Kultur

TV-Kritik: Heidi, Herrin der Heulsusen

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 13.02.2009 17 Kommentare

Zum vierten Mal sucht Heidi Klum «Germany's Next Topmodel» und nutzt die Gelegenheit, kräftig für das Imperium Klum zu werben. Zum Auftakt dieser Mission wählte sie aus 1100 Kandidatinnen 25 quotenträchtige Finalistinnen aus.

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Da kommt sie, die Frau der Sehnsüchte: Heidi Klum.

   

1100 langbeinige Mädchen wollen nur eins: Germanys next Topmodel werden. Aber viel mehr noch wollen sie sie haben: Heidi Klum. Sie ist das Idol aller deutschen Mädchenträume, eine, die es mit eisernem Willen bis nach ganz oben geschafft hat, wobei der tadellose Körper und das Grinsen, das den weissen Hai in die Flucht schlagen würde auch nicht geschadet haben.

Fred Feuerstein und Klumpfuss-Kostüm

Zum Auftakt der vierten Staffel ihrer Sendung, schreitet Klum in einem von Fred Feuerstein inspirierten Neandertaler-Fummel die Rolltreppe runter und schwankt auf ihren Klumpfuss-artigen Schuhen über den Laufsteg. Das Geheimnis ihres Erfolgs ist ihr nicht anzusehen, aber sie muss eines besitzen. Klum ist eine Marke, und die Castingshow ist die überdimensionierte Werbesendung dafür. Vielleicht wirkt das ehemalige Topmodel deshalb wie ein überdrehter Roboter.

Doch es gibt ja nicht nur Klum. Das eigentlich Unterhaltsame ist die Parade der Wildentschlossenen. Mädchen in Massen können ganz schön anstrengend sein, erkennt Juror Rolf klarsichtig. 21'000 hatten sich beworben. 1100 kamen zum Casting nach Düsseldorf, «irgendwo zwischen Balla-Balla-Schau und Kölner Karneval». Auch Juror Peyman bewies, dass er zu den Highlights des Formats gehört: Als ihm ein Girl mit Cowboyhut entgegenstürmt, schüttelt er den Kopf: «Man kann ja dein Gesicht gar nicht sehen.» Als sie den Hut mit dramatischer Geste und strahlendem Lächeln in den Nacken schiebt, meint er lapidar: «Lass den mal lieber unten.»

Tal der Tränen

Erste Figuren werden aufgebaut. Melanie, die Sexbombe, posiert im weissen Häkel-Bikini und ihr Vater, Marke Gartenzwerg, sagt in die Kamera: «Melanie hat ja schon lange den Wunsch in sich getragen, ein Model zu werden, also haben wir sie angemeldet.» Zur Sexbombe kommt die Scheue, die Schöne, das Küken, der Paris-Hilton-Klon und schliesslich Tessa. Sie steht schon in er ersten Sendung am Rande des Nervenzusammenbruchs, aber als Zicke ist sie unverzichtbar. Das gibt Quote.

Auch wenn die vierte Staffel laut Klum noch härter werden soll als die vorhergehenden, wird vieles beim Alten bleiben. Die angehenden Models werden Hair, Makeup und Styling als Leitmedien akzeptieren – und den Wahlspruch: «Ich will es schaffen» in jeder Lebenslage umsetzen. Ansonsten wird wieder die gesamte Geographie des weiblichen Gefühlslebens ausgelotet werden: von den Gipfeln der Euphorie bis ins Tal der Tränen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.02.2009, 07:16 Uhr

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17 Kommentare

Pat Merz

13.02.2009, 09:19 Uhr
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@Hans Meier: Was hat Unterwäsche mit fehlendem Respekt zu tun? Respektieren Sie eine Frau nur, wenn sie Kleider anhat? Schade ... Die Frauen sind jung, wollen es schaffen, wollen sich ausprobieren, stecken sich ein Ziel, arbeiten hart, etc. Natürlich werden sie medialisiert und als Produkt verkmarktet, aber immerhin lernen sie Disziplin, Professionalität und den Umgang mit unliebsamen Mitmenschen. Antworten


Hans Meier

13.02.2009, 08:38 Uhr
Melden

Man überlege 1'100 Kandidatinnen sind bereit, sich auf die Unterwäsche auszuziehen - kein Wunder fehlt es manchmal an Respekt! Antworten



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