Kultur

«Wir hatten Beziehungen zu Leuten, die diese Miezen züchteten»

Der «Blick» will das Seite-3-Girl wieder einführen – auf Seite 1. Peter Übersax, legendärer Chefredaktor des Boulevardblattes in den 80er-Jahren, über die frühere Rolle des Girls.

1/8 Hosen runter! Eine «Blick»-Leserin fordert Gleichberechtigung.
Screenshot «Blick.ch»

   
<b>Peter Übersax (83)</b> gilt als der grosse alte Mann des Schweizer Boulevardjournalismus. Er war 1961/62 und von 1980 bis 1986 Chefredaktor des «Blick». Unter ihm erreichte das Blatt eine rekordhohe Auflage.

Peter Übersax (83) gilt als der grosse alte Mann des Schweizer Boulevardjournalismus. Er war 1961/62 und von 1980 bis 1986 Chefredaktor des «Blick». Unter ihm erreichte das Blatt eine rekordhohe Auflage. (Bild: Esther Michel)

Seite-1-Girl

Demnächst erscheint der Blick in einer neuen Aufmachung. Das neue Konzept sieht unter anderem vor, wieder täglich eine leichtbekleidete Frau zu zeigen, allerdings nicht wie früher auf der Seite 3, sondern wie bei der «Bild»-Zeitung auf der Titelseite. Dies bestätigt Ringier-Unternehmenssprecher Stefan Hackh gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Bei den abgebildeten Frauen soll es sich nicht mehr um Models handeln, sondern um Frauen aus der Leserschaft, die sich von einem Profi-Fotografen freizügig ablichten lassen.

Sie hatten das Seite-3-Girl von Ihrem Vorgänger übernommen, welche Rolle spielte es für den damaligen «Blick»?
Damals war das sehr aussergewöhnlich in einer Zeitung und ein starkes Verkaufsargument, ohne jeden Zweifel.

Gab es tatsächlich Leute, die den «Blick» wegen dem Girl kauften?
Ja sicher.

Zum Bild der nackten Frau gehörte immer auch ein schlüpfriger Spruch. Wie wichtig war der?
Schlüpfrig würde ich den nicht bezeichnen. Das war eine Gratis-Zugabe, damit noch etwas dort steht.

Können Sie etwas zum Ursprung des Seite-3-Girls sagen?
Das kam aus dem britischen Boulevard. In Amerika, dem Land der zweitstärksten Boulevardpresse, wäre es nicht möglich gewesen, nackte Damen in der Zeitung abzubilden.

Woher hatten Sie eigentlich die Bilder?
Wir kauften sie in England ein. Wir hatten gute Beziehungen zu Leuten, die diese sogenannten Miezen züchteten und periodisch ganze Pakete der Bilder verkauften.

Was halten Sie davon, dass das Girl jetzt wieder zurückkommt?
Der Aufsehensfaktor ist heute nicht mehr gegeben, Nacktheit nichts mehr Aussergewöhnliches. Ich glaube nicht, dass das Girl heute noch ein besonderer Anziehungsfaktor ist für die Zeitung. Nacktheit ist heute überall, die Leute haben sich daran gewöhnt.

Sie fanden es also richtig, dass das Seite-3-Girl Anfang dieses Jahrzehnts schrittweise abgeschafft wurde.
Nein, das fand ich falsch. Auch wenn die Anziehungskraft nicht mehr so stark ist, gehört es einfach in eine Boulevardzeitung.

