«Al Dente»: High Noon an der Käseschnitte
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 13.01.2009 22 Kommentare
Das Küchenteam mit Sven Epiney.
Kochen ist Zen. Und Zen ist eine stille Angelegenheit. Das scheint zu wenig unterhaltsam, muss sich das Schweizer Fernsehen gesagt haben, als es das Konzept für «Al Dente» entwarf. Für eine fetzige Kochshow braucht es also noch ein paar rassige Zutaten. Zum Beispiel ein Quiz. Tipps und Tricks. Gekocht werden muss natürlich auch. Und es braucht einen Moderator, der das schnell und sauber über die Bühne bringt.
So ist «Al Dente» das Gegenteil von Zen geworden: geschwätzig, ungeduldig, atemlos. Vielleicht liegt es an Obershowmaster Sven Epiney. Wie eh und je wetzt er mit öligem Grinsen durch die Szenerie, als stünde er unter Strom. Er schürt eine solche Bombenstimmung, dass das Publikum schon bei der Präsentation des neuen Kühlschrankes vor Begeisterung in Spontanapplaus ausbricht. Ganz die Teflonpfanne: hier brennt nichts an und bleibt nichts haften.
Das Küchenteam gibt sein Bestes: Sibylle Sager, Typ hochgetunte höhere Fachangestellte, pflegt den pädagogischen Ansatz. Sie will vermitteln, dass Kochen Spass macht. Oder eher machen würde, könnte man sich ein bisschen Zeit lassen. Nur dazu kommt es nicht. Das hier ist Fernsehen, Showtime Baby, hier passiert alles gleichzeitig.
Das Menü des Abends: geräucherter Vacherin Mont d'Or mit St. Gallerbrot, Risotto mit gebratenen Randen, Rübli und Petersilienwurzel, einen feissen Speck und zuletzt flambierte Truffes-Birnen. Daneben gilt es auch noch zwei Kandidaten ins Duell zu schicken: Karin Götschi aus Kerzers, 27. ledig, und Meinrad, «Meini» Schwegler aus Luzern, 38, liefern sich High Noon am Herd, es winken viele tolle Preise.
Ran an den Speck
Also ran an den Speck. Beziehungsweise die Käseschnitte. Denn vier solche gilt es, in exakt zwei Minuten herzustellen. Bald fliegt der Käse durchs Studio. Das Publikum feuert die Kandidaten an, nie zuvor war Käseschnitte so spannend. Und weiter geht es in die Genussrunde, aber zuerst darf Sponsor Knorrli einblenden, was den glücklichen Gewinner erwartet: Familienweekend in Engelberg mit Besuch des Knorrli-Erlebniswegs. Kandidat Meinrad geht die Sache analytisch an, mit der Miene eines Weinkenners kaut er auf dem Vanille-Milchreis herum. Er will diesen Urlaub unbedingt.
Und schon ist das Menü, so komplex es schien, zubereitet und angerichtet, denn die Sendezeit ist gleich um: der Vacherin blubbert in seinem Räucherbett, der Speck wird mit Gemüse garniert, Überleitung zum grossen Finale, dem Showdown. Hier geht es um alles oder nichts, um Küchenmaschinen, Steamer, Einkaufsgutscheine. Kaum ist Sieger Meini erkürt, jubiliert Epiney: «Mir hei total de plausch gha, es isch unglaublich gsy». Und Tschüss.
Kochen ist Zen und jedes Land hat die Küche, die es verdient. Leider auch die Kochshow. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.01.2009, 10:20 Uhr
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22 Kommentare
Man hätte nicht nur die Kücheneinrichtung auswechseln sollen. Besser wäre es, wenn abwechslungsweise Spitzenköche mitwirken würden. Geht nicht, würde COOP sagen, die verwenden keine Betty Bossi-Produkte. Also ist es eine reine Werbesendung. Dafür rechtfertigen sich TV-Gebühren nicht. Noch besser: http://www.byebyebillag.ch Antworten
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