«Wir hatten Beziehungen zu Leuten, die diese Miezen züchteten»
Interview Rico Bandle. Aktualisiert am 21.09.2009 19 Kommentare
Peter Übersax (83) gilt als der grosse alte Mann des Schweizer Boulevardjournalismus. Er war 1961/62 und von 1980 bis 1986 Chefredaktor des «Blick». Unter ihm erreichte das Blatt eine rekordhohe Auflage. (Bild: Esther Michel)
Seite-1-Girl
Demnächst erscheint der Blick in einer neuen Aufmachung. Das neue Konzept sieht unter anderem vor, wieder täglich eine leichtbekleidete Frau zu zeigen, allerdings nicht wie früher auf der Seite 3, sondern wie bei der «Bild»-Zeitung auf der Titelseite. Dies bestätigt Ringier-Unternehmenssprecher Stefan Hackh gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Bei den abgebildeten Frauen soll es sich nicht mehr um Models handeln, sondern um Frauen aus der Leserschaft, die sich von einem Profi-Fotografen freizügig ablichten lassen.
Sie hatten das Seite-3-Girl von Ihrem Vorgänger übernommen, welche Rolle spielte es für den damaligen «Blick»?
Damals war das sehr aussergewöhnlich in einer Zeitung und ein starkes Verkaufsargument, ohne jeden Zweifel.
Gab es tatsächlich Leute, die den «Blick» wegen dem Girl kauften?
Ja sicher.
Zum Bild der nackten Frau gehörte immer auch ein schlüpfriger Spruch. Wie wichtig war der?
Schlüpfrig würde ich den nicht bezeichnen. Das war eine Gratis-Zugabe, damit noch etwas dort steht.
Können Sie etwas zum Ursprung des Seite-3-Girls sagen?
Das kam aus dem britischen Boulevard. In Amerika, dem Land der zweitstärksten Boulevardpresse, wäre es nicht möglich gewesen, nackte Damen in der Zeitung abzubilden.
Woher hatten Sie eigentlich die Bilder?
Wir kauften sie in England ein. Wir hatten gute Beziehungen zu Leuten, die diese sogenannten Miezen züchteten und periodisch ganze Pakete der Bilder verkauften.
Was halten Sie davon, dass das Girl jetzt wieder zurückkommt?
Der Aufsehensfaktor ist heute nicht mehr gegeben, Nacktheit nichts mehr Aussergewöhnliches. Ich glaube nicht, dass das Girl heute noch ein besonderer Anziehungsfaktor ist für die Zeitung. Nacktheit ist heute überall, die Leute haben sich daran gewöhnt.
Sie fanden es also richtig, dass das Seite-3-Girl Anfang dieses Jahrzehnts schrittweise abgeschafft wurde.
Nein, das fand ich falsch. Auch wenn die Anziehungskraft nicht mehr so stark ist, gehört es einfach in eine Boulevardzeitung.
Erachten Sie es als Genugtuung, dass der «Blick» wieder mehr zu dem wird, wie Sie damals die Boulevardzeitung gemacht haben?
Nein, das ist über 20 Jahre her, so eitel bin ich nun auch wieder nicht, dass die Rückkehr eines Girls eine Genugtuung für mich wäre. Meine Leistung sehe ich auch nicht unbedingt beim Girl, sondern darin, dass unter mir der «Blick» zu einer politischen Zeitung wurde. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.09.2009, 12:58 Uhr
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19 Kommentare
Ein Foto einer hübschen nackten Frau ist m.E. nicht rassistisch und nicht diskriminierend, sondern einfach schön anzusehen, Frau Brülhart. Männer (und auch viele Frauen) mögen sowas! A propos "Verwendung der Sprache" ... Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Ich zähle 4 Fehler in ihrem Text... Den Blick kaufen wegen dieser Miezen werde ich nun aber trotzdem nicht ... Antworten
Fritz Schwarz hat recht. Ohne die "Liebe Martha" hätte es die Rekordauflage nicht gegeben. Die Ruth Westheimer der Schweiz aber hat Übersax, im Übrigen ein ziemlicher Schinderhannes, kongenial für die Auflage vermarktet. Und auf dem Höhepunkt der Jugendunruhen hat er Willy Ritschard prominent ins Blatt gerückt. Antworten
Mit 83 darf man schon etwas vergesslich sein... BLICK hat längst vor Mr. Übersex auch politische Themen gebracht. Und seine sagenhafte Auflage hat Porschefahrer Übersax vor allem dank BINGO und der Gunst der Stunde – Motel-Knatsch – erreicht. Und dank der "Lieben Martha". Der Stolz darf sich also ruhig in Grenzen halten. Antworten
