Kultur

Der einsame Weg zur Million

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 30.11.2011 37 Kommentare

Gestern startete die Schweizer Ausgabe von «Wer wird Millionär?». Moderator Claudio Zuccolini hielt sich zurück – und wie.

1/6 Zum Glück nicht forciert komisch: Moderator Claudio Zuccolini. (29.11.2011)

   

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Jetzt hat also auch die Schweiz ihre eigene «Wer wird Millionär?»-Show. Zum zweiten Mal, nachdem die Sendung vor zehn Jahren kurz auf TV 3 lief. Geändert hat sich nicht viel. Kein Wunder, das Quizformat, das im exakt gleichen Design, mit denselben Regeln und der identischen Musik in über hundert Ländern läuft, ist eine sichere Nummer. Ein fast schon meditatives Stück Fernsehen, das Wissen und Unwissen, Freude und Trauer sowie Spannung und Entspannung vereint.

Weiter spielt die Show mit der Geldlust, die in den Kandidaten steckt, im Professor ebenso wie in der Hausfrau oder im Heizungsmonteur. Für den Zuschauer freilich liegt die Faszination woanders. Er testet mit den Fragen indirekt sein eigenes Wissen. Denn Wissen, auch wenn es komplett unnütz ist, stiftet wohlige Sicherheit. Und natürlich freut sich ein Grossteil des Publikums über die Besserwisser, die sich mit dämlichen Antworten der Lächerlichkeit preisgeben.

Knifflige Fragen

Dazu hatte man gestern gleich zweimal Gelegenheit. Die ersten beiden Kandidaten, ein Kantischüler und ein Lehrer, wurden mit nur 1000 Franken heimgeschickt. Die Fragen wurden aber auch auffällig schnell sehr kniffelig. Wobei der Schüler sich verzockte; um einen Joker zu sparen, riet er bei einer Frage. Da zeigte sich eine andere Qualität der Sendung. Es geht nicht wie bei anderen Quiz um das Wissen, sondern um die Entscheidung.

Komplett versagen kann bei «Wer wird Millionär?» also niemand, denn raten kann jeder. Und hier kommt der Moderator ins Spiel. Merkt er, dass ein Kandidat schon bei den ersten Fragen Schiffbruch erleidet, hilft er ihm auf die Sprünge. In Deutschland wird diese Aufgabe von Günther Jauch gemeistert. Er ist auf unaufdringliche Art witzig und gibt dem Format Herzlichkeit und nationales Kolorit.

In der Schweizer Version heisst der Moderator Claudio Zuccolini. Nach dem Sprücheklopfer René Rindlisbacher, der «Wer wird Millionär?» vor zehn Jahren moderierte, ist die Wahl des Bündner Komikers als Fortschritt zu werten. Zuccolini, eine Art Rindlisbacher light, nahm sich zurück, verzichtete auf jenes übertriebene Mimenspiel, das Schauspieler oft an sich haben, das aber so schlecht zu einem Quizmaster passt. Auf das Imitieren von Liedern, nach denen gefragt wurde, hätte er allerdings verzichten können.

Im Namen der Schadenfreude

Was an Zuccolini wirklich irritierte, war aber etwas anderes: Er mochte nicht mit den Kandidaten spielen. Vor allem half er ihnen nicht. Weder den Schüler noch den Lehrer bewahrte er vor ihrer Blamage. Gewiss, die liefen auch selbstbewusst ins Messer und im Namen der Schadenfreude will man solche Kandidaten nicht unbedingt aufhalten. Doch spätestens der dritten Kandidatin hätte Zuccolini beistehen können. Hilfesuchend sah die Wirtschaftsinformatikerin ihn an, dachte laut nach, erhoffte sich so einen Hinweis, doch Zuccolini blieb hart und liess sie mit der Frage, was das Teekannenprinzip ist, alleine.

Tat er das bewusst, übte er sich in Stoizismus? Oder hat er das Sendekonzept nicht begriffen? Hat 3+ weniger Geld zu vergeben als andere Sender? Ist Zuccolini besser als Rindlisbacher? Und wo gibts kein Bier mehr? Auf Teneriffa oder Hawaii? Was bringt erwachsene Menschen dazu, vor einem Millionenpublikum solche Fragen zu beantworten? Würden Sie das tun?

Ihre Antworten sind gefragt. Unten können Sie sie eintragen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.11.2011, 09:57 Uhr

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37 Kommentare

Florian Meier

30.11.2011, 10:35 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Bei dieser Sendung kann man gar nicht Millionär werden, da anders wie in Deutschland der Gewinn noch versteuert werden muss. Die Sendung sollte also eher heissen, "der erste Schritt zum Millionär". Antworten


Stefan Tschopp

30.11.2011, 10:11 Uhr
Melden 26 Empfehlung

Kommt mir vor wie die alte Fasenacht. Ich werde dem Jauch treu bleiben. Der ist witzig. Antworten



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