Kultur

Philippe Zweifel
Ressortleiter Kultur


TV-Kritik: Der grün-blonde Tod

Aktualisiert am 22.10.2012 33 Kommentare

Der «Tatort» widmete sich blindwütigen Umweltschützern, die den «Klimakiller des Monats» ächten. Zum «Tatort»-Killer des Monats reichte das allerdings nicht.

1/5 Die Mörderin: Eine Umweltaktivistin auf Abwegen (Katharina Heyer).

   

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Eine beliebte Masche unter «Tatort»-Drehbuchautoren ist es, das Stammpersonal in Befangenheit zu bringen. Eben in der letzten Schweizer Folge geschehen, als der Staatsanwalt mit Immobilienspekulanten unter einer Decke steckte. Gestern traf es nun seine Berufskollegin aus Stuttgart, Henrike Habermas. Falls Sie die Figur nicht gekannt haben: Die Dame wurde als Ersatz reingeschrieben, da die Darstellerin der eigentlichen Staatsanwältin erkrankt ist.

Doch der Reihe nach, zuerst war da natürlich ein Mord. Am Fuss eines Stuttgarter Brückenpfeilers, der für Freeclimber freigegeben war, wurde die Leiche des Studenten Lukas Baumann gefunden. Auf den ersten Blick war er bei einem Sturz zu Tode gekommen – doch offenbar wurde er während des Kletterns mit einem Luftgewehr beschossen. Die Kommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz stellten weiter fest, dass der Student einer Gruppe angehörte, die sich Ecopirates nennt. Die Ecopirates recherchieren Umweltsünden und prangern den «Klimakiller des Monats» im Internet und auf Plakaten an.

Viele Fragen, viele Verdächtige

Hatten sich die radikalen Umweltschützer mit einem übermächtigen Gegner angelegt? Oder waren die Pirates untereinander zerstritten? Timo, Lukas' Kommilitone, nahm jedenfalls Reissaus, als ihn die Polizei verhören wollte. Eine weitere Verdächtige war Lukas' Freundin Melli, die zwar nicht Mitglied bei den Pirates war, aber als Chemikerin arbeitete. Und siehe da: Lukas war zum Zeitpunkt seines Todes bereits mit Schwermetall vergiftet.

Nun hält doppelt genäht bekanntlich besser. Aber gilt das auch in der Kriminalistik? Oder wollten Lukas gleich zwei verschiedene Feinde an den Kragen? Und was hatte die blonde Wahrsagerin damit zu tun, die die Ecopirates finanziell unterstützte? Viele Fragen, viele Verdächtige. Allein die Staatsanwältin mochte nicht richtig in die Gänge kommen, sie hatte Besseres zu tun: Hotelbetten zerwühlen.

Verstrickungen und Schicksalsschläge

Ja, Henrike Habermas war verliebt, und zwar in den Geschäftsmann Johannes Riether. Dieser hatte etwas mit einer Entsorgungsfirma zu tun, bei der Melli einbrach, um herauszufinden, woher ein Stück verseuchte Erde stammte, das Lukas ihr gegeben hatte. Doch auf dem Firmengelände fand sich keine schwermetallhaltige Erde – dafür eine Telefonnummer, die sich als Riethers herausstellen sollte. Als Lannert anrief, war Henrike Habermas am anderen Ende.

Die gelegentliche Unverträglichkeit von Beruf und Privatleben spiegelte sich in einem Nebenstrang des Films. Kommissar Bootz erfuhr, dass seine Frau schwer krank ist. Um sich besser um die Kinder kümmern zu können, falls es schlimm rauskommt, wollte er sich in den Innendienst versetzen lassen. Weil er den Grund nicht nennen mochte, nahm Lannert die Entscheidung seinem Partner übel.

Es war ein «Tatort» der persönlichen Verstrickungen und Schicksalsschläge. Dank gelegentlicher Komik und der liebestollen Staatsanwältin gelang der Brückenschlag zwischen Drama und Unterhaltung jedoch knapp. Am Ende war auch die Mörderin gefasst; die blonde Wahrsagerin, die sich als ökobewusste Nichte Riethers entpuppte. Wie eine Figur aus einem T.-C.-Boyle-Roman hatte sie in blindwütigem und eitlem Kampf um eine ökologische Zukunft ihren Mitstreiter Lukas umgebracht, um den Mord ihrem umweltschädlichen Onkel in die Schuhe zu schieben. Es war das etwas konstruiert wirkende Finale einer zwar soliden, aber bestenfalls durchschnittlichen «Tatort»-Folge.

Wie hat Ihnen der «Tatort» gefallen? Meinungen bitte unten eintragen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.10.2012, 07:47 Uhr

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33 Kommentare

Tom Keller

22.10.2012, 07:16 Uhr
Melden 47 Empfehlung 4

Der Tatort von gestern fand ich ganz ok, nicht herausragend, nicht grottenschlecht. Eine Sonntagabend Unterhaltung ohne grosse Tiefe - eigentlich genau richtig. Ob man bei einmaliger Berührung, bzw. Einnahme so kontaminiert werden könnte entzieht sich meinen Kenntnissen. Was wäre dann mit dem (getöteten) Wachmann, den Aushubarbeiter etc.? Ist ja aber auch nicht wichtig - ist ja nur ein Film. Antworten


Fritz Bättig

21.10.2012, 22:01 Uhr
Melden 50 Empfehlung 22

Schade dass in letzter Zeit bei diesen Tatort-Krimis persönliche Familienangelegenheiten bald mehr Zeit beanspruchen als die Tat aufzuklären. Ansonsten dar das heutige Thema nicht schlecht. Antworten



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