Ob nackte Frauen oder Männer, der Blick ist langsam aber sicher Geschichte. Das Zielpublikum bezieht je länger je mehr die Gratiszeitungen und dass ist gar nicht so schlecht. Denn da bezahlt man nichts für falsche Nachrichten. Herr Übersax, sie sollten nicht über Politik reden, denn davon hat der Blick keine Ahnung, weder zu ihrer Zeit noch heute, alles viel zu süffig und Eintagesfliegen. Antworten
Dass der Blick wieder auf nackte Frauen setzt, hat ganz offensichtlich nur einen Grund: Dem Blatt laufen seit Jahren die Leser davon und auf diese Weise will man sie jetzt zurückholen. Ob das allerdings im Internet-Zeitalter - wo es nichts einfacheres gibt, als online Bilder von nackten Frauen zu finden - noch funktioniert, ist mehr als fraglich. Insgesamt also eine armselige Aktion, lieber Blick! Antworten
@ Manu: Und wo bleiben die nackten Männer? Solange die nicht auch im BLICK auftauchen, lasse ich mich gerne Emanze schimpfen. Übersteigt es Ihre Vorstellungskraft, dass es auch selbstsichere, lustbetonte Feministinnen geben könnte, denen es um GLEICHHEIT geht - was nichts mit Öko, Altjungferntum, unrasierten Achseln etc. zu tun hat, wie ihr intellektuellen Leichtgewichte gerne glauben würdet? Antworten
Wenn Nacktheit wirklich so normal ist, warum gibt es dann beim BLICK nicht auch nackte Männer zu betrachten? Oder sind eben nur nackte Frauen (Objekte) und betrachtende Männer (Subjekte) normal?! Solange es in Sachen Nacktheit als Verkaufs"argument" keine Gleichheit gibt, ist die Aufmachung eines Seite-3-Girls einfach sexistisch und verletzend. Aber klar, der BLICK hat sonst nichts zu bieten... Antworten
Alter schützt vor Eitelkeit (offenbar) doch nicht. Boulevardzeitungen sind der grösste intellektuelle Missgriff der Medien und Bar jeglicher Medienkultur.Das auch noch mit sexistischem Tongue anzureichern ist der Gipfel! Weshalb denn keine nackten Männer abbilden? So eine Heuchelei. Antworten
Ich werfe nie einen Blick in den Blick. Dieses Blatt ist mir viel zu seicht, gelinde gesagt. Aber bedenklich ist, dass der Blick eine so grosse Auflage hat. Aber eben, die Mathematik lehrt uns: Je mehr Nullen hinter einer 1 stehen, je mächtiger ist sie! Antworten
@ Doris: Diese entwürdigenden Bilder werden (wie ober erwähnt) freiwillige LeserInnen sein (kein Billigimport aus Zuchtbetrieben in UK). Somit werden narzistische Exemplare der schützenswerten Gattung "Frau" ihr Geschlecht selbst versenken - ich bedaure alle verklemmten Bio-Emanzen, welche ob einiger nackten Tatsachen die Kriese kriegen. Für Blick gilt: Mit Käse fängt man Mäuse... Antworten
Super wenn wieder schöne nackte erwachsene menschen im blick gezeigt werden, das gehört einfach in ein revolver-blatt, die bild zeitung ist ihrer linie treu geblieben. finde es nicht menschenverachtend wenn sich damen und herren der schöpfung ablichten lassen im gegenteil guter verdienst ist da wohl garantiert sonst würde nicht so viel material im umlauf sein. Antworten
Dass der Blick wieder mit nackten Frauen aufwarten muss ist die Kompenastion redaktioneller Schwäche. In Zeiten wirtschaftlicher Nöte fällt den Blickchefs offenbar nichts geistreicheres ein als das "schwache Geschlecht" mit entwürdigenden Bildern auf's Schaffott der Gleichberechtigung zu bringen. Übersax' Verwendung der Sprache ist zudem rassistisch und sehr menschverachtend => "Miezen züchten" Antworten






Richard Uller
Ich habe unter Herr Uebersax beim Blick gearbeitet. Er war ein Super Chef. Ein Fall Borer waere nie passiert, beim heutigen Blick bringen sie alles. Jede Hausfrau die einmal im TV war, kommt auf die Frontpage. Uebersax war die Auflage des Blicks. exBotschafter Borer Story unter Lehmann und den Bild Leuten aus Deutschland war der Beginn des Untergangs von Blick. Antworten