Kultur

Internet gegen «Bild»: Eins zu null

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 03.03.2011 12 Kommentare

Dass vorgestern der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zurücktrat – es war massgeblich das Verdienst einer aufsässigen digitalen Öffentlichkeit.

Der Mogel-Minister muss gehen - trotz Verteidigung durch die Bildzeitung. Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Rücktritts-Erklärung.

Der Mogel-Minister muss gehen - trotz Verteidigung durch die Bildzeitung. Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Rücktritts-Erklärung.

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Einst war ja die «Bild»-Zeitung die höchste Mediengewalt im Land. Nach dem Attentat auf Studentenführer Rudi Dutschke 1968 in Berlin beklagte die linke Protestbewegung Hetze: «‹Bild› schoss mit!» Bis in die Neuzeit hielt sich die Macht der Zeitung – die den besagten Minister in der Krise stützte. «Macht keinen guten Mann kaputt. Scheiss auf den Doktor!», fand Starkolumnist Franz Josef Wagner.

Und doch musste Guttenberg, der falsche Doktor, gehen. Er hatte gefordert, man möge doch die Untersuchung seiner Uni abwarten – traditionelle Aussitztaktik. Aber das Netz war zu schnell. Es dauerte nur Tage, das Ausmass des Ideendiebstahls zu dokumentieren. Nach 48 Stunden lieferte die Freiwilligentruppe von «GuttenPlag Wiki» eine Zwischenbilanz: Plagiate auf 247 von 407 Seiten.

Im Netz orchestrierter Doktorandenprotest

Die basisdemokratischen oder auch anarchischen Aktivisten des Internets mit ihrer aufklärerischen Akribie – dieser dynamische Schwarm in der Mediengesellschaft lehrt die Politiker das Fürchten, da er unkontrollierbar ist. Im aktuellen Fall konnte jeder Bürger das Ausmass des Betruges selber überprüfen. Die Empörung vervielfachte sich. Guttenbergs akademische Paten mussten daher auf Distanz gehen, was seinen Abgang ebenso forcierte wie der im Netz orchestrierte Doktorandenprotest.

Wie schwerfällig neben der Guerilla des Internets die alte Pöblerin «Bild» wirkt! Ihre Parole «Neider, Nörgler, Niederschreiber, einfach mal die Klappe halten!» verfing nicht. Die Attacke auf Guttenberg aus dem Netz verstärkte sich. Wo die einen seine wissenschaftlichen Verfehlungen zeigten, machten ihn andere zur Witzfigur, so im Song «Alles nur geklaut», einem Hit auf Youtube. Dem konnte der Minister auf Dauer nicht standhalten. Die digitale Welle ist ein Phänomen, das der Politik zu schaffen macht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.03.2011, 11:34 Uhr

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12 Kommentare

Philippe Meyer

03.03.2011, 11:59 Uhr
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Und das ist auch gut so. Antworten


Bettina Kant

03.03.2011, 13:06 Uhr
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Wenn das Internet «basis-demokratisch» und «anarchistisch» sein soll (was doch sehr euphemistisch ausgdrückt ist), dann ist auch der wütende Mob «basis-demokratisch» und «anarchistisch». M.E. hat sich hier einfach die Selbstgerechtigkeit, die Selbstgefälligkeit und die Empörung Bahn gebrochen. Bald wir der Internet-Mob die nächste Sau durchs Dorf jagen, so wie früher die Bild. Antworten



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