Kultur

Der ewige Jugendliche

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 14.02.2011 10 Kommentare

Mit Thomas Gottschalk verschwindet eine der wichtigsten Fernsehfiguren vom Bildschirm. In 40 Jahren hat er sich tief in die Herzen der Zuschauer gequatscht. «Wetten dass…?» blieb aber sein grösster Erfolg.

1/6 «Wetten, dass...?» und Thomas Gottschalk gehörten ein Vierteljahrhundert lang zusammen.

   

ZDF will sich Zeit lassen

Angesichts der Spekulationen um die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei «Wetten, dass...?» hat das ZDF bekräftigt, sich bei der Suche nach einem neuen Moderator Zeit lassen zu wollen. Es gebe keine Eile und daher auch noch keine Gespräche, sagte ein ZDF-Sprecher am Montag in Mainz. Der Sender werde über Gottschalks Nachfolge nicht kurzfristig entscheiden, sondern plane, im Herbst einen neuen Moderator für die Samstagabendshow zu finden. «Die Zeit werden wir uns auch nehmen und uns jetzt erst einmal freuen auf die nächsten Ausgaben mit Thomas Gottschalk», sagte der Sprecher. Berichte, Jörg Pilawa habe sich bei seinem Wechsel zum ZDF den Erstzugriff auf die Gottschalk-Nachfolge bei «Wetten, dass...?» oder einer Nachfolgesendung am Samstagabend zusichern lassen, bezeichnete der ZDF-Sprecher als Spekulation. «Bild am Sonntag» hatte von einer entsprechenden mündlichen Vereinbarung zwischen Pilawa und Programmdirektor Thomas Bellut berichtet. Ein Sprecher von Pilawa äußerte sich am Montag zunächst nicht. Neben dem früheren ARD-Moderator wurden in den Medien unter anderem etwa Hape Kerkeling oder Stefan Raab als mögliche Nachfolger Gottschalks genannt.

Der TV-Produzent Holm Dressler, ein langjähriger Weggefährte Gottschalks unter anderem bei «Wetten, dass...?», brachte neben Pilawa auch die Moderatorin und Sängerin Ina Müller sowie Harald Schmidt ins Gespräch. Er habe schon stundenlang mit Kollegen überlegt, und am Ende seien es immer diese «drei Namen, die bleiben», sagte er dem «Hamburger Abendblatt» vom Montag. So traue er Pilawa weit mehr zu als das Moderieren von Quiz-Shows. «Von Ina Müller denke ich, dass sie ein weiblicher Gottschalk wäre - oder schon ist.» Ebenso wie bei ihr ginge es laut Dressler auch bei Schmidt «nicht nur um das Ausfüllen eines vorhandenen Formats», sondern «das wäre eine ganz eigene Show».

Gottschalk hatte am Samstagabend nach 24 Jahren seinen Abschied von «Wetten, dass...?» angekündigt. Er will aber noch drei Ausgaben sowie im Herbst drei Spezialausgaben der Show anlässlich ihres 30. Geburtstags moderieren. Nach Gottschalks Rückzug zum Jahresende soll die Sendung laut ZDF ein halbes Jahr pausieren und weiterentwickelt werden, bevor ein neuer Moderator übernimmt.

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Thomas Gottschalk, seine Karriere

Thomas Gottschalk, seine Karriere
Thomas Gottschalk hatte nie Berührungsängste.

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Thomas Gottschalk

Thomas Gottschalk
Thomas Gottschalk gehört zu den Grossen des deutschen Fernsehens. Der ewige Jugendliche feiert am Dienstag seinen 60. Geburtstag.

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«Meine Kritiker vergessen immer, dass ich Berufsclown bin - wenn mein Publikum staunt oder lacht, habe ich das Klassenziel erreicht.» Das Zitat von Thomas Gottschalk bringt sein jahrelanges Schaffen auf den Punkt. Seit vierzig Jahren macht der grossgewachsene Blonde in Radio und Fernsehen den Kasper. Und dies mit einer Treue und Beständigkeit, wie sie im Business sehr selten ist.

1950 in Bamberg geboren, absolvierte Gottschalk zuerst die Matur, jobbte als DJ und betätigte sich als Jugendarbeiter in der Katholischen Kirche. Bereits während seines Germanistik und Geschichtsstudiums war er freier Mitarbeiter beim Jugendfunk des Bayrischen Rundfunks, wo er später die Abendschau-Nachrichten moderierte und nach einem kurzen Abstecher zum «Münchner Merkur» fest angestellt wurde. Schon da war klar: Dieser Sonnyboy («ich neige dazu, mich meistens gut zu fühlen», «Optimismus ist eine meiner Grundcharakterzüge») ist nicht auf den Mund gefallen.

«Frechsein am TV erfunden»

Darauf liess sich ausbauen: Beim Bayrischen Rundfunk schnupperte Gottschalk erste Fernseh-Luft. 1976 moderierte er die Musik-Show «Szene» auf ARD und «Pop nach acht» auf Bayern 3.

