Merkozy und Bennifer
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 12.01.2012 6 Kommentare
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Ob in Brüssel, Paris oder am Strand von Deauville – Angela Merkel und Nicolas Sarkozy demonstrieren im Kampf gegen den serbelnden Euro demonstrative Einigkeit. Deshalb nennt man sie seit zirka Oktober Merkozy. Aufgetaucht ist die Wortschöpfung zuerst in der Boulevardpresse, später auch in seriösen Blättern. Inzwischen sogar in der NZZ, wobei man dort verschmitzte Anführungszeichen verwendet: «Merkozy».
Lustig daran ist ja eigentlich nicht die Wortschöpfung, sondern das ungleiche Paar. Hier der zappelige Franzose, dort die nüchterne Deutsche. Wahrlich kein klassisches Supercouple, das die Öffentlichkeit mit seiner kumulierten Anmut in seinen Bann zieht. Doch genau von solchen solchen Doppelindividuen stammen die dümmlichen Promiübernamen wie Brangelina oder TomKat natürlich ab.
Singular oder Plural?
Der Linguist nennt solche Wörter «Amalgam» oder «Kofferwort», bekannte Beispiele sind Nescafé (Nestlé/Kaffee), Brunch (Breakfast/Lunch) oder Tanzania (Tanganyika/Zanzibar). Einige von ihnen sind kleine Kunstwerke, wie Michael Endes Buchtitel «Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch». Oder Tina Feys Wort «snart», das sie in ihrer Sitcom «30 Rock» erfand und eine Tätigkeit umschreibt, für die es bisher kein passendes Verb gab: Snart setzt sich aus «fart» (furzen) und «sneeze» (schneuzen) zusammen. Ja, das ist eklig. Aber auch sauwitzig.
Doch Brangelina? Da kann man nur noch den Kopf schütteln. Es geht allerdings noch dümmer. Der schlimmste Amalgam-Name stammt von einem Promipaar, das in seiner Unnatürlichkeit selber ganz schlimm war: Ben Affleck und Jennifer Lopez alias Bennifer. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Bennifer. Klingt wie Hundefutter. Oder ein Zuckerersatz. Ähnlich bescheuert, wenn auch nie den ganz grossen Durchbruch geschafft: Billary (Bill Clinton/Hillary Clinton). Das Üble an diesen Namen ist auch, dass man nicht richtig weiss, ob sie nun im Singular oder Plural konjugiert werden. Heiratet oder heiraten Bennifer? Bei Merkel/Sarkozy herrscht ebenfalls grammatikalische Unsicherheit. In der «Welt» feilen Merkozy am Euro. Auf «ZDF online» trifft sich Merkozy zur Euroberatung.
Das Schweizer Amalgam-Paar
Auch ominös: Wer erhält einen Doppelnamen und warum? Was muss erfüllt sein, dass man die Gnade eines Amalgams erfährt? Bekanntheit? Fantastisches Aussehen? Besondere linguistische Voraussetzungen? Dies zumindest legt der Blick in die Schweiz nahe, wo wir mit Strelanie (Stress/Melanie Winiger) das bisher einzige Paar hatten, das diese Bedingungen erfüllte. Andererseits gibt es genügend internationale Beispiele von Superpaaren, die keinen Übernamen bekamen. Zum Glück! Man stelle sich vor: Neben Brangelina und Merkozy tummelten sich in den Klatschspalten noch Jaybey, Davic oder Fraflo. Da müsste der «Blick» erklärende Fussnoten einführen.
Überhaupt, wo würde das hinführen? Wahrscheinlich dazu, dass sich hundskommune Paare selber Übernamen geben. Das wäre so peinlich, dass es wieder lustig ist. Meine Frau heisst zum Beispiel Agnieszka. Agaphil? Tönt wie eine bärtige Figur aus «Herr der Ringe». Philag? Wie eine Firma. Das bringt wohl nichts. Bonny und Clyde haben sich ja auch nicht Clybo genannt. Und Shakespeare, der Worthexer schlechthin, hätte Romeo und Julia niemals Juleo getauft. Wir sollten uns an ihm ein Beispiel nehmen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.01.2012, 10:20 Uhr
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