TV-Kritik: «Das ist ja richtig asi»

Eine ekelerregende Hochzeit, der gefallene Weltstar Helmut Berger und ein Teilnehmer aus der Schweiz: Der Auftakt zur siebten Staffel von «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» bot allerfeinste Trash-Unterhaltung.

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Die Rollen waren schnell verteilt: Helmut Berger ist der alte Alkoholiker, von dessen Auftauchen einige überrascht waren, Patrick Nuo der Beau aus den Bergen, Georgina Fleur die Superzicke, Joey Heindle der zu allem bereite Dummkopf und Olivia Jones die «Camp-Mutti», die sich um die anderen kümmert und per Dschungeltelefon Anweisungen entgegennimmt.

Im Auftakt zur siebten Staffel der Trash-TV-Sendung «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» lernten sich die elf Kandidaten in entspannter Atmosphäre auf einer Luxusjacht kennen – bis ein Helikopter kam und überraschend die erste Hälfte der Truppe ins Camp brachte. Dort konnten sie sich mit den Begebenheiten vertraut machen, die besten Schlafplätze aussuchen und selber Reis kochen, während die verbliebenen fünf im Nobelhotel essen durften.

Früh am nächsten Morgen ging es auch für sie los. Nach einem beschwerlichen Marsch waren alle mehr oder weniger heil angekommen – und bereit zur ersten Dschungelprüfung, wobei sie in geheimer Abstimmung selbst bestimmten, wer dazu antreten musste.

Romantik zwischen Maden und Schleim

Am meisten Stimmen erhielt das «Supermodel für Hundeknochen» Fiona Erdmann, die mit Joey Heindle zur «Dschungelhochzeit» antreten musste – wobei sich Joey erst dagegen wehrte: «Ich kann nicht heiraten, ich hab 'ne Freundin.» Die Zeremonie hatte mit in Fisch eingelegten Kleidern, Spinnen im Schleier, allerlei Ungeziefer und einer schleimigen Hochzeitstorte das volle Ekelprogramm. Fiona und Joey schlugen sich trotz viel Gemeckere («Das ist ja richtig asi») gut und holten acht Sterne und damit eine grosszügige Essensrationen für sich und ihre Mitbewohner.

Von diesen gab im Vorfeld der ehemalige Weltstar Helmut Berger am meisten zu reden. Am Anfang der Sendung war noch offen, ob er es überhaupt ins Camp schaffen würde, doch fand er vor allem in Olivia Jones aufopfernde Hilfsbereitschaft: «Ich bin immer für Helmut da! Ich bin gerne seine Kindergärtnerin und auch die Pflegerin und Krankenschwester und Freundin.»

Danach machte er ganz einfach das, was er wollte, pinkelte irgendwo an einen Baum und kümmerte sich nicht um die anderen, geschweige denn merkte er sich deren Namen – «diese Dame da, die hat uns den ganzen Reis weggegessen», meinte er über Iris Klein. Die Mutter von Daniela Katzenberger ist nicht die einzige Kandidatin, die nur verwandt ist mit einem Promi; auch Allegra Curtis ist vor allem wegen ihres einst berühmten Vaters Tony Curtis bekannt.

Ausserdem dabei: viele notorische Castingshow-Teilnehmer, mit Patrick Nuo ein Sänger aus der Schweiz, und der wegen Erpressung und anderen Vergehen zu neun Jahren im Gefängnis verurteilte Arno Funke – der mit Abstand der Klügste im Camp, was ihm bestimmt noch zum Verhängnis wird.

Freiwillige und unfreiwillige Komik

Zum ersten Mal wurde das Dschungelcamp ohne den verstorbenen Dirk Bach ausgestrahlt. Seiner Partnerin Sonja Zietlow wurde Daniel Hartwich zur Seite gestellt. Die beiden fielen mit geschmacklosen Witzen («sieht aus wie Dresden 45») und schlechten Sprüchen auf, erst auf Kosten von Helmut Berger («trinkt zum ersten Mal Wasser seit 50 Jahren») und danach über Joey. Die vielen schlechten Gags und pseudo-selbstironischen Sprüche wären gar nicht nötig – die Kandidatinnen und Kandidaten sorgen selber mehr als genug für Unterhaltung und Komik, mal gewollt und mal eher unfreiwillig.

Einige nehmen es selber nicht ganz so ernst, andere dagegen viel zu sehr. Bei den einen lacht man mit, bei den anderen bleibt einem nur übrig, über sie zu lachen. Trotzdem sollte man mit den meisten kein Mitleid haben. Jede/r weiss ja, was er macht – auch wenn man bei Joey Heindle oder Allegra Curtis hin und wieder daran zweifelt. Die Motivationen sind auch klar: Es ist entweder der verzweifelte Versuch, ein kleines bisschen Berühmtheit abzukriegen, «mal ganz anders wahrgenommen zu werden», oder schlicht und einfach die 100'000 Euro Preisgeld, die winken.

Noch kein klarer Favorit

Ein Favorit kristallisierte sich noch nicht heraus. Es wird wohl keine der jungen Frauen – sie werden sich alle vorher rauszicken. Camp-Mutti Olivia Jones wird es weit schaffen, aber irgendwann das Messer in den Rücken bekommen. Helmut Berger und Allegra sind zu hilflos, Joey zu dumm. Es wird wohl mit Arno Funke oder Iris Klein einer der rüstigen Alten, oder eines der Goldkehlchen, Silva Gonzalez oder Patrick Nuo.

Von den meisten hat man in den ersten drei Stunden noch nicht viel gesehen - doch die Zuschauer haben nun zwei Wochen Zeit, um die Kandidaten kennenzulernen. Sie durften gestern bereits auch ihre Stimme abgeben und den Kandidaten für die nächste Prüfung bestimmen, die als «Dschungel-Kloake» angekündigt wurde: Sie wählten, nicht sehr überraschend, die von Anfang an unsympathische Georgina. (DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 12.01.2013, 09:33 Uhr)

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Info

Die Sendung «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» läuft jeden Tag um 22.15 auf RTL.

Begleitend dazu gibt es auf RTL Nitro jeden Tag um 19.50 «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Das Magazin».

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