Kultur

«Er war von einer ungeheuren Ehrlichkeit»

Interview: Rupen Boyadjian. Aktualisiert am 20.05.2012 6 Kommentare

Die Schweiz sei definitiv ärmer ohne den verstorbenen Kurt Felix, sagt sein langjähriger Bekannter Frank Baumann. Der Fersehmann bringt im Interview die Fernsehlegende näher.

Kannten sich seit etwa 1978: Frank Baumann (l.) und Kurt Felix, hier an der Bambi-Verleihung in Hamburg mit dem goldenen Rehkitz für sein Lebenswerk. (27. November 2003)

Kannten sich seit etwa 1978: Frank Baumann (l.) und Kurt Felix, hier an der Bambi-Verleihung in Hamburg mit dem goldenen Rehkitz für sein Lebenswerk. (27. November 2003)

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Frank Baumann

Frank Baumann (54) ist Texter, TV-Produzent und Direktor des Arosa Humorfestivals. Er entwickelt Konzepte für TV-Formate und produziert Fernsehsendungen. (woerterseh.ch / rub)

Am Humorfestival Arosa (v.l.): Gabriella Baumannn-von Arx, Kurt und Paola Felix und Frank Baumann. (15. Dezember 2002) (Bild: Fabio Derungs / SonntagsZeitung)

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Kurt Felix' Karriere in Bildern

Kurt Felix' Karriere in Bildern
Von «Teleboy» bis «Ein roter Teppich für...»

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Kurt Felix ist tot. Was war Ihre erste Reaktion?
Die Schweiz verliert einen ganz bescheidenen Menschen und einen klaren Denker, auch in Bezug aufs Fernsehschaffen. Er war einer, der nie ausgerufen hat und meist ganz klare Vorstellungen gehabt hat. Ich konnte viel lernen von ihm.

Felix war bekanntlich der Erfinder mehrerer Sendungen, darunter der «Samschtig-Jass», «Teleboy» und «Verstehen Sie Spass?». Was hat er damit in der Schweiz ausgelöst?
Er hatte ein unglaubliches Gespür für das, was den Menschen Freude bereitet. Er fragte sich, was die Zuschauer gerne sehen würden und nicht, was die Kollegen gerne hätten. Denn häufig wird beim Fernsehen auf deren Reaktion abgezielt. Die Kollegen sollen sagen: «Das hast Du gut gemacht.» Aber so dachte Felix nicht.

Seine grössten Erfolge waren wahrscheinlich «Teleboy» und die Nachfolgesendung «Verstehen Sie Spass?» mit der versteckten Kamera.
Dieses Format haben er und die Leute, mit denen er arbeitete, enorm angekurbelt und sehr lustige Sachen gemacht. Jetzt erinnere ich mich gerade an eine wunderbare Geschichte: Kurt holte mich am Bahnhof in Lugano für eine gemeinsame Sitzung ab, wir begrüssten uns, gingen dann zu seinem Auto. Er betätigte den elektronischen Türöffner, doch die Tür blieb verschlossen. Da sagte er zu mir: «Du musst nicht reagieren. Das ist versteckte Kamera. Wir werden garantiert gefilmt.» Er versuchte weiter, die Tür zu öffnen, aber es ging nach wie vor nicht, nicht einmal der Schlüssel passte ins Schloss. Kurt sagte: «Die haben sogar die Schlösser ausgewechselt. Aber bleib einfach cool.» Irgendwann sagte ich: «Du, Kurt, was ist denn das für ein Mercedes dort drüben mit dem St. Galler Nummernschild?» Er schaute rüber und sagte ganz trocken: «Meins!» Wir lachten königlich!

Sie kannten Felix gut. Was bedeutete er Ihnen?
Von ihm habe ich einen der wichtigsten Ratschläge in meinem Leben erhalten. Er sagte: «Du musst kleiner werden. Du brauchst keine grosse, sondern eine kleine Firma.» Wenn man jung ist, will man eine möglichst grosse Firma, aber Felix meinte: «Es reicht ein Block, ein Bleistift und Ideen.» Mehr müsse ich nicht verkaufen.

