TV-Kritik: Landei im Cocktailkleid
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 19.08.2010 28 Kommentare
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Diese Woche wars soweit, die neue «Glanz & Gloria»-Moderatorin hatte ihren ersten Einsatz. Sara Hildebrand heisst die Frau, die uns das Schweizer Fernsehen nach ihrer Wahl vor ein paar Monaten als «frische, unverbrauchten Mischung aus Charme, Glamour, Witz» schmackhaft gemacht hat. Eine sympathische Rheintalerin sei sie, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehe. Die allerersten Worte Hildebrands, die immer noch in Mels wohnt, wurden diesem Credo gerecht: «Das isch mini erscht Sendig mit Glanz und Gloria, guete Obed mitenand.» Ja, guten Abend – doch halt, was war das? Hildebrand kam nicht mehr wie beim Casting mit sympathischen Locken daher, sondern gestylt, das heisst die Locken gestreckt und den Körper ins Kleine Schwarze gesteckt.
Damit sollte wohl dem Namen der Sendung alle Ehre gemacht werden. Allerdings wollte die elegante Kluft nicht wirklich zu Hildebrand passen, deren Hobbys Jassen, Kochen, Backen und natürlich Inlineskaten sind. Dem sagt man wohl déformation professionnelle – und das schon am ersten Arbeitstag.
Keine Versprecher
Und trotzdem ist ein Schelm, wer die 23-Jährige nun eher beim «Donnschtig-Jass» sieht. Denn obwohl keinen angeborenen Glamour, hat Hildebrand das, was man bei weiblichen Personen öffentlichen Interesses als «grosse braune Rehaugen» bezeichnet. Sie ist weder kühl noch nuttig wie ihre Berufskolleginnen bei den deutschen Privatsendern, sondern herzig und damit die ideale Verkäuferin von unseriösen Peoplenews am seriösen Schweizer Fernsehen. Eine andere Gesichtspartie der 23-Jährigen bot hingegen Anlass zum Meckern: Ihr sonst hübsch geschwungener Mund zuckte immer wieder unkontrolliert.
Sonst war von Nervosität nicht viel zu spüren. Souverän und versprecherfrei moderierte Hildebrand durch die ersten zwei Sendungen. Wobei sie wegen eines Gölä-Specials nicht viel zu tun hatte. Ein Interview musste sie nicht führen, ihre Sprechzeit betrug vielleicht 90 Sekunden. Handkehrum kann man sich in dieser Zeit ein paar Mal verhaspeln – zum Beispiel wenn man von Beruf Wetterfee ist. Doch Hildebrand hat Radioerfahrung (bei FM1). Und vor zwei Jahren schrieb sie sich an der Uni Zürich ein, wo sie Germanistik, Geschichte und Pädagogik studiert. Die staatliche Peopleberichterstattung ist bei Sara Hildebrand in guten Händen.
Wie gefällt Sara Hildebrand Ihnen? Meinungen bitte unten eintragen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.08.2010, 14:10 Uhr
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