Kultur

Wenn Stars einknicken

Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 06.02.2012 14 Kommentare

McCartney, Rushdie und sogar Tom Jones: Seit 60 Jahren schlägt Queen Elizabeth II Künstler zu Rittern, und sie verteilt Orden en masse. Das hat Kalkül.

1/8 Noch immer lockt der Pomp und die royale Exklusivität: Paul McCartney jubelt, nachdem er zum Ritter geschlagen worden ist. (11. März 1997)
Bild: Keystone

   

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Wie alle Monarchien versichert sich auch das britische Königshaus der Loyalität seiner Untertanen seit jeher mittels konkreter Privilegien, aber auch mit symbolischen Gesten: Ordensverleihungen.

Queen Elizabeth II, die heute vor 60 Jahren Königin wurde, macht da keine Ausnahme. Hunderte Orden hat sie während ihrer langen Zeit als Regentin bereits verliehen; unter den von Elizabeth Ausgezeichneten finden sich neben Politikern und Offizieren auch zahlreiche Künstler.

Mehr oder minder wertvolle Orden

So hat die Queen den Beatle Paul McCarntey ebenso zum Ritter geschlagen wie den verfemten indischen Autor Salman Rushdie oder den Disco-Crooner Tom Jones («Sex Bomb»).

Seit der 1917 erfolgten Einführung des Ordens «The Most Excellent Order of the British Empire» – fast scheint es, als ob die pompöse Bezeichnung über den etwas zweifelhaften Gehalt hinwegtäuschen soll –, kann die Queen auch ausländische Künstler auszeichnen. Ausserdem hat dieser Orden im Gegensatz zu den älteren royalen Prämierungen keine Mitgliederbegrenzung, was seine inflationäre Verwendung erklärt. Die Auswahl der zu prämierenden Künstler wird dabei allerdings nicht von der Queen selbst getroffen, sondern vom Büro des Premierministers. Dieses wiederum erhält Anregungen von gewöhnlichen Bürgern – eine Demokratisierung einer urmonarchischen Domäne sozusagen.

Doch gibt es auch weniger bekannte, im komplexen monarchischen Ordenssystem jedoch wertvoller eingestufte Auszeichnungen. So wurde die Schauspielerin Judi Dench in den «Order of the Companions of Honour» aufgenommen, der für herausragende Exponenten von Kunst, Musik, Literatur, Naturwissenschaften, Politik, Industrie und Religion vorgesehen und dessen Mitgliederzahl auf 65 begrenzt ist. Neben Dench gehören dem Orden unter anderen auch der Theaterregisseur Peter Brook, der Maler David Hockney oder die Mezzosopranistin Janet Baker an.

Abstützung der Monarchie als Ziel

Bedingung für eine Aufnahme in den Orden der «Companions» ist, von seltenen Ausnahmen abgesehen, die Zugehörigkeit zum Commonwealth; die Bemühung um einen ausgewogenen Mix zwischen Frauen und Männern, Kunstformen und Abstammungen ist unverkennbar. Während der «Most Excellent Order of the British Empire» den Massengeschmack abbildet, widerspiegelt der «Order of the Companions of Honour» die Ideale einer auf Harmonie bedachten Gesellschaft.

Es geht also weniger um eine Wertschätzung künstlerischer Exzellenz. Und mit dem privaten Geschmack der Queen, die angeblich eine Vorliebe für Musicals der 1940er hegt, haben die diversen Künstlerprämierungen rein gar nichts zu tun. Vielmehr geht es wie ehedem um eine pragmatische, möglichst breite Abstützung der Monarchie in der Gesellschaft.

David Bowie, der Verweigerer

Doch kommt es ab und an vor, dass sich Künstler dieser Instrumentalisierung ihrer Person und Arbeit entziehen. Unter den Verweigerern befinden sich unter anderem die Schriftsteller Graham Greene und Aldous Huxley, vor wenigen Jahren gesellte sich auch David Bowie zu ihnen. Der Popstar weigerte sich im Jahr 2000, sich zum «Commander of the Order of the British Empire», zum Ritter mittelhohen Rangs also, schlagen zu lassen, und als ihm drei Jahre später die Ritterwürde nochmals angetragen wurde, lehnte er wiederum ab.

Gegenüber dem Boulevardblatt «The Sun» erklärte Bowie, weshalb er den Ritterorden nicht angenommen hatte: «Ich habe keinen Gedanken darauf verschwendet, so was zu akzeptieren. Ganz ehrlich, ich weiss nicht, wofür so ein Ding sein soll. Darauf habe ich jedenfalls bestimmt nicht hingearbeitet.»

Mit seiner Verweigerungshaltung steht Bowie allerdings noch immer weitgehend allein da – verblüffend viele Stars knicken ein, wenn die Queen zum Ritterschlag ausholt. Weiterhin lockt der royale Pomp und das Prestige und die vermeintliche Exklusivität. «Es ist, als hätte man gerade ein Eis bekommen, das alle anderen auch wollen», staunte nach seinem Ritterschlag ein guter Freund Bowies, die Rolling-Stones-Legende Mick Jagger. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.02.2012, 14:00 Uhr

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14 Kommentare

adam gretener

07.02.2012, 08:14 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Tja, Herr Knoblauch. Manche Länder gönnen sich eine Monarchin, wir uns die Finanzindustrie. Was teurer und giftiger ist, wird seit ein paar Jahren publik. Ein Jeder kehre erstmal vor der eigenen Tür. Antworten


Max Melchlin

06.02.2012, 23:01 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Naja, jedes Land hat seine Traditionen. Wir haben unseren Unspunnenstein, das Eidgenössische Schwing- und Aelplerfest, das Trachtenfest - und die Olma-Bratwurst. Antworten



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