Der Ort, an dem alles beginnt

Wie erschafft man Kultshows wie «New Girl» oder «Game of Thrones»? Eine neue Doku-Serie vermutet das Geheimnis bei den kreativen Köpfen im Autorenzimmer.

«Writers' Room» stellt die Macher von Kultserien wie «The Good Wife», «American Horror Story», «New Girl» und «Scandal»

«Writers' Room» stellt die Macher von Kultserien wie «The Good Wife», «American Horror Story», «New Girl» und «Scandal» Bild: ABC, CBS, Fox (2)

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Was für Walter White sein Wohnmobil war, ist für die Autoren anspruchsvoller Fernsehserien der Writers' Room. Ein geheimer Ort, an dem rohe Zutaten zusammengeworfen werden, auf dass aus der Mischung etwas viel Wertvolleres entstehen möge – beim einen die Droge Meth, bei den anderen die Droge Fernsehen. Darum klingt es erst einmal viel versprechend, was der Pay-Sender Sky Arts für seine Doku-Serie verspricht: «Die Entwickler der bahnbrechendsten aktuellen Fernsehserien verraten uns alle Geheimnisse an dem Ort, wo alles beginnt: dem Autorenzimmer, dem Writers' Room».

In jeder 20-minütigen Episode von Writers' Room wird eine andere Serie verhandelt, in Folge eins etwa Breaking Bad, es gibt auch Episoden zu Game of Thrones (18.7.) oder The Walking Dead (12.8.). Zu jeder Folge hat der Sender Sundance TV, der die Serie 2013 und -14 produzierte, illustre Gäste geladen – Erfinder, Darsteller, Autoren -, die wie bei da Vincis Letztem Abendmahl nebeneinander an einer langen Tafel sitzen, damit die Kamera sie alle gleichzeitig sehen kann. Das Geheimnis des Autorenzimmers wird dann aber doch nicht gelüftet: Zwar hängen an den Wänden dekorative Flipcharts und bunte Karteikarten. Der Raum aber ist jedesmal derselbe, egal, ob es um Breaking Bad oder Dexter geht.

«Writers' Room» stellt die Macher von Kultserien wie «The Good Wife», «American Horror Story», «New Girl» und «Scandal» Bild: ABC, CBS, Fox (2)

Fans der behandelten Serien werden aus den Folgen nicht allzu viel Neues ziehen, das Internet ist ja voll von Entstehungsgeschichten und Drehberichten und den Entstehungsgeschichten von Drehberichten («How to be on The Walking Dead: Tips to Join the Zombie Cast»). Für normal interessierte Fernsehschauer ist die Serie, die Sky Arts dienstags in Doppelfolgen zeigt, dennoch interessant. So erfährt man, dass Vince Gilligan durch einen Artikel in der New York Times zu Breaking Bad inspiriert wurde; oder dass die Autorin Gennifer Hutchison an ihrem allerersten Tag beauftragt wurde, eine kristalline Substanz zu finden, die bei Aufschlag explodiert – um aus einer erzählerischen Sackgasse im Drehbuch wieder herauszukommen. Mit dem Knallquecksilber, dass Hutchinson fand, beeindruckt Walter White in der vorletzten Folge der ersten Staffel den brutalen Drogendealer Tuco.

Das Beispiel zeigt aber auch die Grenzen des Formats: Wer Tuco, den Dealer, nicht kennt, der wird mit dieser Anekdote nicht viel anfangen können. An anderer Stelle werden Szenen behandelt, die erst das Ende der jeweiligen Serien betreffen – was neuen Zuschauern den Spass verderben könnte. Dafür fehlt dann an anderer Stelle die Zeit, den kreativen Prozess des Schreibens wirklich auszuleuchten. Einmal, zum Beispiel, fragt Moderator Jim Rash wie man Breaking Bad hätte verändern müssen, damit es auch im Free-TV hätte laufen können. Die Frage, welche Kompromisse Kreative eingehen müssen, um auf einem bestimmten Sendeplatz unterzukommen, wird auch in Deutschland diskutiert. In Writers' Room ist keine Zeit für echte Antworten, nur für zwei kurze Gags: Als Titel schlägt Hutchison «Notlügen» vor, Vince Gilligan ergänzt den Hauptdarsteller: Jason Priestley.

Writers' Room, Folge 1 und 2 zum Abruf bei Sky Go, neue Folgen dienstags 20.15 Uhr bei Sky Arts. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.07.2017, 15:45 Uhr

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