Danke, danke, für all den Müll
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 22.01.2010 20 Kommentare
«Danke Sven Epiney - für alles»: Tagesanzeiger.ch/Newsnetz-Reporter Reto Hunziker.
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Moritz Leuenberger ist ein Freund des skurrilen Vergleichs. Der Medienminister setzt die Radio- und Fernsehgebühr mit der Müllentsorgung gleich. Auch jemand, der kein Gramm Müll verursache, habe sich an den Kehrichtgebühren zu beteiligen, argumentiert er. Weil auch dieser davon profitiere, dass der stinkende Müll der anderen entsorgt werde. Damit nicht Zustände wie in Neapel herrschen, müssen alle mittragen. Und das gilt gemäss Leuenberger beim Radio- und Fernsehen genauso: Auch wer nicht hinhört oder -schaut, profitiert. Denn Radio und Fernsehen erhalten die Demokratie aufrecht, so der Bundesrat. Deshalb soll künftig jeder Haushalt und jeder Betrieb Radio- und Fernsehgebühren bezahlen.
Das ist eine ganz und gar logische Argumentation. Immerhin zahlen auch Nichtschwimmer Steuern für die örtliche Badi.
Danke, Schweizer Fernsehen!
Etwas mehr Dankbarkeit wäre also angebracht. Seien wir dem Schweizer Fernsehen dankbar dafür, dass uns die «Arena» zeigt, dass Meinungsfreiheit nicht zwingend bedeutet, jemanden ausreden lassen zu müssen. Danken wir «Deal or no deal», dass es uns auf anschauliche Art und Weise illustriert, wie willkürlich in Politik und Wirtschaft entschieden wird. Und wie viel Gel in die Haare eines Moderators passt. Danken wir «Benissimo», das uns beweist, dass Menschen auch ohne Manager-Boni auf die Schnelle reich werden können. Danken wir den «grössten Schweizer Hits», die uns darlegen, dass wir trotz der alljährlichen Eurovision-Pleite eine Musik-Nation sind. Dank an die «Alpenfestung», welche gezeigt hat, dass man auch mit Nostalgie an den zweiten Weltkrieg zurückdenken kann. Und «Samschtigjass» für den Beweis, dass gewisse Traditionen (und Sendekonzepte) niemals sterben.
Präventiv zahlen
Mille Grazie auch an «SF bi de Lüt», das dem Stammtisch eine Stimme gegeben und die Schweiz vor der Fettleibigkeit bewahrt hat. Gracias «Kassensturz» für die Information, dass in Schönheitskliniken gegrabscht wird. Dankbar sollten wir auch den zahlreichen Radiostationen sein. Ihretwegen haben wir uns Gedanken darüber gemacht, was das Wort Medienvielfalt überhaupt bedeuten könnte. Ein grosses Merci auch an Sven Epiney – für alles.
Wenn Sie jetzt denken: «Ich brauch doch keine Medien, um zu wissen, was Demokratie ist». Oder sagen: «Mir egal, ich schau überhaupt gar nicht fern.» Dann bedenken Sie: Auch in die Krankenkasse zahlt man präventiv ein. Und hofft, dass es nicht zum Worst Case kommt. Also lasst uns alle zahlen, aus Dankbarkeit.
Schliesslich ist es doch ein Prinzip der Demokratie, dass die einen für die anderen schauen – wenn es auch nur SF ist (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.01.2010, 14:49 Uhr
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20 Kommentare
Ich habe bis zum Studium in Italien gelebt und wundere mich immer wieder, wenn sich die Schweizer über das Niveau ihres Nationalfernsehens beschweren. Viele haben einfach keine Vorstellung davon, was wirklich primitiv ist, was es wirklich heisst, wenn sich die Teilnehmer einer Diskussionsrunde nicht ausreden lassen, oder was es bedeutet, wenn Nachrichten tendenziös sind. Antworten
Mir fällt hierbei beim besten Willen keine Logik ein. Weder bei der Aussage Leuenbergers (also ich habe eine Kehrichtsackgebühr zu entrichten, heisst: kein Abfall = keine Kosten), noch beim Kommentar Hunzikers ("Das ist eine ganz und gar logische Argumentation".) Ob SF Müll ist oder nicht, entscheidet das der Bundesrat? Ich bin auch nie krank, kann ich deswegen wählen, ob ich KK zahlen möchte? Antworten
so lange ich als fussgängerin keine trottoir - und als velofahrerin strassenbenutzungsgebühren zahlen muss, ist mir dies egal. demnächst muss ich da der staat pleite ist atemluft-, beamten-, gletscherschmelz-, sonnenlicht- gebühren etc. bezahlen. es ist zeit für ein neues bundesbern. wir brauchen keine filzpolitiker sondern dringend innovative u. voraussehende botschafter wie z.b Th.Bohrer! Antworten
