Kultur

«Ich verstehe diese Aufregung nicht»

Interview: Michèle Binswanger. Aktualisiert am 03.03.2011 112 Kommentare

Kinder unter sieben Jahren sollen nicht allein mit dem Trotti unterwegs sein dürfen, fordert das Bundesamt für Strassen – und sorgt für Empörung. Pressesprecher Thomas Rohrbach nimmt Stellung.

Soll Vorschrift werden: Spielen auf Rädern nur noch in Begleitung der Eltern.

Soll Vorschrift werden: Spielen auf Rädern nur noch in Begleitung der Eltern.

Wo dürfen Kinder mit Trottinets spielen?

Kinder dürfen wie bisher mit dem Trottinett spielen. Jetzt und auch in Zukunft dürfen sie auch ohne Aufsicht durch Erwachsene spielen und zwar auf Trottoirs, Fusswegen, Fussgängerzonen und andern für Fussgänger vorgesehenen Verkehrsflächen. Sie dürfen auch auf verkehrsarmen Nebenstrassen (z.B. in Wohnquartieren) unbeaufsichtigt spielen und zwar auf der gesamten Fahrbahn (sie dürfen beim Spielen nur nicht die übrigen Verkehrsteilnehmer behindern oder gefährden).

Einschränkungen für Kinder bestehen nur und zwar heute schon, wenn das Trottinett als Verkehrsmittel verwendet wird, d.h. um vom A nach B zu fahren, z.B. von zu Hause zur Bäckerei. Wenn sie für diese Fahrten die Fahrbahn benutzen (und nicht bloss auf dem Trottoir fahren), müssen die Kinder mindestens 7 Jahre alt oder von einer erwachsenen Person begleitet sein.

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Warum wollen Sie den Kindern das Trotti wegnehmen?
Wir Bösen! Aber das wollen wir ja gar nicht. Es geht lediglich darum, eine 50-jährige Verkehrsverordnung zu entschlacken. Die aktuelle Verordnung unterscheidet noch zwischen Fussgängern und fahrzeugähnlichen Geräten. Wir schlagen vor, dass die Trottinettfahrer gleich behandelt werden wie die Fussgänger.

Dann dürfen Kinder unter sieben Jahren nicht ohne Begleitung Erwachsener unterwegs sein?
Das ist bereits heute so, dass sich Kinder im vorschulpflichtigen Alter nur auf bezeichneten Flächen usw. ohne Eltern aufhalten dürfen. Was jetzt zur Debatte steht, ist, die Bezeichnung «im vorschulpflichtigen Alter» zu ändern hin zu «Kinder unter sieben Jahren».

Das ist heute schon so? Wenn ich also mein sechseinhalbjähriges Kind allein in den Kindergarten schicke, mache ich mich strafbar?
Nein, wenn es zu Fuss ist nicht. Nur wenn es auf dem Trotti ist. Aber es geht doch um die Frage: Wollen wir Vierjährige allein an einer viel befahrenen Strasse spielen lassen?

Welche Eltern machen so etwas?
Ich hoffe niemand, aber…

Sie hoffen – aber gibt es da Zahlen? Auf welcher Grundlage wird so etwas beschlossen?
Ich verstehe diese Aufregung nicht, es wird effektiv nur ein einziger Begriff geändert. Im Moment läuft eine Anhörung. Wir machen ja nur einen Vorschlag und stellen ihn zur Diskussion und werten dann die Stellungnahmen aus.

Wie will man das überhaupt durchsetzen? Kommen dann da Polizisten und verteilen den Knirpsen Bussen?
Machen sie das heute vielleicht?

Ich habe noch nie davon gehört oder gesehen, dass ein Polizist einen Kindergärtner wegen des Trottis gebüsst hat. Warum stellt man Regeln auf, wenn man sie nicht durchsetzen will?
Wenn man davon ausgeht, dass die meisten Eltern vernünftig handeln, dann ist diese Regelung doch keine Katastrophe. Aber es gibt vielleicht mal eine Situation, in der es gut ist, dass man diese Regel hat. Es braucht nur zwei schwere Unfälle mit Kindern, und schon stehen wir unter Beschuss, dann heisst es: Jetzt ist ein Dreijähriger mit dem Trotti über eine vierspurige Strasse gefahren. Warum regelt ihr das nicht?

Ihr Bundesamt will sich also vor allem dagegen absichern, kritisiert zu werden dafür, dass es noch Risiken gibt im Leben?
Wir haben den Auftrag, uns Gedanken zu machen um die Verkehrssicherheit, und tatsächlich passiert ja sehr wenig. Nicht zuletzt deshalb vielleicht, weil es diese Regelung eben bereits gibt. Wie sie durchgesetzt wird, liegt im Ermessen der Polizei. Aber man kann eine solche Regel ja mit Augenmass abhandeln…

Ich frage mich, warum Ihre Behörde die Eltern wie Kinder behandelt, wenn es keine Missstände gibt. Warum überlässt man das nicht der Verantwortung der Eltern?
Aber es kommt ja gar nichts Neues hinzu.

Sie behandeln uns also jetzt schon wie Kinder?
Ja.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.03.2011, 13:43 Uhr

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112 Kommentare

Christian Keller

03.03.2011, 08:51 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Endlich! Diese bergab mit über 30kmh rasenden KickboardKinder sind mir sogar als Buspassagier ein Horror. Antworten


Werner Bürki

03.03.2011, 15:59 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Warum muss man Gesetze machen? Ganz einfach, es gibt Eltern die ihre Kids auch gut im Griff haben und ihnen auch erklären wie man sich auf der Strasse und anderswo verhält. Gott sei dank gibts solche Eltern. Aber wegen den anderen müssen einfach Gesetze geschaffen werden, weil diese nicht wissen wie sich die Kids verhalten müssen. Man hört immer das gleiche: spielt doch keine rolle od. änlich. Antworten



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