TV-Kritik: Kommissarin mit Körpereinsatz
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 21.11.2011 45 Kommentare
Kritik, Rating, Diskussion
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Folge: «Der Tote im Nachtzug»
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Nach 100 «Tatort»-Minuten weiss man nicht so recht, was man von der Folge «Der Tote im Nachtzug» halten soll. Spannung: so gut wie keine. Glaubwürdigkeit: naja. Nicht einmal ein richtiges Mordopfer gab es. Einzig Polizeihund Carlo blieb erschossen auf der Strecke. Das jedoch hätte der Täter vor Gericht wohl als Notwehr auslegen können. So weit kam es nicht, denn auch er wurde später getötet, er, der vermeintliche Mörder des erschossenen Toten im Nachtzug.
Nach herkömmlichen Bewertungskriterien kann «Der Tote im Nachtzug» also kaum als gelungener Krimi bezeichnet werden. Kaum wurde der Tote (ein ehemaliger Bundeswehrsanitäter, der wegen Medikamentendiebstahls entlassen worden war) gefunden, war klar, dass der zwiespältige Stanislav Kilic der Mörder sein muss. Dieser hatte sich im Zug heftig mit dem Opfer gestritten und floh in Actionfilm-Manier vor der Polizei (wie er dabei erst aus einem fahrenden Zug und später aus etwa fünf Metern Höhe springen und danach unversehrt weiterrennen konnte, war ziemlich bemerkenswert). Fall beinahe schon gelöst, alles klar. Oder?
Ungewöhnlich ausgiebige Polizeiarbeit
Nicht für die beiden Frankfurter Kommissare, die der gestrige «Tatort» in den Fokus rückte, genau wie die Polizeiarbeit, die ungewöhnlich viel Raum einnahm. So gehörte die ausgiebige Rekonstruktion des Tathergangs zu den Schlüsselszenen, die bei einem weniger unterschiedlichen Mann-Frau-Duo ohne weiteres in einer Sexszene hätte enden können. Die Hauptkommissare Conny Mey und Frank Steier jedoch könnten unterschiedlicher nicht sein. Zum zweiten Mal waren sie für den «Tatort» im Einsatz und bei ihrem ersten Auftritt im Mai umjubelt worden. Auch gestern boten die beiden eine überzeugende schauspielerische Leistung.
Hier die überschwängliche, fast schon kindisch wirkende Conny Mey, die erneut ihren Sexappeal zur Schau stellen durfte, allerdings so, als sei sie sich ihrer Reize nicht bewusst; wie ein Teenagermädchen, das noch mit Puppen spielt, während die Männer schon längst an etwas anderes denken. In den ersten Filmminuten waren ihre langen, entblössten Beine die eigentlichen Hauptdarsteller, was ihren apathischen Kollegen Frank Steier noch sprachloser machte. «Wo ist denn Ihre Hose geblieben», fragte er nach fassungslosem, minutenlangen Schweigen. «Ja hier», antwortete sie, hob ihre zwei Nummern zu grosse Polizeijacke und ein winziges, hellgrünes Jogginghöslein kam zum Vorschein.
Wenn die Kommissarin für den Höhepunkt sorgt
Conny Meys unbekümmerte, fast schon naive Art zählte zu den Höhepunkten für die Zuschauer (besonders bei der Szene, in der sie sich die schwangere Witwe zur Brust nahm) und wohl auch für Kommissar Steier. Dieser hangelte sich wie ein geschlagener Hund durch den Alltag, immer wieder durch Panikattacken gehemmt. Die energiegeladene Conny Mey war da ein willkommener Gegenpol – und umgekehrt. Wäre Steier nur ansatzweise so wach gewesen wie seine Kollegin, wäre das Duo kaum auszuhalten gewesen. So aber waren es die Kommissare, die für ein bisschen Spannung sorgten, und nicht der Fall an sich, und am Rande auch die Bundeswehr (in Form des knackigen Benno Fürmann), die plötzlich ins Spiel kam. Diesen vernaschte Conny Mey später zwecks Informationen. Das nennt man dann wohl Work-Life-Balance.
Als denn Mey und Steier sieben Minuten vor Schluss nach dem Hauptverdächtigen auch noch das Mordopfer abhandengekommen war, und sie den wahren Tathergang dann noch selber vertuschten, war definitiv alles anders, als bei einem herkömmlichen Krimi. Ausgerechnet Polizisten, die sich nicht rechtmässig verhalten. Aber manchmal gibt es eben nicht nur Schwarz und Weiss. Und manchmal kann ein Krimi auf dem Papier schlecht sein und in Wirklichkeit doch gar nicht so übel. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.11.2011, 10:32 Uhr
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45 Kommentare
Grad weil der Krimi, bzw. das Ermittlerpaar "anders" war, hat er mir gefallen. Natürlich ist alles unrealistisch, aber das ist ja bei jedem Krimi so... Unterhaltend war er alleweil und Conny Mey ein Zungenschnalzer... In der Schweiz ist man von solchen Schauspielerinnen leider meilenweit entfernt. Habe jetzt schon wieder Panik vor dem nächsten CH-Tatort... Antworten
Beste Sonntag-Abend-Unterhaltung. Selten so entspannt einen Tatort genossen. Im Gegensatz zur häufig endlos wirkenden Hosensack-Psychologie endlich Action und Spass mit Vater-Tocher, Alt-Jung, Täter-Opfer, Realität-Fiktion etc. Wenn es schon nicht der Realität der Polizeiarbeit entspricht, dann auf diese Weise. Antworten
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