Kultur

SRG-Direktion: Wahl als Dilemma

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 23.04.2010 1 Kommentar

Am 18. Mai erhält die SRG einen neuen Generaldirektor. Die Namen der Anwärter werden strikt geheim gehalten. Nur eins ist sicher: Der fähigste verbliebene Kandidat ist ein profunder SRG-Kritiker.

Dementieren ihr Interesse nicht: FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger und Hans-Peter Rohner, Direktor der Publigroupe.

Dementieren ihr Interesse nicht: FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger und Hans-Peter Rohner, Direktor der Publigroupe.
Bild: Severin Nowacki, Mara Truog

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Nur die vier Mitglieder des ständigen Nominationsausschusses der SRG wissen, wer der nächste Herr über ihre 8 Fernsehprogramme, 18 Radiosender und 6100 Angestellten werden kann. Und sie halten dicht. Doch die Kandidaten haben sich nicht immer im Griff. Filippo Leutenegger erklärte in geselliger Runde, dass es schwierig sei mit diesem neuen Job. Dass eine ehemalige Spitzenpolitikerin auch noch im Rennen sei. Die ehemalige CVP-Bundesrätin Ruth Metzler dementierte wenige Wochen später, als Kandidatin für den Posten der SRG-Generaldirektion weiterhin zur Verfügung zu stehen.

Der oder die Nachfolgerin von Armin Walpen an der Spitze der SRG wird am 18. Mai gewählt. Seit einem halben Jahr werden Namen von Anwärtern herumgeboten, die nach und nach von sich aus öffentlich kundtun, dass sie für den Job nicht (mehr) in Frage kämen. Neben Metzler auch Martin Dumermuth, Direktor des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom). «Das Bakom ist für die Kontrolle der SRG zuständig. Hätte ich kandidiert und wäre nicht berücksichtigt worden, hätte man jede später eventuell nötige Sanktion des Bakom gegen die SRG als Retourkutsche auslegen können», sagt Dumermuth. Auch Tibère Adler, Chef des Westschweizer Verlags Edipresse hat vergangene Woche dementiert, Kandidat zu sein. Genauso wie bereits früher der ehemalige Chef von Ringier Schweiz und heutige Axpo-CEO Heinz Karrer.

Zwei verweigern Dementi

Die einzigen öffentlich Genannten, die standhaft beim «absolut kein Kommentar» bleiben oder einem klaren Dementi wortreich ausweichen, sind Filippo Leutenegger und Hans-Peter Rohner, Direktor des Werbevermarkters Publigroupe. Nach dem ursprünglichen Zeitplan für die Auswahl des Generaldirektors dürften eher nur noch zwei, höchstens drei Personen im Rennen sein. Sowohl Rohner als auch Leutenegger erfüllen die Anforderungen des Stellenprofils. Auf Walpen soll ein erfahrener Topmanager mit Affinität zur Medienbranche folgen, mit dem politischen Leben in der Schweiz vertraut.

Filippo Leutenegger, von 1998 bis 2002 Chefredaktor des Schweizer Fernsehens (SF), hat als CEO des Jean-Frey- Verlags bewiesen, dass er ein defizitäres Medienunternehmen sanieren kann. Die gleiche Aufgabe steht dem neuen Generaldirektor bei der SRG mit sinkenden Werbeeinnahmen und stagnierenden Gebühren bevor. Als FDP-Rechtsausleger im Nationalrat ist er auch mit dem politischen Leben in der Schweiz vertraut. Doch ausgerechnet sein eigenes politische Leben könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Nach seinem Abgang beim SF kritisierte Leutenegger die gebührenfinanzierte SRG und die Medienpolitik des Bundes vehement. Leutenegger amtet denn auch als Präsident der Aktion Medienfreiheit, die sich für eine Liberalisierung des Medienmarktes und damit für eine Schwächung der SRG einsetzt.

Barbara Büttner, Präsidentin der Mediengewerkschaft SSM und SRG-Delegierte, lehnt Leutenegger offen ab. «Wir würden einen Kandidaten befürworten, der für einen glaubwürdigen Service public steht. Das tut Leutenegger erwiesenermassen nicht», sagt Büttner. Gegenüber «Le Temps» hat sich auch SP-Präsident Christian Levrat dezidiert gegen eine Wahl von Leutenegger ausgesprochen.

Jean-Bernard Münch, Präsident des SRG-Verwaltungsrates, betont zwar, dass die Wahl keine politische mehr sei, da seit der Statutenänderung der SRG 2007 der Bundesrat nicht mehr mitrede. Doch dem politisch ausgeglichenen SRG-Verwaltungsrat und der ebenso ausgeglichenen Delegiertenversammlung, die die Wahl bestätigen muss, ist der Service-public-Kritiker Leutenegger, der jahrelang am rechten Rand der FDP politisiert hat, nur schwer zu verkaufen.

Bleibt Hans-Peter Rohner, der sich mit einer Wahl in Anstand vom sinkenden Schiff Anzeigenvermarktung retten könnte. Oder jemand Dritter, der sich erfolgreich bedeckt gehalten hat. ()

Erstellt: 22.04.2010, 23:29 Uhr

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1 Kommentar

Rudolf Schwarz

04.05.2010, 20:09 Uhr
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Wer immer den Direktionsposten übernimmt, muss die Aussage, dass wer keine Gebühren zahlt sein iPhone verschrotten muss, zurückbuchstabieren. Übel an dieser Ideologie der Arroganz ist, dass auch Nicht- Fernsehkonsumenten zur Kasse gebeten werden und würden. Als High-Speed Internetnutzer zahle ich Fernsehgebühren, obwohl ich niemals meine kostbare Lebenszeit irgend einem "Programm" widmen würde Antworten



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