Kultur

Roches Rabauken-Show

Von Olivia Müller. Aktualisiert am 09.03.2012 13 Kommentare

Charlotte Roche will in ihrer neuen Sendung die verruchte Stimmung von 70er-Jahre-Talkshows aufleben lassen. Whiskey und Zigaretten im zeitgenössischen TV – funktioniert das?

1/22 Talkrunde «für Leute, die Talkshows hassen»: Moderatoren Charlotte Roche und Jan Böhmermann.
Bild: Screenshot Roche & Böhmermann

   

Sendung

«Roche & Böhmermann» läuft wöchentlich auf dem Sender ZDFkultur um 22 Uhr.

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Seit ihrem Skandalbüchlein «Feuchtgebiete» ist die quirlige Charlotte Roche Expertin für so wichtige Themen wie Analfissuren oder Masturbationstechniken – mediale Aufmerksamkeit ist der Ex-Viva-Moderatorin also sicher. Vielleicht war das der Grund, weshalb der ZDFkultur-Kanal sie für eine Talkshow verpflichtete: Endlich mal Quote!

Konzept der Sendung «Roche & Böhmermann» ist, dass es eben keines haben soll. Es werden jeweils fünf Gäste geladen, vordergründig nicht zusammpassend, sollen diese sich spontan über Gott und die Welt unterhalten. Als Auftakt wurde gestern ein viel versprechender Mix geboten: Rapper Sido, Marina Weisband von der Piratenpartei, Britt Hagedorn (Mittagstalk-Urgestein auf Sat 1), Sven Marquardt (Türsteher des berühmt-berüchtigten Clubs Berghain und Fotograf) und Männermodel Jorge Gonzales.

Wenn unkonventionell zu peinlich verkommt

Nicht nur die Gästeauswahl sollte die Andersartigkeit der Sendung untersteichen, auch das Dekor trug seinen Teil dazu bei: So sassen alle dicht gedrängt am schwarzen Tisch, vor ihnen Mikrofone im Retro-Stil, hinter ihnen eine schwarze Wand, über ihnen eine Leuchte wie ein Heiligenschein.

Die Geladenen wurden zudem gehalten, doch bitte den exquisiten Whiskey zu trinken (was diese auch freimütig taten) und sich Glimmstängel anzustecken (wovon sie allerdings keinen Gebrauch machten – doch soll vor der Sendung gekifft worden sein, wie unverblümt von Sido und Weisband zu Protokoll gegeben wurde). Die Moderatoren erhielten ihre Regieanweisungen per Kärtchen zugesteckt, statt via Knopf im Ohr durchgesagt – mit anderen Worten: Eine Talkshow ganz im Stil der 70er-Jahre.

Die unkonventionelle Gesprächsrunde begann mit dem Berliner Rapper Sido, der auf die rätselhaften Fragen zu Mario Barth, Kiffen, Ökostrom oder Heiratspläne immerhin ein paar gewitzte Antworten lieferte. Weiter gings mit Türsteher Marquardt, bei dem sich die Moderatoren die Zähne ausbissen; der Mann mit den Tattoos und der Prada-Sonnenbrille im Gesicht schwieg eisern oder – diese Vermutung liegt näher – wusste einfach nichts zu sagen. Eine rudimentäre Vorbereitung der Show wäre wünschenswert gewesen, dachte sich der Zuschauer an dieser Stelle.

Wo blieb Roches Humor?

Das Ganze plätscherte nach einer Werbepause unbeholfen und strukturlos weiter. Von Roche kriegte man nicht viel zu hören. Schon gar nichts Freches oder Erhellendes. Neben Ko-Moderator Jan Böhmermann, der unbestritten den provokativen Part übernahm, stand sie fürs Emotionale, Gefühlsduselige: So gestand sie, dass sie weinen müsste, würde sie von Marquardt vor dem Berghain zurückgewiesen, oder sie versuchte Sido dazu zu bringen, Ökostrom zu wählen («Wirklich gute Sache, weisst du!»).

Die jüngste der Runde, Piraten-Politikerin Weisband, vermochte rhetorisch zu brillieren, wurde aber immer wieder von Talkerin Hagedorn unterbrochen, es kam so kein Gespräch zustande und Roche wurde von der Regie abermals darauf hingewiesen, dass die Sendung bald zu Ende sei. Zwar brachte man noch das Männermodel kurz ins Spiel, allein, es entstand der Eindruck, der exaltierte Mann aus «Germanys next Topmodel» wäre irgendwie überzählig. Also wechselte man zu Hagedorn, husch, husch, noch der Versuch einer ernsten Diskussion über die Vorführung der «geistig minderbemittelten Asis» in ihrer Sendung (was von ihr forsch zurückgewiesen wurde) und schon war die Sendung vorüber.

Dass kein richtiges Gespräch aufkam, war ärgerlich. Die grösste Enttäuschung aber war Charlotte Roche, die in der gestrigen Talkrunde nur durch ihr Kleid im Leopardenmuster und die roten High Heels für Aufsehen sorgte - nicht aber durch Bissigkeit, Schlagfertigkeit oder gar Humor. Schade, schaltete doch mancher die Sendung nur ihrer frechen Schnauze willen ein. Im Abspann sinnierten die beiden Moderatoren denn auch über die Sendung und Böhmermann kam zum Schluss, dass es nur besser werden könne. Wie wahr. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2012, 16:05 Uhr

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13 Kommentare

Aaron Goldstein

05.03.2012, 16:09 Uhr
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Wunderbare Sendung. An den richtigen Stellen politisch inkorrekt (Böhmermann: "Am Rande zur geistigen Behinderung"), mit einer super Gästeauswahl: Homophobe Sido wird einem homosexuellen Model gegenübergesetzt ("Ich hab nichts gegen dich. Es ist nur die Art wie du sprichst.."). Einziger Krtitikpunkt: Gäste wie Marquardt oder Weisband hätten sehr wohl was zu sagen, man liess sie nur nicht gewähren. Antworten


joe walz

05.03.2012, 16:33 Uhr
Melden 17 Empfehlung 0

roche ist hot :-) Antworten



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