Kultur

TV-Kritik: Die neue Lieblingskommissarin und der Schlitzer

Von Olivia Müller. Aktualisiert am 23.04.2012 64 Kommentare

Perfidie, Brutalität, Hoffnungslosigkeit: Der gestrige «Tatort» lehrte uns das Grauen. Während das Böse die Gestalt eines widerlichen Wichts annahm, mimte Ermittlerin Mey das unbedarfte Mädel von nebenan.

1/8 Ungleiches Duo: Conny Mey und Frank Steier werden zu einem Tatort in die Frankfurter Innenstadt gerufen.
Bild: DasErste.de

   

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Folge: «Es ist böse»

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Nomen est omen und in diesem Fall auch der erste Satz, der fällt: «Es ist böse», so heisst Kommissar Frank Steier (Joachim Król) seine Kollegin Conny Mey (Nina Kunzendorf) am Tatort willkommen. Böse ist der Anblick, der sich den beiden bietet: Die Prostituierte Ramona Förster liegt inmitten ihres blutgespränkelten Apartments, der Körper zerstochen, die Kehle durchgeschnitten. «Oh scheisse», kommentiert Kommissarin Mey die Lage.

Erin Brockovich mit Knarre

Es ist die dritte Folge des ungleichen Ermittlerduos Steier-Mey aus Deutschlands Finanzmetropole am Main. Zum Glück aber wird auf keinen Klischees geritten, und so bringen die Folgen aus Frankfurt bis anhin keine toten Banker-Bonzen zu Tage, sondern handeln vom Leben der einfachen Leuten im Schatten der Wolkenkratzer «Mainhattans».

Von echter Street Credibility zeugt auch Hauptkommissarin Mey: Gross, meist gut gelaunt und erfrischend ehrlich schreitet sie in ihren Cowboy-Boots zur Tat. Dies zwar mit Vorliebe aufgemacht als alterslose Tally-Weijl-Verkäuferin, die Nägel mal in Pink, mal in Babyblau… Aber wehe, es stellt sich der ehrgeizigen Frau wer in die Quere. Beispielsweise Kommissar Seidel, der den Fall übernehmen soll. Da stiefelt die Mey schon mal ungefragt ins Büro des Chefs und insistiert: «Ich mach das, weil ich das gut kann und ich lass mir doch nicht den Fall wegnehmen. Ich habe vor nichts Angst!». Eine Erin Brockovich mit Knarre, sozusagen (die übrigens prominent am Hinterteil prangt).

Die wahre Begebenheit

So unverblümt Kommissarin Mey, so temporeich gings im «Tatort» zu und her. Die übereifrige Mey glaubte den Täter bereits im Ex des Opfers gefunden zu haben, doch alsbald stellte sich heraus: Der notorische Lügner und Fremdgänger Förster ist nicht der Triebtäter. Man verfolgte den dubiosen Reporter (beste und beklemmendste Szene zugleich: Mey betritt zu elegischen Gesängen PJ Harveys die Wohnung Eggers) und den flüchtigen Knasti Rusnak (der, bevor er sich das Gehirn wegbläst, eben mal noch über Triebe philosophiert) – nur dem tatsächlichen Psychopathen Holger kommt man lange nicht auf die Schliche. Kein Wunder, der widerliche Wicht hüllt sich in Klarsichtfolie, ehe er sie alle killt.

Die Tatsache, dass der gestrige Krimi auf einer wahren Begebenheit beruhte (so stands im Vorspann), lehrte einem das Grauen. So viel rohe Gewalt, perfide Bösartigkeit und Hoffnungslosigkeit liessen erschaudern, die psychischen Abgründe waren schier unerträglich. All das Böse war filmisch effektvoll umgesetzt: Von dem von subtilen Klängen unterlegten Vorspann über die wiederkehrenden Falshbacks der ersten Szene, bis zur rasanten Kameraführung und den dämonischen (Alb-)Traumsequenzen und dem sphärischen Elektrosound – selten bot sich solch grosses Kino an einem seichten Sonntagabend.

«Mannheimer Mädchen aus dem Proloviertel»

Eines steht fest: Die zwei Ermittler haben grosses Potenzial! Gespannt wartet man auf neue Frankfurter Folgen und Antworten auf Fragen wie: Ist Meys Engagement in diesem Fall vielleicht damit zu erklären, dass sie selbst eine dunkle Vergangenheit plagt? Was hat es mit Steiers Freund auf sich? Und wann endlich bieten sie sich das Du an? Mey, im Grunde ziemlich though, hat was reizend Kindliches an sich, mimt zuweilen gar das unbedarfte Mädel von nebenan; doch tut man gut daran, die feinfühlige und hochintelligente Polizistin nicht zu unterschätzen. Mit ihrem authentischen Charme, ihrer direkten und freimütigen Art hat das quirlige «Mannheimer Mädchen aus dem Proloviertel» (O-Ton Steier) das Zeug dazu, die neue Lieblingskommissarin zu werden.

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(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.04.2012, 10:33 Uhr

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64 Kommentare

Erwin Gross

23.04.2012, 10:46 Uhr
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Ich fand jetzt die Hauptkommissarin eher bemühend - speziell mit der riesigen Knarre an der Hüfte. Auch kann man sich nur schwer vorstellen wie eine solche Person in kriminaltechnischen Ermittlungen Erfolg haben könnte. Ein Tatort zum Abstellen, nicht wegen der Handlung, sondern wegen ihr. Antworten


Albert Reister

23.04.2012, 10:49 Uhr
Melden 83 Empfehlung 0

Grottenschlechter Tatort. Am meisten nervt wohl die Kommissarin, die eher wie eine Coiffeuse oder sonstwas herumläuft und in ihrer ganzen Art nervend ist. Die Geschichte wurde auch ziemlich schlecht dargestellt. Einzig positiv war wohl die Frankfurter Skyline. Ab sofort ist bei mir der Frankfurter Tatort gestrichen - zumindest solange bis ein neues Team kommt. Antworten



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