Erachten Sie es als Genugtuung, dass der «Blick» wieder mehr zu dem wird, wie Sie damals die Boulevardzeitung gemacht haben?
Nein, das ist über 20 Jahre her, so eitel bin ich nun auch wieder nicht, dass die Rückkehr eines Girls eine Genugtuung für mich wäre. Meine Leistung sehe ich auch nicht unbedingt beim Girl, sondern darin, dass unter mir der «Blick» zu einer politischen Zeitung wurde. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.09.2009, 12:58 Uhr

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19 Kommentare

Richard Uller

28.09.2009, 16:56 Uhr
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Ich habe unter Herr Uebersax beim Blick gearbeitet. Er war ein Super Chef. Ein Fall Borer waere nie passiert, beim heutigen Blick bringen sie alles. Jede Hausfrau die einmal im TV war, kommt auf die Frontpage. Uebersax war die Auflage des Blicks. exBotschafter Borer Story unter Lehmann und den Bild Leuten aus Deutschland war der Beginn des Untergangs von Blick. Antworten


Fritz Hurni

22.09.2009, 13:43 Uhr
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Ein Foto einer hübschen nackten Frau ist m.E. nicht rassistisch und nicht diskriminierend, sondern einfach schön anzusehen, Frau Brülhart. Männer (und auch viele Frauen) mögen sowas! A propos "Verwendung der Sprache" ... Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Ich zähle 4 Fehler in ihrem Text... Den Blick kaufen wegen dieser Miezen werde ich nun aber trotzdem nicht ... Antworten


Carlo Bernasconiq

21.09.2009, 17:34 Uhr
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Fritz Schwarz hat recht. Ohne die "Liebe Martha" hätte es die Rekordauflage nicht gegeben. Die Ruth Westheimer der Schweiz aber hat Übersax, im Übrigen ein ziemlicher Schinderhannes, kongenial für die Auflage vermarktet. Und auf dem Höhepunkt der Jugendunruhen hat er Willy Ritschard prominent ins Blatt gerückt. Antworten


Fritz Schwarz

21.09.2009, 17:08 Uhr
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Mit 83 darf man schon etwas vergesslich sein... BLICK hat längst vor Mr. Übersex auch politische Themen gebracht. Und seine sagenhafte Auflage hat Porschefahrer Übersax vor allem dank BINGO und der Gunst der Stunde – Motel-Knatsch – erreicht. Und dank der "Lieben Martha". Der Stolz darf sich also ruhig in Grenzen halten. Antworten


Peter Broger

21.09.2009, 16:48 Uhr
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Ob nackte Frauen oder Männer, der Blick ist langsam aber sicher Geschichte. Das Zielpublikum bezieht je länger je mehr die Gratiszeitungen und dass ist gar nicht so schlecht. Denn da bezahlt man nichts für falsche Nachrichten. Herr Übersax, sie sollten nicht über Politik reden, denn davon hat der Blick keine Ahnung, weder zu ihrer Zeit noch heute, alles viel zu süffig und Eintagesfliegen. Antworten


Peter Stucheli

21.09.2009, 16:14 Uhr
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@Darja Rauber: nackte Männer? Aber Frau Rauber, der männliche Körper ist ein Nutzfahrzeug, der weibliche dagegen ein Kunstwerk... Antworten


Werner Meier

21.09.2009, 15:50 Uhr
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Mehr Bilder - finde ich super: Dann passieren endlich auch weniger Rechtschreibefehler. Antworten


Andreas Hägele

21.09.2009, 15:42 Uhr
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Also ich stehe ja nicht auf Männer aber ich mag es den Frauen gönnen, wenn sie einen schönen Mann zum Angucken bekommen. Dafür hätte ich dann aber auch gerne schöne Frauen im Blick. Antworten


Gabriel Berger

21.09.2009, 15:40 Uhr
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Dass der Blick wieder auf nackte Frauen setzt, hat ganz offensichtlich nur einen Grund: Dem Blatt laufen seit Jahren die Leser davon und auf diese Weise will man sie jetzt zurückholen. Ob das allerdings im Internet-Zeitalter - wo es nichts einfacheres gibt, als online Bilder von nackten Frauen zu finden - noch funktioniert, ist mehr als fraglich. Insgesamt also eine armselige Aktion, lieber Blick! Antworten