Anfang der 80er Jahre holte ihn Frank Elstner zum Radio Luxemburg. Doch nach drei Jahren kehrte Gottschalk bereits zum Bayrischen Rundfunk zurück, wo er neben seinem ewigen «Gegenspieler», dem ähnlich populären Günther Jauch, moderierte.

Gleichzeitig moderierte er die TV-Sendung «na so was» fürs ZDF, in der er Grössen wie Klaus Kinski schon damals auf witzige und freche Weise interviewte. «Thomas Gottschalk hat das Frechsein am Fernsehen erfunden», sollte Kollege Harald Schmidt später über ihn sagen.

Mann der Wetten

Seinen Humor und seine Schlagfertigkeit versuchte er auch in Filmen zu beweisen. In den 80er Jahren war er denn auch mit Kollege Mike Krüger in den Klamauk-Streifen wie «Die Supernasen» oder «Piratensender Powerplay» zu sehen. Im Hollywood-Film «Sister Act 2» hatte er eine Nebenrolle und in mehreren Filmen war seine Synchronstimme zu hören.

Der grosse Coup gelang Gottschalk aber 1987, als er von Frank Elstner «Wetten dass…?» übernahm. Spätestens mit der Wettsendung wurde Gottschalk im ganzen Land bekannt. Seine Lockerheit und sein sympathischer Umgang mit den Gästen prägten die Sendung. Die Moderationen las der Showmaster selten bis nie vom Teleprompter ab. Vielmehr redete er, wie ihm der Schnabel (und die Nase) gewachsen war und erzielte damit eine Authentizität, wie sie sonst nur andere TV-Grössen wie Günther Jauch oder Harald Schmidt vorweisen können.

Der Versuch, Wolfgang Lippert die Sendung übernehmen zu lassen, scheiterte 1993 denn auch kläglich. Gottschalk kehrte zurück, plauderte und entzückte die Zuschauer weiter.

Treuer Ehemann und Werbefigur

Bis heute blieb Gottschalk mit ausgefallenen Outfits (Lederhose, Kuhfellmuster) wichtigster Grundpfeiler von «Wetten dass…?». So treu blieb er sonst nur seiner Frau (seit 1976 verheiratet, zwei Söhne, seit 2010 Opa) und Haribo (seit 1991, die längste Beziehung eines Promis mit einem werbenden Unternehmen).

Alle weiteren Nebenprojekte verblassten neben seinem Engagement in der Samstagabendshow. «Gottschalk» (RTL 1990-1992), «Gottschalk Late Night» (RTL 1992-1995), «Gottschalks Hausparty» (Sat 1 1995-1997), «Gottschalk kommt» (1996-1999) lebten von der Person Gottschalk und wiesen auch solide Zuschauerzahlen auf, kamen aber nie an die Exklusivität von «Wetten dass…?» heran. Der Entertainer weiss: «Ich habe ‹Wetten, dass…?› alles zu verdanken.»

Bekanntester Talkmaster

Auch in «Gottschalk & Friends» und «Gottschalk in Amerika» (beide ZDF) talkte und schwatzte er sich weiter durchs Programm. Und als wäre ihm diese enorme Bildschirmpräsenz nicht genug, machte er zusammen mit seinem Bruder Christoph Werbung für die Deutsche Post.

Kein Wunder, erlangte Gottschalk so in den letzten 40 Jahren einen Bekanntheitsgrad, der in Deutschland seinesgleichen sucht. Ein Grund, warum er Anfang der 90er Jahre seinen Wohnsitz nach Amerika auslagerte.

Ob Gottschalk nach der Mallorca-Ausgabe von «Wetten dass…?» ganz vom Bildschirm verschwinden wird, bleibt zumindest fraglich. Die Lücke, die er hinterlassen wird, wird hingegen schwer zu füllen sein – jede Wette. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.02.2011, 15:07 Uhr

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10 Kommentare

Renzo Giambonini

14.02.2011, 16:04 Uhr
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Das mit dem grössten Erfolg (Wetten dass'') sehe ich nicht so. Früher, vor vielen Jahren war "Wetten dass" noch eine lässige Sendung mit viel Unterhaltung uns lustigen Episoden. Später wurde auf dem Sofa "gequatscht" und die Wetten so nebenbei durchgezogen. Alles, so an den Haaren herbeigezogene Wetten, welche sehr selten unterhaltsam oder gar interessant waren - Hauptsache : Gottschalk -oder ? Antworten


John Kipkoech

14.02.2011, 18:00 Uhr
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Nein, Thomas ist nicht zu ersetzen und es gibt keinen anderen Moderator der ihm "das Wasser reichen könnte". Das Format "Wetten dass..." ist etwas ausgeleiert und da wäre mal was Neues zu erfinden. Für Thomas gäbe es aber sicher noch andere Programme die er uns sympathisch rüber bringen könnte. Antworten



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