidat gut oder schlecht spielen kann!! Er braucht einfach Glück. Ich warte auf den Kandidaten, der Roman die Nummern im voraus abgibt und sagt, wenn ich das erste Gebot über CHF xx habe, dann höre ich auf - und tschüss. Antworten
Das letzte erträgliche Endemol-Produkt war meiner Ansicht nach "Wer wird Millionär?". Leider hat sich SF nicht dafür entschieden. Da konnte man immerhin noch etwas dazulernen. Ich denke, "Deal or no Deal" befriedigt die simple Lust nach möglichst wenig gedanklicher Anstrengung: nichts worüber es nachzudenken gilt, nichts das Fragen aufwirft, nichts dessen Relevanz ich für mich zu klären hätte. Antworten
hmm, könnte es nicht auch sein, dass der Roman Kilchsperger (auch mangels Konkurrenz beim Schweizer Fernsehen) so schlecht eben nicht ist? Oder die Sendung eben nicht mehr zu scheinen vorgibt als sie tatsächlich ist? Mir persönlich gefällt das Format auch nicht. Aber ich sehe nichts bösartiges und kanns drum akzeptieren. Antworten
Welche unwissenden elitären Ultranörgler geben eigentlich ständig zu solchen Themen ihren Senf dazu? Ich war selber mal Kandidat bei Kilchsberger. Leider haben sowohl der Tagi-Journalist wie auch alle anderen Ignoranten vergessen, dass man sehr wohl Fragen beantworten muss um unter die letzten 5 zu kommen. Nur einer der gesamthaft 25 Startkandidaten bekommt die Chance auf Köfferchen. Antworten
Weshalb schaut man Fernsehen? Entweder zur Informationsbeschaffung. Oder zur Entspannung. Es gibt kaum eine andere Sendung, wo man nicht im Geringsten denken muss. Wahrscheinlich ist es dann eher Schadenfreude, wenn jemand den grossen Gewinn verfehlt. Wenn ich am Mittwoch um 20 h zu Hause bin, läuft das Format zur Entspannung im Hintergrund. Vor dem Fernseher sitzen würde ich aber kaum. Antworten
Alle die hier einen Kommentar hinschreiben und so tun als seien sie so ausserordentlich clever weil sie nur ARTE und ARENA schauen, sollten lieber endlich ihren Kaffee austrinken und mal anfangen zu arbeiten. Und lasst doch die Leute schauen was sie wollen – kratzt doch keinen. Antworten
Herr Reto Brunner - Sie haben 2 Minuten dieser Sendung zugeschaut um festzustellen, dass alles Quatsch ist! Sie müssen ein Supertyp sein, dass Sie nach einer derart kurzen Zeit ein solch klares Urteil fällen können - Kompliment! Ich amüsiere mich auch heute noch - abwohl ich sicher mindestens die Hälfte der bisher 200 Sendungen gesehen habe. Mein Urteil nach ca. 4500 Minuten : Gute Unterhaltung. Antworten
@ P. Sauter: Pantoffeltierchen?!? Denke, gewisse Leute werden bald die Fotosynthese machen! Schade vor allem um R. Kilchsperger - habe ihn mal zufällig kennen gelernt. Gar kein dummer, einfacher oder doofer Mensch - nur eben: Auch hier lockt wohl das Geld. Jedoch: Nur schon eine Sendung wie 'Wer wird Millionär' o.ä. wäre um einiges interessanter und wenigstens etwas bildend....! Antworten
Diese Show ist einfach Quatsch. Ich habe vor langer Zeit (denn sie läuft leider schon sehr lange) mal aus Versehen 2 Minuten davon geschaut - unerträglich. Sonst finde ich SF super, aber dieser Sendeplatz könnte wirklich viel sinnvoller besetzt werden. Antworten
Sorry, aber wer diese Sendung regelmässig schaut, den kann ich nur bemitleiden. Entweder ist er so erschöpft, dass er nichts anderes tun kann oder er hat etwa einen IQ wie ein Pantoffeltierchen. Dies ist wohl die dümmste Sendung, die es überhaupt gibt und bestärkt mich einmal mehr, mitzuhelfen die SRG und Billag abzuschaffen. Subito! Ich weigere mich Fernsehsteuern für so einen Schrott zu zahlen. Antworten
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Tante Rosmarie
ich fordere mehr Moneyboys!! Antworten