Kultur
Tatort: Jede Menge totes Fleisch
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 26.03.2012 10 Kommentare
Kritik, Rating, Diskussion
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Abgepackte Pouletbrüste, ein Container voll Hühnerfüsse, nach Schaf schmeckendes Schweinefleisch, ein abgetrennter Menschenkopf, eine abgehackte Hand, drei halbgefrorene Chinesen, ein tiefgekühlter Verdächtiger, ein erstochener Verdächtiger und ein Selbstmord: das ist die Fleisch-Bilanz des «Tatorts» «Falsch verpackt».
Sie wie ein Mann, er wie eine Frau
Mit so viel totem Fleisch kamen die beiden Wiener Kommissare gar nicht zurecht. Bibi Fellner hätte gut ein paar Schnäpse vertragen können, doch sie darf ja nicht, will sie doch endlich von ihrer Alkoholsucht loskommen. Und Moritz Eisner hätte das Fleisch eigentlich gerne auf dem Teller gehabt, will jedoch abnehmen und benahm sich wie eine hungernde Zicke. Im Restaurant bestellte er mit den Sonderwünschen einer Frau, um am Ende aus Trotz gar nichts zu essen («Das schwimmt ja im Fett!»). Und später heulte er nach einer Prügelszene mit Inkasso-Heinz, als wäre er von Hormonschwankungen geplagt: «Ich bin so eine Null! Ich lasse mir von so einem Arschloch die Nase brechen.»
Der Inkasso-Heinz war – wie könnte es anders sein – auch dieses Mal in den Wiener «Tatort»-Fall verwickelt (gottlob soll dieser Running-Gag nun für eine Weile hinter Gitter kommen), genau wie die chinesische Mafia. Nach den drei tiefgekühlten Chinesen wurde ein vierter Chinese zerstückelt gefunden, beziehungsweise alle Gliedmassen bis auf seinen Kopf. Da blieb den Kommissaren nichts übrig, als in Müllcontainern danach zu suchen: Eisner im Anzug, Fellner kurz vor dem Erbrechen. Um 23 Uhr hatten sie den Kopf endlich, die Spurensicherung weigerte sich jedoch, sich darum zu kümmern: Dienstschluss. Alles in allem zu viel für die Kommissarin auf Entzug (und für manchen Zuschauer wohl auch). Kurze Zeit später war nun sie es, die bittere Tränen vergoss. Dieses Mal eilte Eisner tröstend herbei. Eine rührende Szene, die sich zu einer knisternden Szene im Auto entwickelte. «Ich kann nicht allein sein», sagte Fellner im Auto. «Ich auch nicht», so Eisner.
Hygienisch verpackter Kopf
Die Macher des Wiener «Tatorts» verstehen es gut, den Kriminalfall mit der privaten (Liebes-)Geschichte der Ermittler zu verknüpfen. Die trockenen Witze und komischen, manchmal morbiden Szenen sind dabei dezent eingeflochten. «Mal hat sich ein Masochist von einer den Schwanz abbeissen lassen. Angeblich war das gar nicht so leicht», erzählte Bibi beiläufig. In einer anderen Szene packte sie sich eine Pouletbrust ins Handtäschchen, geschenkt vom schmierigen Verdächtigen. Manchmal waren die Gags eigentlich plump, aber in der Ausführung dennoch herrlich. «Da ist ein Kopf im Kühlschrank!», schrie Eisners Tochter hysterisch. «Ah sorry, das ist meiner», sagte Eisner und schlenderte lässig durch die Küche. «Warum ist da ein Kopf in unserem Kühlschrank!» – «Weil er sonst zu stinken anfängt, ist doch logisch.» – «Das ist voll unhygienisch!» – «Das ist überhaupt nicht unhygienisch, der ist wunderbar verpackt.»
Dann war da noch der Fall mit der chinesischen Mafia, der unglaublich und vertraut zugleich wirkte. Etikettenschwindel mit gefälschter Ware, Flüchtlinge, die in Containern in eine vermeintlich bessere Welt reisen, misstrauische Chinesen, die in unzumutbaren Wohnblöcken wohnen und in heruntergekommenen Fabrikhallen schuften: Das Milieu – oder zumindest das Klischee davon – kam uns doch bekannt vor. Nach ein paar überflüssigen Umwegen über Aceton und die Vogelgrippe, waren alle toten Chinesen komplett und ein Verdächtiger nach dem anderen entweder gefroren oder erstochen ausgefallen.
Blieb nur noch die zarte, aber gefürchige chinesische Restaurantbesitzerin als mögliche Mörderin übrig. Man wusste nie, was in ihr vorgeht. Genau wie Eisner und Fellner nie wussten, mit welcher Macht, beziehungsweise welchen Mördern sie es wirklich zu tun hatten. Wirklich bedrohlich wirkte das Ganze dennoch nicht, ausser für die Chinesen, die in den Fall verwickelt waren. Die Spannung blieb dennoch einigermassen aufrecht. Wieder einmal setzten die «Tatort»-Macher auf eine Überraschung kurz vor Ende kombiniert mit einem offenen Schluss. Das Böse bleibt da draussen und wir bleiben weiterhin dran beim Wiener «Tatort», auch wegen der Liebe. Bloss die «Drei Chinesen mit dem Kontrabass» hätten sich die Kommissare sparen können.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.03.2012, 09:06 Uhr
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10 Kommentare
Aber sorry! Der Tatort war doch vom AllerFEINsten :-)
Ganz einfach grosses Wienerschmäh-Kino. Völlig überspitzt (zum Glück), aber immer noch mehr als Ertragbar. Die Klischees meiner Meinung nach herrlich schön verteilt über die 90 Minuten (Chinatownszenen, eingefrorerner, betender Geschäftsführer etc.).
Wenn dann jetzt noch irgendwo der Josef Hader auftauchen würde... huch!
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