TV-Kritik: Der perfekte Bundesrat
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 25.08.2010 28 Kommentare
«Bundesrat zu sein, ist ein ekelhafter Job», stellte Georg Kohler, emeritierter Professor für Politische Philosophie an der Uni Zürich, zu Beginn der Sendung klar. Die hätten keine Zeit zum Nachdenken und seien eigentlich nur noch Showgirls.
Unter den Umständen wollten sich natürlich weder Roger Köppel und noch Victor Giacobbo von Christine Maier zum inflationär grossen Kandidatenkreis zählen lassen. «Ich wäre die grösste Fehlbesetzung. Ich bin nicht konkordanz-kompatibel», wehrte sich Giacobbo.
Chefpublizist der SVP
Der erste Gag war da, die Hoffnung auf mehr gross, auf eine erfrischende Diskussion über die Bundesratswahl, die vier Wochen davor immer noch – oder schon? – ziemlich dröge ist. Doch Moderatorin Maier wollte Ernsthaftigkeit und eine Antwort auf die Frage, weshalb sich plötzlich so viele für den Job bewerben. Reine Karriereabsichten, war «Weltwoche»-Chef Köppel überzeugt. Viele würden sich einfach einen guten Job sichern wollen, Visionen hätten sie entsprechend keine. Catherine Duttweiler, Chefredaktorin beim «Bieler Tagblatt», vermutete in der Kandidateninflation eine verfrühte Wahltaktik für die «richtigen» Bundesratswahlen im Jahr 2011. Ingrid Deltenre dagegen glaubte an die guten Absichten der Anwärter, die aus einem Gefühl von Verantwortung kandidierten oder wegen der Verlockung, als Bundesrat Visionen umsetzen zu können.
«Ich widerspreche», mischte sich Georg Kohler ein, um dann Minuten später zuzugeben, er habe doch eigentlich nur ein bisschen die Diskussion anregen wollen. Netter Versuch, klappte jedoch nicht. Der «Club» blieb fast immer gesittet und ruhig. Der Professor war der Einzige, der den anderen hie und da ins Wort fiel und sich angegriffen fühlte; von der SVP im Allgemeinen und deren Quasi-Vertreter, Roger Köppel, im Besonderen. Zumindest versuchte Giacobbo, dies dem Chefredaktor bei jeder Gelegenheit unter die Nase zu reiben. «Du bist doch der Chefpublizist der SVP!»
«Du bist ja auf meiner Seite!»
Nicht der allerneuste Gag, aber amüsant war es trotzdem, dem Gezanke der beiden zuzuschauen, obwohl man sich weit mehr erhofft hatte. Köppel blieb meist überraschend zahm und Giacobbo überraschend seriös. Sogar einig waren sich die beiden hie und da. Etwa bei der Frage, ob es eine starke Persönlichkeit brauche als Bundesrat. Köppel meinte, die Schweizer würden immer nach starken Regierungen rufen, dabei hassten sie nichts mehr als das. Kaum sei jemand stark, werde er abgewählt. Und Giacobbo fand, wenn zu viel Stallgeruch an jemandem hafte, sei er nicht mehr wahnsinnig kompatibel mit den anderen Parteien.
«Du bist ja auf meiner Seite!», frohlockte Köppel. «Ja, voll!», entgegnete Giacobbo. Dann legte sich Köppel ein bisschen mit Ingrid Deltenre an, die die «fiese Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf» verteidigte. Er forderte daraufhin zwei Sitze für die SVP. Sein neuer Freund Giacobbo pflichtete ihm sofort bei. «Die sollen rausrücken mit Kandidaten!» Dabei hatte er seinen persönlichen Wunschkandidaten in Köppel längst gefunden. «Wenn ich dich so anschaue, erfolgreicher Unternehmer, siehst gouvernemental aus, du wärst der perfekte Bundesrat.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.08.2010, 09:59 Uhr
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28 Kommentare
Roger Köppel hat sich eine Strategie zurechtgelegt - er reagiert nicht mehr auf die dauernden und überflüssigen 'Chefpublizist SVP' Anwürfe. Victor Giaccobo hat diesen totgerittenen Gaul mindestens 4 mal gebracht - er ist wahrlich ein Sitzpinkler des Humors - wie in der WW auch schon zu lesen war. Antworten
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