Kultur

«Club»-Kritik: Ueli Maurer, der unfreiwillige Offizier

Von Simone Matthieu. Aktualisiert am 03.02.2010 58 Kommentare

Ueli Maurer diskutierte gestern im «Club» mit Jugendlichen über Sinn und Unsinn der Schweizer Armee. Und blieb selbst dann ruhig, als Gegenwind aus den eigenen Reihen kam.

1/5 Wer geht noch in die RS? Das war die Frage, die Ueli Maurer gestern im «Club» mit Jugendlichen diskutierte.

   

Am Beginn der Diskussionsrunde stand ein überraschendes Statement des Verteidigungsministers: Er selber habe schwer mit sich gehadert, ob er in die RS gehen solle oder nicht. «Ich gehörte zur 68er-Jugend. Da war es im Kollegenkreis nicht angebracht zu sagen, dass man zur Armee geht.» Er wurde dann von seinen Vorgesetzten im Militär zum Weitermachen gezwungen, was damals noch üblich war. Während seiner Laufbahn im Militär habe er aber immer mehr realisiert: «Die Armee ist ein Friedens- und kein Kriegsinstrument. Ich habe immer grösseren Sinn darin gesehen.»

Offen, ruhig und sachlich gab sich Ueli Maurer im «Club» zum Thema «Wer geht noch in die RS?». Und das, obwohl er sich von allen Seiten Vorwürfe anhören musste.

Aus dem gegnerischen Lager, bestehend aus SP-Vizepräsident Cédric Wermuth, SP-Luzern-Vizepräsident Daniel Gähwiler und Maturand Benjamin Hämmig, hiess es, die Armee koste zu viel, habe seit dem Ende des Kalten Krieges ihre Daseinsberechtigung verloren und könne im Ernstfall dem Feind sowieso nichts entgegenhalten.

Prägende Erfahrungen

Maurer hörte sich die Argumente geduldig an. Kein einziges Mal fuhr er jemandem ins Wort oder wurde laut. Trotzdem hielt er dagegen: Die Armee biete jungen Menschen viel. Nirgendwo sonst erhielten sie heute praktische Führungserfahrung und erlebten, was Teamgeist und das Erreichen der eigenen physischen und psychischen Grenzen bedeute. «Das sind Erfahrungen, die einen ein ganzes Leben lang prägen», meinte der Bundesrat.

Diese Meinung vertraten auch die beiden Jungmilitärs an seiner Seite. Olivia Philipp, Leutnant Lufttransport und kaufmännische Angestellte sagt, sie erhalte im Berufsalltag immer wieder das Feedback, dass man ihr die praktische Führungserfahrung aus der Armee anmerke. Offiziers-Aspirant Manuel Badertscher pflichtete ihr bei.

Unbequeme Fragen aus dem eigenen Lager

Dass man mit der RS ausserdem einen wertvollen Dienst am Vaterland und seinen Mitmenschen verrichte, sei ebenfalls etwas, das man so nur in der Armee tun könne, fanden die Armee-Befürworter. «Die Armee schützt im Notfall die Schwachen, das ist doch eine noble Aufgabe», fand Maurer.

Damit hatte es sich allerdings mit der Einigkeit in Maurers Lager. Dem Argument der Gegenseite, dass die Armee mit dem heutigen Budget ohnehin nicht mehr richtig funktionstüchtig erhalten werden könne, pflichteten auch die beiden Jungmilitärs zu. Philipp klagte darüber, dass ihre Truppe im WK kaum etwas zu tun habe und dass noch nicht einmal genug Material da sei, um die Soldaten während dieser Zeit zu beschäftigen. Philipp fragt den Armeeminister vor laufender Kamera: «Glauben Sie, dass die Armee so im Ernstfall funktionieren würde?» Worauf Maurer zugeben muss: «Wir sind tatsächlich schlecht gerüstet».

Wenig parteipolitisches Gezanke

Für einmal gab es trotz gemeinsamer Anwesenheit von SVP- und SP-Politikern kein parteipolitisches Gezänk. Nur einmal kam eine Attacke gegen Maurers Partei von Wermuth. Man war sich zwar auf beiden Seiten einig, dass heute viele aus Bequemlichkeit nicht mehr bereit seien, sich in den Armee-Alltag einzuordnen. Die Schuld an dieser Bequemlichkeit schob Wermuth dann aber kurzerhand der SVP in die Schuhe, die den Leuten einbläue, nur für sich selbst zu schauen. Die Jungen würden deshalb die Konsequenzen ziehen und nur ihre eigenen Ziele verfolgen - ein Dienst an der Allgemeinheit wie die Armee sei uninteressant.

Der verbale Seitenhieb verpuffte allerdings schnell. Maurer liess sich dadurch nicht irritieren. Der Bundesrat blieb ruhig. Auch unter Feuer. Sein Schlusswort war gleichzeitig das Fazit dieser Sendung: «Die Mehrheit unserer Wählerinnen und Wähler will eine Armee, alle anderen Vorschläge wurden abgelehnt. Also soll man auch das Geld sprechen, um diese gewollte Armee funktionstüchtig zu erhalten.» Und an die Armee-Gegner gewandt: «Wir leben in einem Land, in dem Mehrheiten zählen. Damit muss man leben und versuchen, die Mehrheit für sich zu gewinnen, wenn man etwas erreichen oder die vorherrschende Meinung ändern will.»

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2010, 13:07 Uhr

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58 Kommentare

Jakob Meier

03.02.2010, 11:29 Uhr
Melden 1 Empfehlung

BR Maurer wirkte ehrlich und sachlich im Gegensatz zu Wermuth, welcher sich mit platten Worthülsen...wie besser als 21 Wochen im "Dräck omeseckle" selbstgefällig disqualifizierte. Antworten


Marcel Niedermaier

03.02.2010, 10:35 Uhr
Melden

Da sitzt ja ein vorbildlicher Visionär im Bundesrat. Sicher bestimmt in einer Demokratie das Volk. Wir haben aber eine Regierung die unser Land leiten soll. Das Volk muss für etwas begeister werden. Ins Schneckenloch zurückziehen und hoffen, dass niemand darauf tritt bringt uns nicht weiter. Sicher würde auch ein Nachdenken über unsere Bedrohungslage helfen. Aber bitte ohne Brett vor dem Kopf. Antworten



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