Was ist der Vorteil der Kleinheit?
Ganz einfach: Je mehr Leute man hat, desto träger wird alles. Man schaufelt permanent, damit andere Arbeit haben, und selber kommt man nicht vom Fleck.

Als Entertainer wurde Kurt Felix aber ganz gross. Als einer von wenigen Schweizern hat er den Sprung nach Deutschland geschafft.
Er hat in Deutschland wie kein zweiter den Schweizer verkörpert. Und die Deutschen hatten an seiner Holzigkeit enorme Freude. Sie wussten: So ist der Schweizer. Die dachten, alle Schweizer seien so wie er. Seine grosse Gnade war es, bescheiden und verbindlich zu bleiben. Er war von einer ungeheuren Ehrlichkeit. Er war kein Wichtigtuer, der teure Weine trinkt. Er hat eine Olma-Bratwurst jedem Châteaubriand vorgezogen. Eine zeitlang war es – so habe ich mal gehört – seine grosse Leidenschaft, auf noch nicht eröffneten Autobahn-Teilstücken zu wandern. In seiner Freizeit – zusammen mit seiner Frau Paola.

Welche Rolle spielte Paola für seinen Erfolg?
Ich kann mir vorstellen, dass sie ein Mutmacher und ein Regulativ war. Wenn man so exponiert ist, wie Kurt das damals war, braucht man beides. Jemand, der sagt: «Gib nicht auf, bleib dran.» Und auch jemand, der sagt: «Mach mal halblang, komm auf den Boden zurück.» Beide sind enorm patente Menschen. Als ich Kurt noch nicht kannte, konnte ich nicht viel mit ihm anfangen. Erst als ich ihn kennen lernte sah ich, dass er absolut verbindlich ist. Was er sagte, meinte er auch, und er hat es geradlinig umgesetzt. Keine Ränkespiele, kein Posing. Er war eine sehr beeindruckende Persönlichkeit.

Was können sie über seine letzten Jahre und die Krebserkrankung sagen?
Er hat sich immer wieder aufgerappelt und auch kein grosses Aufhebens um seine Krankheit gemacht. Ich habe ihm ab und zu eine Nachricht geschickt und gefragt, ob ich vorbei kommen solle. Doch er meinte, es sehe zwar nicht gut aus, aber es gehe ihm gut. Er hat seiner Situation ins Auge geblickt. Er war ein Realist und ein sehr differenzierter, subtiler Mensch. Die Schweiz ist definitiv ärmer ohne ihn. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.05.2012, 16:29 Uhr

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6 Kommentare

Eric Kurer

19.05.2012, 17:10 Uhr
Melden 23 Empfehlung 0

Ich (79) bin stolz darauf, seinen allerersten Bühnenauftritt (mit mir zusammen) erlebt zu haben. Wir sangen an einem Vereinsabend des Handharmonika-Spielrings Wil das Arthur Beul-Lied 'Mier zwei underem Rägeschirm'. Dirigent des Spielrings war sein Vater, Fritz Felix, Präsident des Clubs MEIN Vater. Schöne Erinnerungen, byebye Kurt... Antworten


Marcel Senn

19.05.2012, 17:13 Uhr
Melden 21 Empfehlung 0

Kurt Felix u Paola waren ca 1976 bei uns zuhause um zusammen mit meinem Vater die Versteckte Kamera für den legendären "Söll emal cho"-Spot zu planen. Mein Vater hat damals die richtige Fernbedienung für das Modellflugzeug betätigt. Das war noch Fernsehgeschichte - die ganze Schweiz kannte den Spruch.
Er kannte Felix schon als kleinen Bub und hat öfters mal auf ihn aufgepasst.
R.I.P. Kurt Felix
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