«Was bleibt einem anderes übrig?»

Peach Weber gehört zur hiesigen Komikerszene wie der Senf zum Cervelat. Morgen zeigt SRF sein neues Programm. Im Interview spricht der Aargauer über «Giacobbo/Müller», Haarausfall und den besten aller Witze.

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Herr Weber, wie lautet der beste Witz, den Sie kennen?
Es gibt nicht «den» besten Witz. Es gibt wahnsinnig viele miserable und ein paar sehr gute. Den folgenden finde ich schön:
Die Ehefrau: «Du bist der grösste Geizkragen, den ich kenne, ich will nicht mehr mit dir verheiratet sein! Hier hast du den Ring zurück!»
«Und wo ist das Etui?»

Erzählen Sie pausenlos Witze? Können Sie nicht anders?
Ich erzähle eigentlich nur ganz wenig Witze. Ich bezeichne es als Gäx. Meistens sind es Wortspiele, kurze Pointen ohne lange Einleitung. Manchmal ist die Pointe mitten im Satz, aber, wenn man sie verpasst hat – kommt schon die nächste. Was ich mache, ist Verbrauchsunterhaltung. Ich lebe davon, möglichst viele Pointen pro Minute abzuschiessen; kurze Erholungspausen sind die Lieder und Gedichte. Die richtige Mischung macht es aus.

Über wen witzeln Sie nie?
Generell gibt es keine Ausnahmen, ausser über Menschen, denen es schon genug schlecht geht. Am liebsten mache ich mich über Leute lustig, die sich selber öffentlich aufplustern und nicht merken, dass ihre «Prominenz» ohne das Wort «Cervelat» inexistent wäre. Ich zähle mich übrigens auch zur Cervelatprominenz, muss also auch damit leben, dass Sprüche über mich gemacht werden.

Kann ein Mann das Attraktivitätsdefizit der Korpulenz mit Humor kompensieren?
Nur, wenn er gleichzeitig seinen androgenetischen Haarausfall mit exzessiver Malerei sublimiert. Oder den antrainierten Phlegmatismus mit geistiger Hyperaktivität.

Kann eine Frau ihre Korpulenz mit Humor kompensieren?
Was bleibt einem anderes übrig? Alkohol und Drogen sind nicht die bessere Lösung. Ausserdem hilft auch Charme und Geist. Aber man kann sich auch einfach seinen Freundeskreis unter Adipösen zusammenstellen, dann wirkt man sofort schlanker.

Arbeiten Sie an sich? Was sind die Konstanten, was die Variablen des peachweberschen Humors?
Als Komiker habe ich bis jetzt gut gelebt mit Konstanz. Die Leute wissen, was sie erwartet, und das bekommen sie auch. Es ist auch keineswegs so, dass ich noch versteckte Talente hätte. Im Job auf der Bühne ist alles drin, was ich kann. Im Leben aber liebe ich die Variablen. Ich bin kein wahnsinnig guter Weit-voraus-Planer, aber ich bin gut und schnell im Reagieren. Wirft mich etwas aus der Bahn, habe ich schnell wieder eine Idee, wie es weitergehen könnte.

Sie sind Primarlehrer und stammen aus dem Aargau. Sind Sie Komiker geworden, um etwas Freude in Ihr Dasein zu bringen?
Nein, der Lehrerberuf war mein Traumberuf und ist es heute noch. Aber wenn man den Beruf ernst nimmt, ist man nach ein paar Jahren etwas ausgelaugt und braucht eine Pause. Diese habe ich gemacht, und da ist mir, durch mehrere Zufälle, die Komikerlaufbahn in die Quere gekommen. Eigentlich war sie von mir nicht bewusst gewollt, sie ist eher passiert. Ich dachte mir, ich könnte das ein paar Jahre machen und dann zurück in die Schule. Aber es lief so gut, dass ich weitermachte. Der grösste Vorteil war nun, dass ich mein eigener Chef war, und das ist mir heute noch das Wichtigste.

Sie wurden nie mit einem wichtigen Kulturpreis ausgezeichnet. Wie kann das sein? Kränkt Sie das?
Im Gegenteil. Ich bin ja wohl der einzige Komiker, der dazu steht, zu 100 Prozent Unterhaltung zu machen. Und da bekommt man halt höchstens den Prix Walo, den habe ich auch mal bekommen. In der Unterhaltung gibt es nur ein legitimes Fachgremium, und das ist das Publikum. Es gibt keine objektiven Kriterien, was lustig ist. Zwar versuchen immer wieder ein paar mittelintelligente Kritiker den Leuten zu erklären, was lustig ist. Das sind aber klägliche Versuche.

Wie gefällt Ihnen «Giacobbo/Müller», die wichtigste Institution der Schweizer Humorszene?
Ich ziehe den Hut, es ist nicht einfach, jede Woche eine solche Sendung auf die Beine zu stellen, Respekt! Etwas Mühe habe ich mit der Bezeichnung «Satiresendung». Es gibt in der Schweiz keine Satiresendung, und in Deutschland kenne ich auch nur eine oder zwei, etwa «Neues aus der Anstalt» oder Sendungen von Dieter Nuhr. Aber die Sendung ist gut gemacht. Es gibt leider keine Konkurrenz dazu. Wenn es sie gäbe, müsste das DRS SF SRF Idée Suisse etwas mehr Initiative und Mut zeigen.

Als «Mister Gaga» sind Sie morgen auf SRF 1 zu sehen – was dürfen die Weber-Aficionados erwarten?
Schlicht und einfach 100 Prozent Peach, nicht mehr und nicht weniger.

Warum «Mister Gaga»? Welche Beziehung haben Sie zu Lady Gaga?
Seinerzeit, als ich den Programmtitel machte, war sie der grosse Superstar. Ich habe mir überlegt, dass ein Mann, der sie heiraten würde, ziemlich viel Humor haben müsste. Da hatte ich das Gefühl, der Titel passe gut zu mir; ich bin manchmal auch ein bisschen «gaga». Wenn ich dann aber Nachrichten höre und Zeitung lese, komme ich mir grausam normal vor.

Sie haben für den 15. Oktober 2027, ein Tag nach Ihrem 75. Geburtstag also, ein Konzert im Hallenstadion angekündigt. Wie läuft der bereits eröffnete Vorverkauf?
Es sind jetzt 6000 Tickets verkauft und ich freue mich, dass die Leute den «Gäg» verstanden haben. Für sehr wenig Geld kann man sich 14 Jahre Vorfreude kaufen, das ist eine Win-win-win-und-noch-einmal-win-Situation! (DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.12.2012, 15:25 Uhr)

Zur Person

Peach Weber (*1952, eigentlich Peter Weber) ist Komiker und Liedermacher. Am 29.12. zeigt SRF 1 um 20.45 Uhr eine Aufnahme seiner neuen Show «Mister Gaga».

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