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TV-Kritik: Hier sind sie, die guten Albaner

Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 25.11.2011 126 Kommentare

Albaner sind Raser, Schläger, Kleinkriminelle. Das lesen wir täglich in den Medien. SF zeigte uns gestern, dass Albaner Ärzte, Banker, Politiker sind – und die neuen Pizzaiolos.

1/12 Azem Maksutaj prügelt sich gerne, allerdings nicht auf der Strasse,...
Bild: Screenshot SRF

   

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Eine Serie im deutschen Fernsehen heisst «Gute Zeiten, schlechte Zeiten». Eine klassische Soap: Menschen wie du und ich mit mehr oder weniger grossen Problemen. Dazu die unverzichtbaren Triebfedern: ein paar fiese Charaktere, Intriganten, Betrüger. Alles in allem plätschert «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» seit etwa zwanzig Jahren vor sich hin, ungefähr so spielt das Leben. Gutes und Schlechtes halten sich die Waage.

Etwa zur selben Zeit wie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» begann eine andere Geschichte: Tausende von Menschen flüchteten vor den Kriegen in Ex-Jugoslawien hierher, die meisten davon Albaner. Sie wohnen und arbeiten hier, ihre Kinder sind teilweise hier geboren, die Enkelkinder sowieso, sie sind die dritte Generation. Doch in dieser Geschichte halten sich gut und schlecht nicht die Waage. Raser, Sozialhilfebetrüger, Schläger, Dealer, Morde, Beziehungsdelikte, immer wieder negative Schlagzeilen. «Böse Albaner, schlechte Albaner», das Gute kommt nicht vor – zumindest im Bewusstsein vieler.

«Aggressivität im Blut»

Der gestrige «DOK» versuchte es gar nicht erst mit Ausgewogenheit. «Die guten Albaner» nannte der Filmer Béla Batthyany seine Reportage. Schaut her, es gibt sie, die Albaner, die es geschafft haben. Klar, der «positive» Titel ist Provokation, das Negative schwingt dadurch umso stärker mit. Direkt kamen die «schlechten Albaner» im Film nicht vor – brauchten sie ja auch nicht. Die Meinungen sind gemacht, wie verschiedene Strassenumfragen deutlich machten. «Die haben die Aggressivität im Blut, das hört man schon beim Reden» oder «Die flössen mir Angst ein» waren nur einige der durchwegs negativen, pauschalisierenden Aussagen. Bloss ein Mann sagte, die Albaner hätten hübsche Frauen.

Die «DOK»-Reportage zeigte als Gegenpol einen sanften Arzt, eine junge, attraktive SP-Politikerin, einen 30-jähriger Banker mit eigenem Krawatten-Halter und Swimmingpool, einen ehemaligen Thaiboxweltmeister und seine Frau, eine bildhübsche Finanzberaterin. «Wir wissen, wie es ist, wenn man nichts hat und kämpfen daher umso mehr», sagen sie als Erklärung für den Antrieb vieler Kosovoalbaner, sich besonders anzustrengen – in perfektem Schweizerdeutsch.

Zwei seiner Protagonisten begleitete Béla Batthyany in ihre erste Heimat, was interessante Einblicke gewährte in die Welt, von der wir so wenig wissen – schöne Landschaftsaufnahmen inklusive, fast wie in einer Reisereportage. Die junge Politikerin wirkte allerdings etwas fehl am Platz, wie sie mit ihren Pumps und dem Jupe über die Wiese stapfte. Genau wie ihre Eltern und die der anderen Protagonisten, die nach mehr als 20 Jahren noch fremd wirken in der Schweiz.

Albanische Pizzaiolos

Die Albaner sind nach den Italienern die zweitgrösste Einwanderungsgruppe. Diese waren früher ebenfalls verpönt und heute so beliebt wie ihre Küche. Viele Pizzerias werden inzwischen von Albanern geführt. «Die Gastronomie ist ein harter Job», sagte ein albanischer Pizzeria-Besitzer. «Die Italiener können das nicht mehr, die sind ein Stück weiter.» Ob die Albaner einst auch so akzeptiert sein werden wie die Italiener heute, ob eines Tages alles ganz normal sein werde, fragte die Off-Stimme am Ende und wirkte dabei beinahe poetisch.

Die Frage ist: Stehen Albaner nach den 50-Filmminuten besser da? Ist das Gute, der wahre Charakter der Albaner nun sichtbarer geworden? Béla Batthyany hat mit seiner runden Reportage einen wichtigen Beitrag geleistet, ohne die Albaner zu glorifizieren. Die Frage ist nur, ob es die richtige Entscheidung war, nur Erfolgsgeschichten zu erzählen. Immerhin besteht die grosse Masse ja genauso wenig aus ehrgeizigen Ärzten, Profiboxern und Politikerinnen, wie sie aus Rasern, Schlägern und Dealern besteht.

Aber vielleicht braucht es momentan genau diesen Gegenpol, damit wir eines Tages die breite Masse all derer erkennen können, die hier seit Jahrzehnten als Elektriker, Buschauffeure oder KV-Angestellte leben, ganz normal, still und friedlich – genau wie die meisten Schweizer auch. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.11.2011, 10:07 Uhr

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126 Kommentare

Marcel Müller

25.11.2011, 11:05 Uhr
Melden 165 Empfehlung

Die Albaner werden dann akzeptiert sein, wenn eine Albanerin problemlos einen Schweizer heiraten kann ohne Drohung, (Ehren-)Mord und Totschlag. Antworten


Patrick Meier

25.11.2011, 10:43 Uhr
Melden 149 Empfehlung

Dieser Artikel bzw. die Reportage passt doch bestens zur Geschichte von Amir B. Nur weil ein paar vorzeige Albaner ein speisbürgerliches Leben führen sagt noch lange nichts über die ganze Gemeinde aus. Niemand hat je gesagt, es gäbe keine anständige, vernünftige Albaner. Aber der Anteil an unvernünftigen ist in dieser Gemeinde nun mal überdurchschnittlich hoch. Antworten



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