Darja Rauber

21.09.2009, 15:15 Uhr
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@ Manu: Und wo bleiben die nackten Männer? Solange die nicht auch im BLICK auftauchen, lasse ich mich gerne Emanze schimpfen. Übersteigt es Ihre Vorstellungskraft, dass es auch selbstsichere, lustbetonte Feministinnen geben könnte, denen es um GLEICHHEIT geht - was nichts mit Öko, Altjungferntum, unrasierten Achseln etc. zu tun hat, wie ihr intellektuellen Leichtgewichte gerne glauben würdet? Antworten


Darja Rauber

21.09.2009, 15:06 Uhr
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Wenn Nacktheit wirklich so normal ist, warum gibt es dann beim BLICK nicht auch nackte Männer zu betrachten? Oder sind eben nur nackte Frauen (Objekte) und betrachtende Männer (Subjekte) normal?! Solange es in Sachen Nacktheit als Verkaufs"argument" keine Gleichheit gibt, ist die Aufmachung eines Seite-3-Girls einfach sexistisch und verletzend. Aber klar, der BLICK hat sonst nichts zu bieten... Antworten


Mathias Berger

21.09.2009, 14:56 Uhr
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Alter schützt vor Eitelkeit (offenbar) doch nicht. Boulevardzeitungen sind der grösste intellektuelle Missgriff der Medien und Bar jeglicher Medienkultur.Das auch noch mit sexistischem Tongue anzureichern ist der Gipfel! Weshalb denn keine nackten Männer abbilden? So eine Heuchelei. Antworten


Peter Dummel

21.09.2009, 14:55 Uhr
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Ich werfe nie einen Blick in den Blick. Dieses Blatt ist mir viel zu seicht, gelinde gesagt. Aber bedenklich ist, dass der Blick eine so grosse Auflage hat. Aber eben, die Mathematik lehrt uns: Je mehr Nullen hinter einer 1 stehen, je mächtiger ist sie! Antworten


Manu Stoll

21.09.2009, 14:24 Uhr
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@ Doris: Diese entwürdigenden Bilder werden (wie ober erwähnt) freiwillige LeserInnen sein (kein Billigimport aus Zuchtbetrieben in UK). Somit werden narzistische Exemplare der schützenswerten Gattung "Frau" ihr Geschlecht selbst versenken - ich bedaure alle verklemmten Bio-Emanzen, welche ob einiger nackten Tatsachen die Kriese kriegen. Für Blick gilt: Mit Käse fängt man Mäuse... Antworten


Roland Peier

21.09.2009, 14:11 Uhr
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Finde es super, dass der Blick daran denkt, die Seite 3 - Miezen wieder zu bringen. Antworten


Daniel Kettiger

21.09.2009, 13:58 Uhr
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Zum Vorhaben des "Blick" und zur Geistehaltung von Ex-Redaktor Übersax Freuen gegenüber kann man nur sagen: Primitiv - Primitiver - Blick! Antworten


Hans Abächerli

21.09.2009, 13:47 Uhr
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Und wie wurde er zu diesen Zeiten meist genannt: Übersex... Antworten


Freddy Luger

21.09.2009, 13:47 Uhr
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Super wenn wieder schöne nackte erwachsene menschen im blick gezeigt werden, das gehört einfach in ein revolver-blatt, die bild zeitung ist ihrer linie treu geblieben. finde es nicht menschenverachtend wenn sich damen und herren der schöpfung ablichten lassen im gegenteil guter verdienst ist da wohl garantiert sonst würde nicht so viel material im umlauf sein. Antworten


Doris Brülhart

21.09.2009, 13:32 Uhr
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Dass der Blick wieder mit nackten Frauen aufwarten muss ist die Kompenastion redaktioneller Schwäche. In Zeiten wirtschaftlicher Nöte fällt den Blickchefs offenbar nichts geistreicheres ein als das "schwache Geschlecht" mit entwürdigenden Bildern auf's Schaffott der Gleichberechtigung zu bringen. Übersax' Verwendung der Sprache ist zudem rassistisch und sehr menschverachtend => "Miezen züchten" Antworten



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