Kultur
«Die Quote ist gestiegen»
Aktualisiert am 22.05.2012 39 Kommentare
Zur Person
Karin Frei (*1969) ist studierte Ethnologin. Seit 1992 arbeitet sie für SFDRS: Zuerst für die Jugendsendung «Yoyo», dann für das Abendprogramm von DRS1, ab 2002 war Frei für das Hintergrundformat «Doppelpunkt» und die Porträtsendung «Menschen und Horizonte» mitverantwortlich. Seit November 2011 ist sie Moderatorin des «Clubs». Frei hat ein 70-Prozent-Pensum, ihre Kollegin Mona Vetsch übernimmt die restlichen 30 Prozent.
«Club»
Im heutigen «Club» (22.20 bis 23.45 Uhr) wird das Thema Intersexualität diskutiert. Titel der Sendung: «Das dritte Geschlecht».
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Frau Frei, an Ihrer Moderation gab und gibt es einige Kritik: Sie setzten allzu sehr auf weiche Themen, die mit der Krisenrealität nichts zu tun hätten, und in der Gesprächsführung seien sie zu konziliant. Was sagen Sie dazu?
Wer von mir einen Schawinski erwartet, liegt falsch. Ich bin kein Schawinski. Die Idee des «Clubs» ist es, näher zu den Leuten zu gehen – und zwar abseits der Hardcore-Politthemen, die «Schawinski» und die «Arena» abdecken. Ich wurde mit dem Auftrag eingestellt, vermehrt auf soziale, gesellschaftspolitische Themen einzugehen. Ab und zu greifen wir aber weiterhin brennende Politthemen wie die Affäre Hildebrand auf, und kontrovers sind unsere Themen durchaus immer wieder – ein Beispiel war die Sendung zur Antibiotikaresistenz.
Viele Ihrer Sendungen verlaufen sehr harmonisch, so etwa die Retrospektive zu den Jugoslawienkriegen, bei der sich sämtliche Teilnehmer grundsätzlich einig waren und während der es gar nicht erst zu einer Diskussion gekommen ist.
Sie nannten das ja «Plaudern mit Gleichgesinnten». Aber eigentlich ist das ja ein Kompliment: Die Ethnien, die in dieser Sendung vertreten waren, haben sich vor zwanzig Jahren teils gegenseitig umgebracht, die Wunden waren tief. Dass diese Leute zusammensitzen und erzählen und darüber diskutieren können – das ist doch grossartig!
Zweifellos. Aber es fragt sich halt doch: Ist der «Club» das richtige Format für eine Gesprächsrunde, bei der überhaupt kein Diskussionsbedarf besteht? Wollten Sie mit dieser Sendung ein Zeichen setzen?
Wir müssen und wollen nicht immer kontrovers sein! Mich interessierten die Geschichten, die diese Leute zu erzählen hatten, und zwanzig Jahre nach Kriegsende kann so eine Diskussion auch mal Platz haben. Es geht primär darum, dass die Zuschauer etwas erfahren – und nicht darum, dass sich die Leute aufs Dach geben. Die Sendung, über die wir sprechen, kam beim Publikum übrigens extrem gut an. Unsere Testpersonen benoteten den «Club» über die Ex-Jugoslawen aussergewöhnlich gut, und der Publikumsrat war ebenfalls sehr zufrieden mit uns. Aber auch die Einschaltquote ist gestiegen: Im Vergleich zum Vorjahr liegen die Quoten des Zeitraums November bis April um 2,4 Prozent höher. Und das in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld.
Inwiefern unterscheidet sich ihr TV-Job von ihrer vorgängigen Radio-Arbeit? Gibt es Aspekte, die sie vor dem Antritt unterschätzt haben?
Die journalistische Arbeit entspricht grundsätzlich dem, was ich bereits beim Radio gemacht habe. Der grösste Unterschied ist die Anzahl Gäste: Im Radio hatte ich allerhöchstens vier Gäste, im Fernsehen dürfen es ruhig ein paar mehr sein, da habe ich grössere Freiheiten. Was sich ansonsten hauptsächlich verändert hat, ist die Betrachtung meiner Arbeit. Man ist viel, viel prominenter ausgestellt. Es gibt zwar jeweils auch Lob, jedoch sind da plötzlich auch viel mehr Leute, die überzeugt sind, sie wüssten es besser.
Nervt das?
Sachliche Kritik nehme ich ernst. Wenn aber einfach so ausgeholt und zugehauen wird, geht das in die Magengrube. Und bei aller Kritik, was oft vergessen wird: Der «Club» ist live; er wird 1 zu 1 so gesendet, wie er aufgenommen wurde. Wir führen mit den sechs Teilnehmern zwar Vorgespräche, aber wie sehr und auf welche Art sich die Gäste dann in die Sendung einbringen, kann ich als Moderatorin nur begrenzt steuern. Da können die Pferde schon mal durchgehen. Auch das ist Teil einer Live-Sendung.
Im Rückblick auf Ihr erstes «Club»-Halbjahr: Welches war Ihre Lieblingssendung?
Das ist schwierig zu sagen... die Verdingkinder? Oder vielleicht jene mit Adolf Ogi vor den Bundesratswahlen. Da hatten wir eine Wahnsinnsquote, über 32 Prozent – normalerweise haben wir ein Schnitt um die 20 Prozent. Nach der Sendung, so sagte uns Adolf Ogi, seien ihm die Leute am Bahnhof entgegengelaufen und hätten ihm zugerufen: «Weisheit, Herr Ogi, Weisheit» und das sei ihm so noch nie passiert. Ogi hatte in der Sendung seinen Vater zitiert, der gesagt habe, nachdem seinem Sohn mangelnde Bildung vorgehalten worden war, es gehe nicht um den Schulsack, sondern eben: um Weisheit. Wir wollen eine Wirkung erzielen, die über die Sendung hinausgeht – das ist das Ideal. Genau darum mache ich die Arbeit letztlich.
Können Sie ein Beispiel nennen hierfür?
Ja, nach der erwähnten Jugoslawiensendung erhielt ich eine Mail von einem älteren Herrn, der mir schrieb, er habe diesen «Club» wegen dem Thema nicht schauen wollen. Er sei dann aber hängen geblieben und das bis zum Schluss; er habe viel gelernt. In einer Zeit, die so stark von Krisen und Konflikten geprägt ist, macht so etwas Mut und Freude.
Abgesehen vom «Club»: Welche Moderationsstelle würde Sie ansonsten noch reizen?
Keine! (lacht) Der «Club» ist das Königsformat. Hier möchte ich mich vertiefen, hier möchte ich noch weiter lernen.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.05.2012, 14:26 Uhr
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39 Kommentare
Liebe Frau Frei, "Mich interessierten" - sehen Sie genau da liegt das Problem. Mich interessiert nicht was Sie interessiert und Sie sollte interessieren was den Zuschauer und Gebührenzahler interessiert. Wenn ich Kuschelfernsehen will dann sehe ich eine Liebesschnulze. In eine richtige Diskussionssendung gehört immer ein Pro und Kontra oder sogar ein advocatus diaboli! Antworten


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