Wenn ich in der Stadt einfach so meinen Müll liegenlasse, dann muss ich eine Busse zahlen. Die schweizer Medien bekommen genug Geld. Sie machen nur nichts Schlaues daraus. Und ich soll nun auch noch für den absichtlich liegengelassenen Müll zahlen. Müllsünder gehören gebüsst nicht noch weiter finanziert. Antworten
Könnten wir bitte auch das Benzin subventioniert bekommen? Schliesslich profitieren auch Nicht-Autofahrer von der Mobilität... Lieber Herr Leuenberger: das ist ja wohl eines der schrägsten Argumente, die wir in letzter Zeit gehört haben. Wenn die ganze Sache zumindest über die Steuern abgehandelt würde - dann wäre zumindest eine soziale Komponente erkennbar. Aber BR Leuenberger will eine Poll-Tax. Antworten
Auf die Schnelle stimmts, lieber Reto. Auch China hat Fernsehen Internet und Zeitungen. Wieviel Demokratie? Also zurück auf Platz eins! Denn die Qualität und Breite des Spektrums sind entscheidend. Und da muss ich, Dank Internet, um die halbe Welt surfen um ein vernünftiges Bild zu bekommen. Auch für eines das mir nicht passt vielleicht. Aber der Gedanke grundsätzlich geht in die richtige Richtung Antworten
Demokratie ist; jeder darf sagen was er will, es aendert nichts, sind es dann an der Urne 50,1% von 50 oder auch manchmal weniger % Stimmberechtigten die etwas entscheiden, dann ist es fuer die, die nicht an der Urne gewesenen undemokratisch, dass eine Minderheit, da man in der Demokratie frei alles sagen darf, ploetzlich die Mehrheit hat. Daran aendern Radio/TV nichts, Oder, BR Leuenberger ? Antworten
Es ist nicht die Frage ob alle an das System zahlen müssen, sondern wieviel. Wieso machen wir die Gebühren nicht einkommensabhängig. Kehrichtsackgebühren, Fernsehgebühren, Krankenkassen, BILLAG etc. Es ist bewiesen, wenn alle einzahlen kommt auch am meisten zusammen. Drehen wir doch den Spiess herum. Wie schon lange beobachtet wird das Geld umgeschichtet. Von unten nach oben und keiner wehrt sich. Antworten
Braucht es Radio und Fernsehen? Nein! Wozu/wieso um alles in der Welt will die Machtelite um Bundesrat Leuenberger denn unbedingt und auf biegen und brechen, dass wir weiterhin Gebühren zahlen für Radio und Fernsehen? Ohne Radio und Fernsehen würde das Volk wohl aufmüpfig werden und remklamieren, so kann man es ruhig stellen und es zahlt sogar selber dafür. Wenn das nicht einfach nur hammer ist? Antworten
Ein hinkender Vergleich von BR Leuenberger... Was mir nicht einleutet, warum gerade die SRG wichtig für die Demokratie sein soll. Warum wird sie übervorteilt? Zwar hat sie einige wenige Lichtblicke (Echo der Zeit), aber das meiste hebt sich nicht von den privaten Sendern ab (und die SRG hat auch Werbung). Ich würde lieber die NZZ lesen als Zwangsgebühren für Deal or Nodeal + HD-Läppliwiederhoungen Antworten
Danke Tagi, für die kleinen Lichtblicke Kritischen Geistes, wie hier in der Betrachtung der schlechten Qualität des Schweizer Fernsehens. Gefehlt in der Aufzählung hat die Tagesschau, deren Qualität doch sehr zu wünschen übrig lässt in seinem Dienst für mehr Infotainment. Und auch der Tagi darf etwas (selbst-) kritischer sein. Antworten
Der Staat braucht Geld. Und er wird immer mehr Geld brauchen. Danke Krise äh Banksters! Und wo holt er es? Beim Bürger. Also dankbar dürfen wir auf die zukünftige Innovationsflut der Politiker sein, die uns in Erstaunen versetzen wird, auf welch vielfältige Art dem Bürger das Geld noch aus der Tasche gezogen werden kann. Viele neue Abgaben und Gebühren zahlen wir doch gerne, oder? Antworten
Danke Herrn Reto Hunziker! Das ist in der Tat köstlichst geschrieben. Leider verstehe ich nicht, in welchem Zusammenhang ML von Demokratie redet, hat er ja nicht wirklich eine Ahnung, wie Diese wirklich funktionieren sollte. Das Alle für Alles bezahlen - so einfach ist es nicht, wie er denkt. Dieses System nennt man Diktatur.... Antworten






Philippe Latscha
Zur Unterhaltung schaue ich ausschliesslich DVD's, zur Information gibt es Internet und Zeitungen. Wer also braucht das Schweizer Fernsehen? Aber gezahlt wird fleissig, das steht ausser Frage. Für was? Antworten