Kultur
TV-Kritik: Lahme Sozialromantik
Aktualisiert am 02.04.2012 20 Kommentare
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Berlin, wie könnte man es nicht lieben. Die Hinterhofkneipen, die Alleen, die Plätze, die Kleingewerbler, der Dialekt. Aber auch das grossstädtische Flair, die Bürotürme, die Strassenszenen. Und inmitten dieser hübschen Kulisse ermittelten Kommissar Ritter (Dominik Raake) und Kollege Stark (Boris Aljinovic) im gestrigen «Tatort».
Der Fall: Taxiunternehmer Herbert Klemke wurde in einer Blutlache mit einem Loch im Kopf tot an seinem Schreibtisch aufgefunden. Kleinunternehmer Klemke hatte mit allen möglichen Leuten Streit. Sie geben ein schönes Sammelsurium jener typischen Berliner Existenzen her, die sich so gut für «Tatort»-Folklore eignen: die kluge Tochter Dagmar (Nicolette Krebitz), die verstockte Sekretärin, der türkische Taxiunternehmer von der Konkurrenz, die verdächtige Bankberaterin und die Untermieter, das Geschwisterpaar Ziska und Pitt, das in einem seiner Mietshäuser einen Feinkostladen betreibt.
Das kleine und das grosse Berlin
Wir sehen die zwei Gesichter dieser Stadt, das kleine Berlin und das grosse, die Kleingewerbler und die Grossunternehmer, die schmucken Häuser und die Büroglastürme. Und es ist klar, dass die Welt der Krawattenfatzkes etwas mit dem Mord zu tun hat. Der entscheidende Hinweis auf das Motiv ist denn auch ein Check über 70'000 Euro. Über ihn kommen die wackeren Kommissare Ungereimtheiten bei der Bank auf die Spur sowie den Vermögensverhältnissen unter den Verdächtigen.
Die beiden Ermittler erledigen brav ihre Arbeit. In schön parallel geschnittenen Szenen versuchen sie die entscheidenden Verbindungen herzustellen. Aber sie bleiben Staffage. Die Drehbuchautoren, so wird schnell klar, überlassen die Lösung des Falles der Dynamik zwischen den Verdächtigten. Die beiden Kommissare könnten auch einfach einen heben gehen und zurückkommen, wenn der Mörder sich von selber überführt.
Sozialromantische Bankerin
Besser gesagt, die Mörderin. Denn ausser Pitt mit sträflich schlechtem Haarschnitt und Charakter sind alle Verdächtigen weiblichen Geschlechts. Deshalb geht es um Beziehungen. Und Soziales. Tochter Dagmar etwa ist in eine sowohl erotisch wie finanziell motivierte Beziehung zu Ziska verstrickt, was zwar gut aussieht, aber die Handlung nicht eben vorantreibt. Und die Bankberaterin Christa Meincke, mit der Klemke vor seinem Tod telefoniert hatte, stellt sich als eine moderne Ausgabe von Robin Hood heraus. Sie veruntreut das Geld der Grossen, um den Kleinen zu helfen. «Heutzutage ist es doch so, je grösser ein Kredit, desto eher wird er bewilligt», heisst es da. Das alles wird mit actionarmen Szenen und viel schlechter Musik ausgemalt. Statt Rührung stellt sich Langeweile ein.
Entsprechend lahm ist der Showdown, als die Sekretärin der einmal mehr unschuldig bedrängten Dagmar ihre wahre Rolle im ganzen Spiel offenbart. Glücklicherweise tauchen da auch unsere beiden Kommissare auf und machen dem Ganzen ein Ende. Mit Dagmar möchte man dazu sagen: «Die Zeiten haben sich geändert. Das hier ist ein bisschen Folklore, aber es ist kein Geschäft.» So lässt sich doch kein guter «Tatort» machen.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.04.2012, 08:05 Uhr
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20 Kommentare
Das kleine und das grosse Berlin - eine gelungene Realitätenshow - für mich ein interessanter Krimi mit viel Spannung und bis zuletzt wusste ich eigentlich nicht wer der/die Täter waren. Auch wenn es nicht tonnenweise Tote gab, nicht sexuelle Beziehungen so aufdringlich im Vordergrund standen, ich mag dieses Team sehr sogar, viel mehr als Boerne/Thiel di allgemein als die Besten empfunden werden. Antworten





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