Kultur

TV-Kritik: Kommen nach den Minaretten die Deutschland-Fahnen dran?

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 10.12.2009 270 Kommentare

Alle reden über das Verhältnis der Schweiz zu den Muslimen. Da erinnert uns SF in einem «Reporter» an eine Einwanderergruppe, die wir schon fast wieder vergessen hatten: Die Deutschen.

1/7 Aufgebauschte Geschichte als Anschauungsbeispiel für die Deutschenfeindlichkeit: Das deutsche Model Alena Gerber, das die gänzlich unbekannte Internet-TV-Sendung usgang.tv moderiert. Ihr Engagement führte...
SF/Reporter

   

Nicht nur der Zeitpunkt für diesen «Reporter» so kurz nach der Minarett-Initiative erscheint etwas seltsam, auch der Einstieg zur Sendung. Der Fall Alena Gerber wird nochmals aufgekocht: Eine von den Medien aufgebauschte Geschichte über SVP-Politiker, die sich angeblich über ein deutsches Playmate ereiferten, das eine gänzlich unbekannte Schweizer Internet-TV-Sendung namens Usgang.tv moderierte.

Dieser Fall, der von keinem der beteiligten Exponenten wirklich ernst genommen wird, eignet sich denkbar schlecht als Anschauungsbeispiel für eine durchaus ernst zu nehmende Entwicklung: Über Deutsche zu lästern ist ein Volkssport geworden. Reporterin Belinda Sallin meint gar, die Deutschen seien hierzulande zu einem «Hassobjekt» geworden. Nebst dem Fall Gerber zeigt sie einige tatsächlich besorgniserregende Bespiele dafür. Einerseits ist da die Radio-Moderatorin Katrin Wilde, die nach Beschimpfungen, Drohungen und einem demolierten Auto nach wenigen Monaten ihren Job bei Radio Energy aufgab und die Schweiz wieder verliess. Andererseits äussern sich zwei nichtprominente Deutsche, die üble Drohbriefe erhalten haben. «Die Kugel für Sie steht schon bereit, du elende Deutsche», heisst es auf einem Brief, der an eine Frau gerichtet ist, die schon 30 Jahre in der Schweiz lebt.

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt, dass dies keine Einzelfälle sind. Fünf Anzeigen wegen solcher Drohbriefe seien bisher eingegangen. Gut möglich, dass diese von einem «gestörten Individuum» stammen, wie der bekannte (deutsche) Psychoanalytiker und Satiriker Peter Schneider sagt. Er meint, dass die «sprachliche Nähe und doch Verschiedenheit» für das angespannte Verhältnis zwischen Schweizern und Deutschen verantwortlich sei. Dies glaubt auch SVP-Nationalrat Hans Fehr, der bei den Deutschen eine Ruppigkeit in der Sprache feststellt.

28'000 Deutsche in Zürich

Dass die Unterschiede bei Sprache und Tonalität der Sympathie nicht unbedingt zuträglich sind, dürfte durchaus richtig sein, erklärt aber nicht, weshalb die ablehnende Haltung gegenüber den Deutschen ausgerechnet in letzter Zeit so zugenommen hat. «In den letzten Jahren ist es gravierend geworden», sagt jene Frau, die seit 30 Jahren schon in Zürich lebt. Sie spricht von einem zunehmend gehässigen Ton. Liegt es an der Menge? 28'000 Deutsche leben zurzeit in der Stadt Zürich und jeden Monat werden es mehr. Liegt es in einer allgemeinen Skepsis gegenüber Einwanderern, siehe Minarett-Initiative? Oder ist die Deutschen-Feindlichkeit am Schluss gar nicht so gravierend und unsere Wahrnehmung von der Steinbrück-Affäre geblendet?

Antworten auf diese Fragen gibt es in den 25 Minuten Sendezeit keine, auch nicht ansatzweise. Empörung zu schüren ist einfacher, als den Ursachen nachzugehen. Der «Reporter» zeigt aber auf: In unserem Verhältnis zu den hier lebenden Deutschen herrscht einiges an Unbehagen und Unsicherheit. Und: Einige Unbelehrbare hätten wohl nach dem Verbot von Minaretten auch kaum etwas gegen ein Verbot von Deutschlandfahnen einzuwenden. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.12.2009, 10:25 Uhr

270

Kommentar schreiben







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

270 Kommentare

Luzia Keller

10.12.2009, 18:16 Uhr
Melden

'....und sie liebten und sie schlugen sich....!' Himmeldonnerwetternochmal, was geht hier eigentlich vor? Kindergeburtstage sind ja völlig harmlos dagegen. Reisst Euch bitte zusammen und umarmt Euch....es ist doch Weihnachtszeit! Schon davon gehört? Antworten


Alois Gfeller

10.12.2009, 16:31 Uhr
Melden

Die Deutschen sind die mit Abstand problemloseste Ausländergruppe, die uns Schweizern nur gut tut. Die überwiegende Mehrheit ist nach meinen Erfahrungen anständig, charmant, humorvoll, kultiviert und sehr anpassungsfähig - nicht zu schweigen von der überdurchschnittlichen Qualifikation und Bildung. Also: Willkommen, Gäste aus Deutschland, ignoriert die wenigen Ewiggestrigen doch einfach! Antworten



Kultur

Populär auf Facebook Privatsphäre


Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!