Kultur

«Club»-Kritik: «Grusig ist das, widerwärtig!»

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 09.12.2009 171 Kommentare

Beleidigungen, Grimassen und Geschrei: Der «Club» zur Minarett-Abstimmung geriet zum Tohuwabohu-Talk. Christoph Mörgeli und Samir verloren gar die Fassung.

1/7 Zutiefst gespalten: Die gestrige «Club»-Runde.

   

Nachdem das Minarettverbot vom Volk angenommen wurde, wollen Intellektuelle das Verbot wieder aufheben. Gestern kreuzten sie im «Club» mit den Siegern der Initiative die Klingen – zumindest lautete so die SF-Ankündigung. Bloss: Richtige Intellektuelle hatte man offenbar nicht auftreiben können, die Garde der Initiativ-Gegner bestand aus dem Filmemacher Samir, Grünen-Nationalrat und Anwalt Daniel Vischer und dem Historiker Georg Kreis.

An Biss liessen es die Abstimmungverlierer zwar nicht fehlen, Kreis etwa liess sich vor der Sendung so zitieren: «Selbstverständlich muss das Minarettverbot aufgehoben werden, und zwar mit allen zur Verfügung stehenden politischen und rechtlichen Mitteln.» Während der Diskussion bröckelte seine bestimmte Haltung aber, und schliesslich wusste er sich nur noch mit einem fragwürdigen historischen Vergleich zu behelfen: Die SVP hätte in den 30ern wahrscheinlich mit einer antijüdischen Initiative gepunktet.

Geschichtsschreibung im Konjunktiv – das brachte wiederum den zweiten Historiker der Runde, Christoph Mörgeli, auf die Palme. «Schämen Sie sich!» und «Haben Sie eigentlich Spass daran, den Leuten vorzuschreiben, was sie zu denken haben. Grusig ist das, widerwärtig!» gehörten zu den netteren Ausdrücken, die er Kreis an den Kopf warf.

«Ich bestimme hier, was geht!»

Wer gedacht hat, dass damit der Niveau-Tiefpunkt der Diskussion erreicht war, sah sich getäuscht. Immer wieder fiel Filmregisseur Samir seinen Gegnern ins Wort oder ignorierte Christine Maiers Aufforderungen, das Wort abzugeben – was die Minarett-Gegner veranlasste, ihre Stimmen auf gefühlte 100 Dezibel anzuheben. Dies wiederum quittierte Samir mit Grimassen. Mehrmals musste die Moderatorin zur Ruhe mahnen («Trinkt doch alle mal einen Schluck Wasser», «Ich bestimme hier, was geht!»).

Inhaltlich beanspruchten beide Seiten den Job des Hüters der Freiheit für sich, was die Diskussion weiter im Kreis drehen liess. Interessant wurde es eigentlich nur für ein paar Sekunden, als man die Grenzen des Volkwillens auslotete. Für Christoph Mörgeli («Das Volk hat nicht immer Recht, aber das Volk sagt, was gilt») sind diese erst beim zwingenden Völkerrecht erreicht, also wenn etwa das Folterverbot angekratzt wird. Vischer hingegen verweist auf die Verfassung; Religionsfreiheit sei höher zu gewichten als das Minarettverbot: «Das Volk hat nicht immer das letzte Wort. Es gibt ein übergeordnetes Recht. Die Zulassungskriterien für Initiativen müssten dem angepasst werden.» Worauf «Weltwoche»-Mann Markus Somm anhand eines abstrusen Beispiels («Genozid an Schweizer Linkshändern») daran erinnerte, dass das Volk theoretisch auch gegen das zwingende Völkerrecht stimmen kann.

Worum gings eigentlich?

Alles in Allem wurden jene Positionen heruntergeleiert, die man von den Gesprächsteilnehmern erwarten konnte. Etwa jene von Walter Wobmann, dem Präsidenten des Initiativkomitees Minarettverbot: Es sei ein Skandal, dass man nun versuchen wolle, eine Mehrheitsentscheidung der Bürger nach monatelanger, hochsachlicher Diskussion wieder rückgängig zu machen, nur weil sie der Elite nicht passe. Oder jene von Samir: «Es wurde gar nicht über Minarette abgestimmt!».

Da hat Samir wohl recht. Doch worüber genau wurde denn abgestimmt? Über den politischen Islam? Die Furcht vor dem Anderen? Die zunehmende Anzahl von Migranten? Solche Fragen blieben leider weitgehend unbeantwortet. Journalist Somm versuchte das Gespräch zwar einige Male auf die Ängste der Bevölkerung zu lenken – doch fand er im Talk-Tohuwabohu kein Gehör. Am Schluss blieb Christine Maier bloss das Fazit, dass man wohl noch lange über die Angelegenheit diskutieren müsse. Nun, hoffentlich nicht auf diesem Niveau, sonst: Minarette sich wer kann! (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.12.2009, 15:17 Uhr

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171 Kommentare

Ralph Hauck

09.12.2009, 23:38 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Hat jemand heute um 22.20 SF1 geschaut? Diesmal waren es die Deutschen ! Wer kommt als nächster dran ? Die Schwarzen, die Juden, die Sozialscharotzer... Wir sollten aufpassen das uns die Feindbilder nicht ausgehen, sonst kommt noch Langeweile auf. Genau so ist das halt mit der Fremdenfeindlichkeit, sie macht vor niemandem halt. Am Schluss sind nur noch Blocher und Mörgeli übrig !! Antworten


Aschi Oiram

10.12.2009, 18:42 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die Abstimmung war, weil Schlüer wieder gewählt werden will. Unnötig weil es Probleme gäbe für die Politiker & Medien, statt sich mit Türmlis zu verköstigen. Die süffigere Story zählt, nie der Inhalt. Die Bürger haben den untätigen Politikern eine Ohrfeige verpasst. Wer die Polit-Medienschau in Bern verfolgt, kann sie kaum ernst nehmen: Bankenoligarchie, Versicherungen,Umwelt, Energie,Märzerei Antworten



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