Saddam Husseins verhängnisvolles Fotoalbum
Den Verfolgern von Saddam Hussein gingen immer wieder Leute aus seiner Entourage ins Netz. Doch von ihm selbst hatte man lange keine Spur. Wie in einem detaillierten Bericht im Onlinemagazin «Slate» zu lesen ist, verdanken die Ermittler die Festnahme des Diktators einem privaten Fotoalbum Saddams, das ihnen mehr oder wenig zufällig in die Hände fiel.
Am 18. Juni 2003 stürmten US-Soldaten eine Farm in Tikrit, wo sie Saddam vermuteten. Dieser war zwar nicht mehr dort, doch die Aktion sollte sich dennoch als äusserst erfolgreich erweisen: Ausser acht Millionen Dollar in Cash und den Juwelen von Saddams Frau, wurde auch ein privates Fotoalbum der Familie Hussein gefunden.
Saddams Erdloch
Neben Familienmitgliedern zeigten die Fotos Bodyguards von Saddam Hussein. Weil sich der flüchtige Diktator nicht mehr auf den Staatsapparat verlassen konnte, war anzunehmen, dass er auf die Hilfe seiner Leibwächter setzte. Von Letzteren umgaben ihn während seiner Regierungszeit stets drei Dutzend. Allerdings waren ihre Identitäten den Amerikanern nicht bekannt. Mit Hilfe des Fotoalbums aber versprach man sich gute Chancen, Saddams Helfer aufzustöbern.
Einer der Bodyguards auf den Fotos, Mohammad Ibrahim Omar al-Musslit, führte die Amerikaner tatsächlich zu Saddam Husseins Versteck: Ein Haus in der Stadt al Dawr. Dort fanden sie im Dezember 2003 den Gesuchten in einem engen, gemauerten Erdloch. Als die Soldaten das Erdloch mit vorgehaltener Waffe inspizierten, habe sich Saddam Hussein ihnen kampflos und müde ergeben.
Wie sich später herausstellte, hatte der Ort eine spezielle Bedeutung für Saddam Hussein. Im Jahr 1959, als er vergeblich versucht hatte, den damaligen irakischen Premierminister zu ermorden, flüchtete er nach al Dawr, bevor er über den Tigris nach Syrien schwamm. Nach seiner Machtergreifung inszenierte er die Überquerung des Flusses jährlich am Tag seiner Flucht. (phz)
Erstellt: 10.03.2010, 10:08 Uhr
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