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Wie man sich gepflegt zum Idioten macht
Aktualisiert am 25.04.2012 39 Kommentare
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Bestimmt wissen inzwischen auch Sie, was Eyeballing bedeutet. Es ist dies ein neuer «Trend» aus England, bei dem Jugendliche sich den Alkohol nicht oral zuführen, sondern ins Auge schütten. Dass wir Kenntnis von dieser originellen Methode des Trinkens haben, verdanken wir der Eidgenössischen Alkoholverwaltung, welche in der April-Ausgabe ihres Magazins vor den Folgen dieses ausgefallenen Konsumverhaltens warnt. Sie bemerkt etwa, dass irrt, wer glaubt, der Alkohol gelange über den Augapfel schneller ins Blut. Dass vielmehr sein Augenlicht gefährdet, wer solches tut, da der Alkohol sich durch die Netzhaut brennt. Wer hätte das gedacht?
Das könnte ins Auge gehen
Aber im Ernst: Man braucht nicht Medizin studiert zu haben, um sich vorstellen zu können, dass so was ins Auge gehen kann. Auf der anderen Seite wäre wohl ohnehin kaum jemand auf die Idee gekommen, solch abwegiges Konsumverhalten an den Tag zu legen, würde dafür nicht eine solch effiziente Werbekampagne geführt. Denn inzwischen lesen wir auf allen Kanälen über diesen lustigen Sport, sehen im Fernsehen, wie es genau funktioniert.
Da drängt sich eine Frage auf: Ist diese Warnerei vor allem und jedem nicht vielleicht die eigentliche Schnapsidee? Kann doch «von einem Massenphänomen nicht die Rede sein», wie es im Bericht heisst. Ja, «die Methode ist in Europa noch kaum verbreitet». Aber, so hält die Alkoholverwaltung scharfsinnig fest, es sei zu befürchten, dass «solche internationalen Trends auch auf die Schweiz überschwappen» könnten. Spätestens jetzt, da wir alle lückenlos informiert sind. Schliesslich gibt es für einen Jugendlichen, der diesen Namen auch verdient, nichts Spannenderes, als sich ab und zu gepflegt zum Idioten zu machen. Und wie könnte man es effizienter, als am Samstagabend mit einem aus den Höhlen quellenden roten Augapfel zu glänzen?
Ganzkörperhelmpflicht?
Vielleicht war das Ganze aber auch als Arbeitsbeschaffungskampagne gedacht. Ich sehe schon die Bundesstelle für Unfallverhütung, die neue Helme samt integrierten Spezialbrillen konstruiert, um vor den Gefahren des Eyeballing zu schützen. Und wenn wir schon dabei sind, könnte man auch eine neue Ganzkörperhelmpflicht für Jugendliche von 13 bis 20 einführen, womit sie nicht nur vor Unfällen mit dem Fahrrad oder Motorrad, sondern auch vor allfälligen Schlägereien im Ausgang geschützt wären. Und um die zerdrückte Frisur müssten sie sich auch nicht mehr sorgen, da sie den Helm ja immer tragen müssten.
Die Herren von der Alkoholverwaltung und den Fernsehstationen sollten sich mal mit dem Medienphilosophen Boris Groys unterhalten. Der nämlich hat schon vor einiger Zeit festgestellt, dass Kommunikation im digitalen Zeitalter nicht mehr nach dem Schema plus/minus funktioniert, sondern nach dem binären Code 0/1. Damit meint er, dass es keine Rolle mehr spielt, ob man sich positiv oder negativ über etwas äussert. Entscheidend ist, ob man sich äussert oder nicht. In diesem Sinne: Überlegt euch beim nächsten «Trend» besser vorher, ob ihr wirklich darauf zurückkommen wollt. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.04.2012, 12:42 Uhr
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