Kultur

TV-Kritik: Starkes neues Ermittlerduo

Von Daniel Arnet. Aktualisiert am 09.05.2011 35 Kommentare

Die 800. «Tatort»-Folge war eine runde Sache: «Eine bessere Welt» überzeugte mit Nina Kunzendorf und Joachim Król als Kommissare und einer Story, die für einmal andersrum lief.

1/11 Wie Katz und Maus: Das neue Ermittlerduo Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król).
Bild: HR

   

Kritik, Rating, Diskussion

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Nach über einer Stunde gab es die erste Tote – und das war erst noch eine Katze. In der neuesten «Tatort»-Folge «Eine bessere Welt» mussten die Frankfurter Ermittler keinen Mord aufklären, sondern dafür sorgen, dass keiner geschieht. Das liess den kauzigen Kommissar Frank Steier (ein herausragender Joachim Król) an seinem Beruf zweifeln: «Wir sind die Mordkommission – und nicht die Mordverhinderungskommission.»

Seine feinfühlige Kollegin Conny Mey (Nina Kunzendorf) sah das ein bisschen anders. Klar also, dass sich die beiden nicht mögen würden: Als sie das erste Mal zu seinem Büro schritt, dachte er, ein Pferd sei im Anmarsch; er schimpfte sie einen dressierten Dackel, der vor seinem Herrchen sitzt, und attestierte ihr wie ein Äffchen zu klettern – lauter tierische Nettigkeiten.

Ein paar Tränen für den Kollegen

«Sie gehen mir mit Ihrer Gutmenschenkacke und dem Helfersyndrom dermassen auf den Sack, das können Sie sich gar nicht vorstellen», sagte Steier zu Mey mit einem süffisanten Lächeln. Ist dieses neue Ermittlerduo also eine Fehlbesetzung? Nicht für die Fernsehzuschauer, denn die beiden Schauspielgrössen Joachim Król («Der bewegte Mann») und Nina Kunzendorf («Stauffenberg») gaben ihre Typen absolut glaubwürdig. Sie verharrten nicht starr in den Rollen, sondern entwickelten sie nur schon in dieser ersten Folge. Am Schluss verdrückte Mey gar ein paar Tränen für ihren Kollegen, der in der Intensivstation lag.

Die TV-Produktion begann auch mit einer Spitalszene: Stefan Döring lag dort seit einem Jahr im Koma, sein Vater Sven Döring (ein eindrücklicher Justus von Dohnányi) umhegte ihn Tag für Tag. Er konnte nicht loslassen, obwohl ihm die Ärzte rieten, den Sohn sterben zu lassen. Das entsetzte den Vater: «Sie machen sich zum Helfer der Mörderin!» Denn Sven Döring war überzeugt, dass sein Sohn von der Frau umgefahren wurde, die ihn blutend auf einer Brücke fand.

Hessen statt Hollywood

Tatsache war aber, dass die Briefträgerin Mariam Sert (Vicky Krieps) nach einem fidelen Tanzabend sturzbetrunken auf der Brücke anhalten musste, um sich zu übergeben. In dem Moment lief ihr Stefan Döring über den Weg und wollte ihr helfen. Doch – zack! – ein anderes Auto mähte ihn um und beging Fahrerflucht. Der irre Vater liess sich allerdings nicht von seiner Besessenheit abbringen, dass Mariam Sert seinen Sohn aus verschmähter Liebe angefahren hatte.

Er ging auf Rachefeldzug, passte die Briefträgerin ab, bedrohte sie und killte zunächst ihre Katze. Nach und nach liess sich Kommissar Steier vom Anfangsverdacht seiner Kollegin Mey überzeugen. Gemeinsam machten sie sich daran, Döring aus dem Verkehr zu ziehen. Mey sagte einmal: «In einem amerikanischen Film würden sie so einen erschiessen.» Gut, war das keine Hollywood-Produktion, sondern ein solides Werk des Hessischen Rundfunks. So ging die Spannung nicht im Kugelhagel unter.

«Eine bessere Welt» war eine originelle «Tatort»-Folge mit leiser Kritik an der Psychiatrie: Einerseits entliess die Klinik den Vater Sven Döring voreilig, andererseits ermöglichte erst der Polizeipsychologe Daniel Behnken, dass es zur finalen Messerstecherei kam, bei der Kommissar Steier schwer verletzt wurde. Uns Fernsehzuschauern bleibt nur auf eine schnelle Genesung von Kommissar Frank Steier zu hoffen, auf dass dieses neue Ermittlerduo recht bald wieder zum Einsatz kommt.

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Erstellt: 09.05.2011, 10:08 Uhr

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35 Kommentare

Herbert Velder

09.05.2011, 10:44 Uhr
Melden 27 Empfehlung 0

Die Aufmachung der Polizistin war etwas gar übertrieben. Sonst war das Gebotene einer der besten Tatorte, die ich je gesehen habe. Antworten


Hausi Meier

09.05.2011, 10:23 Uhr
Melden 25 Empfehlung 0

In der Tat ein erfrischender Tatort - nur etwas blieb auf der Strecke (der Tatort-Gerechtigkeit): Der wahre Mörder des Jungen wird weiterhin seinen Sportwagen ausfahren ...
Einziger Wermutstropfen: man kann für oder gegen adrette Outfits von Kommissarinnen sein, aber diese Frau hätte es eigentlich nicht nötig, mit sexuellen Reizen zu reizen. Ihre Person ist ohnehin eine starke Besetzung.
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