Kultur

Linus Schöpfer
Redaktor Kultur


TV-Kritik: Und die Götter lächelten herab auf sie

Aktualisiert am 26.09.2011 42 Kommentare

Die 2o-jährige Berner Handelsschülerin Alina Buchschacher ist die neue Miss Schweiz. Ihr Weg zum Titel war voller Abenteuer – eine Tragikomödie griechischen Ausmasses.

1/10 Ein Tränchen der Rührung: Alina Buchschacher kann es noch nicht recht glauben.
Bild: Keystone

   

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Das Tessin ist ja so quasi das Griechenland der Schweiz. Im guten Sinne, notabene: Sonniger als der Rest, kulinarisch überlegen, seit langem schon Refugium für Geistesgrössen verschiedenster Couleur – von Hermann Hesse über Paul Klee bis Max Frisch.

Und tatsächlich wehte ein Hauch griechischen Dramas durch die Miss-Schweiz-Wahl; die drei Aristotelischen Einheiten von Raum (Centro Esposizioni, Lugano), Zeit (20 bis 23 Uhr) und Handlung (Kür der Miss Schweiz 2011) waren allesamt erfüllt. Als Hermes vermittelte Sven Epiney in die Deutschschweizer Stube.

Exposition: «Natürlich, ich spreche Schwyzerdütsche!»

Am Anfang war das Chaos: Das Publikum wedelte mit Leuchtlämpchen, und alles lief wild durcheinander. Da und dort ein einsames Grüppchen Miss-Anwärterinnen, dramatische Tänzer jagten durch die dezent futuristische TV-Arena. Untermalt wurde die Szenerie mit pumpendem Elektro-Sound, den die Sendemacher im Verlauf des Abends gekonnt variierten.

Die beiden Moderatoren, TSI-Adonis Matteo Pelli und Xenia Tschoumitscheva, die im Vorfeld der Wahlen pünktlich zur Aphrodite mutiert war und die geneigte Leserschaft mit Sex-Beichten ergötzt hatte, brachten mit ihrem ersten Auftritt etwas Ruhe in die Sendung. Tschoumitscheva, wie gewohnt mit Vamp-Look und Killer-Lächeln, stellte ihre Sprachkenntnisse allerdings etwas gar aufdringlich zur Schau («Natürlich, ich spreche Schwyzerdütsche!»). Unverkennbar war das Bemühen der Sendemacher, den zwölf Kandidatinnen in kürzester Zeit ein individuelles Profil zu verpassen – und das gelang dank der abwechslungsreichen Vorstellungs-Clips überraschend gut, mal abgesehen vom forcierten und doch eher langweiligen Holzhammer-Patriotimus («Ich liebe... Schoggi, Käse» et cetera).

Komplikation: «You've Got a Phone Call!»

Was folgte, waren Stimmungsbilder und inszenierte Halbpeinlichkeiten aus dem Missen-Camp, das auch dieses Jahr von Karina «Gaia» Berger, der Miss-Übermutter, organisiert worden war. Darunter das mittlerweile nicht mehr ganz so originelle Rumgerenne in hochhackigen Schuhen (angeleitet von einer burschikosen Drillmeisterin) oder eine Prüfung in Hauswirtschaft – unter ständiger hämischer Beobachtung eines fiesen Gastro-Hephaistos.

Zwischen Bikini-Schau und Abendkleid gabs verschiedene Ständchen, so auch vom Dionysos des Abends, dem anzüglichen kubanische Rapper Baby Lores, dessen hektischer Track allein aus einem einzigen langgezogenen turbulenten Refrain zu bestehen schien.

«You've Got a Phone Call!» dröhnte dann die Roboterstimme, und der Catwalk-Styx tat sich auf zwischen Verlierinnen und Siegerinnen – da warens nur noch sechs.

Peripetie: «Ich tute soviele gute Sachen erleben»

Nach einer weiteren Eliminationsrunde und einem Rückblick auf das Missen-Jahr von Kerstin Cook («Ich tute soviele gute Sachen erleben») ging die Miss-Schweiz-Wahl 2011 mit Julia Flückiger, Ashley Balmer und Alina Buchschacher in die finale Phase – Hera, Athene und Aphrodite also, dem helvetischen Couch-Potato kam die wohlige Rolle des Paris zu.

Retardation und Katharsis. Oder: Cadel Evans und Alina Buchschacher

Nach einem verunglückten Quiz kam dann aus einer weissen Röhre urplötzlich der verkniffene kleine australische Velo-Fahrer Cadel Evans – Glamour geht wohl anders. Derweil hatte der besagte Couch-Potato seine Stimme längst abgegeben und wollte nur noch eines wissen: Wer jetzt? Dafür war man schliesslich den vollen Samstagabend vor der Kiste gesessen, beim Poseidon!

Daraufhin schied auch die letzte verbliebene Blondine, Ashley Balmer, aus. Zur Siegerin ausgerufen wurde schliesslich die 20-jährige, schüchtern wirkende Berner Handelsschülerin Alina Buchschacher.

Das war sie also, die Miss-Schweiz-Wahl 2011 auf SF. Ob die Sendung nun tatsächlich eingestellt wird, das weiss wohl nur Zeus – beziehungsweise Roger de Weck.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.09.2011, 09:05 Uhr

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42 Kommentare

Sandra Junker

24.09.2011, 22:48 Uhr
Melden 171 Empfehlung 0

zum glück tute ich diese Sendung nicht schauen. Antworten


Kurt Bertschi

25.09.2011, 10:39 Uhr
Melden 137 Empfehlung 0

Es wäre höchste Zeit diesen "Unsinn" einzustellen. Hoffentlich hat Herr De Weck den Mut dazu. Antworten



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