Kultur
«Meine Figur Liz ist eine starke und intelligente Frau»
Zur Person
Delia Mayer (43) absolvierte verschiedene Schulen im Bereich Tanz, Schauspiel, Oper und Gesang. Sie ist als Schauspielerin auf allen Bühnen von Kino und TV über Theater bis zur Oper präsent. Daneben tritt sie als Sängerin in verschiedenen Projekten und hat mit ihrem Bruder Jojo Mayer das Album «these days» aufgenommen.
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Frau Mayer, bald wird der neuste Schweizer «Tatort» gezeigt. Was halten Sie vom Film?
Mir gefällt der Film sehr gut. Er ist mutig und behandelt mit Intersexualität ein schwieriges Thema, mit dem sensibel umgegangen wird. Auch glaube ich, dass er der Komplexität des Themas innerhalb des Formates gerecht geworden ist, es einfühlsam und nicht kitschig abhandelt.
Blieb nicht gerade wegen des schwierigen Themas die Figurenzeichnung auf der Strecke? Vor allem Ihre Figur der Liz Ritschard ist noch etwas mysteriös.
Das mag sein, ich finde es aber in diesem Film eine richtige Entscheidung, das Thema ins Zentrum zu stellen. Meine Figur ist neu, behält vorerst ein Geheimnis, die komplette Einführung erfolgt stückweise, gewinnt über die nächsten Filme an Raum und Charakteristik.
So lange können wir hier nicht warten. Wer ist denn Liz?
Liz ist ein direkter Mensch, der einerseits klar denkt und handelt, ihren Fokus aber auch auf Dinge setzt, die nicht offensichtlich sind, die zwischen den Zeilen stecken. Gleichzeitig ist sie sehr impulsiv und gerne humorvoll unkonventionell.
Zeichnet sich eine Liebesbeziehung mit Flückiger ab?
Nein, nicht, dass ich wüsste.
Der erste Schweizer «Tatort» wurde von den Medien zerrissen. Wie gehen Sie mit Kritik an Ihrer Arbeit um?
Wenn man sich in einem künstlerischen Beruf öffentlich exponiert, ist man immer der Kritik anderer ausgesetzt. Ich versuche eine gesunde Distanz dazu zu halten und die Einschätzung meiner Arbeit nicht davon abhängig zu machen, was andere denken. Aber klar, verletzlich bleibt man immer irgendwie.
Sind Sie privat «Tatort»-Fan?
Nein, ich gehöre nicht zu den typischen, regelmässigen Zuschauern. Aber der «Tatort» ist eine Art Institution, ein fixer Wert, ist nicht wegzudenken. Lustigerweise kannte ich die Titelmelodie von Klaus Doldinger vor der eigentlichen Sendung. Vermutlich weil ich ins Bett musste und nur den Vorspann hören konnte.
Sie sind in Hongkong geboren, auch später viel rumgekommen. Was bedeutet Ihnen die Schweiz?
Ich habe den grössten Teil meiner Kindheit, meine Schulzeit hier verbracht. Ich fühle mich natürlich als Schweizerin, aber nicht nur.
Wann fühlen Sie sich nicht als Schweizerin? Was gefällt Ihnen an der Schweiz nicht?
Beim Skifahren, beim Wandern, beim Baden im Zürisee fühle ich Heimat und wie stark mich die Natur geprägt hat. Ich mag die Verbindlichkeit der Menschen. Aber die Schweiz ist klein, da es kann auch schnell mal eng werden. Ich vermisse manchmal eine Art von Anonymität, Risikobereitschaft, Radikalität. Hier macht man sich lieber mal ein bisschen kleiner, um niemandem auf die Füsse zu treten. Das empfinde ich oft als einengend.
Als «Tatort»-Kommissarin sind Sie nun eine Art Schweizer Aushängeschild, es droht jetzt auch Publicity, man erkennt Sie auf der Strasse. Stört oder freut Sie das?
Das wird sich zeigen. Ich lasse es auf mich zukommen.
Sie spielen auch Theater und machen Musik. Was tun sie am liebsten?
Jedes Medium hat seine unverwechselbare Qualität und Sinnlichkeit. Auf der Bühne zu singen oder zu spielen ist einzigartig, weil es ein kollektiver Moment ist in Kommunikation mit dem Publikum, in dem man sich auf eine sonderbare und befreiende Art fallen lassen und auflösen kann. Eine Szene in einem Film zu drehen ist ein ganz anderes Gefühl, man vergrössert nicht, um über die Rampe zu schicken. Die Kamera fordert eine kompromisslose Intimität, fängt die kleinste Regung ein, die die Emotionen oder die Gedanken der Figur ausdrücken. Da ist es schwierig, zu „lügen“. Kamera, Licht, Ausstattung, Kreativität von vielen Seiten fliesst in die Filmarbeit. Und am Schluss gibt es einen Film. Das ist sehr bestechend.
Von was leben Sie hauptsächlich?
Das wechselt, mal Film, mal Bühne, mal von der Musik.
Was bringt mehr Geld?
Das spielt keine Rolle, ich habe mich bis jetzt stets für die Sache, nicht fürs Geld entschieden. Schön aber, wenn man mit dem, was einem Spass macht, Geld verdienen kann. Ich empfinde das je länger je mehr als ein Privileg.
Haben Sie keine Zukunftsangst - für Schauspielerinnen nach 40 gibts nicht gerade viele Rollen.
Das ist bei den Frauen tatsächlich so. Die meisten Rollen gibt es für 15-30-jährige Schauspielerinnen. Ich freue mich umso mehr, dass die Figur der Liz Ritschard nicht diesem Muster folgt. Das brauchte auch Mut seitens der Produzenten.
Dann ist die Rolle der Liz Ritschard eine Traumrolle - oder gibt's da noch eine andere?
Liz ist eine starke, intelligente Frauenfigur, die sich nicht über Männer definiert, aber sich in einer Männerdomäne behauptet, da kann man schon von Traumrolle reden. Ansonsten mag ich historische Stoffe. Und wenn ein Remake von «The Party» von Peter Sellers mit einer weiblichen Hauptfigur geplant wäre, dann würde ich liebend gerne Mrs. Hrundi V. Bakshi spielen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.05.2012, 06:42 Uhr
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