Kultur

«Humor ist keine zwingende Voraussetzung»

Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 04.02.2011 3 Kommentare

Nadine Borter ist Werberin des Jahres 2011 – die zweite Frau in Folge. Die 35-Jährige über weibliche, wirksame und witzige Werbung.

«Ob Mann oder Frau, spielt keine Rolle»: Die 35-jährige Walliserin Nadine Borter ist Chefin der Berner Werbeagentur Contexta und Werberin des Jahres 2011.

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Frau Borter, Sie sind mit 35 Jahren bereits Agenturchefin und Werberin des Jahres. Wie haben Sie das verdient?
Das ist schwer zu sagen. Die Auszeichnung sehe ich als Bestätigung für meine Arbeit und die der Agentur, als Zeichen des Vertrauens unserer Kunden, einfach als Dank für die geleistete Arbeit.

Was machen Sie besser als die Konkurrenz?
Keine Ahnung. Ich weiss gar nicht, ob wir überhaupt etwas besser machen. Wir sind schlicht ein eingeschweisstes Team, das mit Leidenschaft und Herzblut am Werk ist.

Sie haben eine steile Karriere hingelegt: Vor 16 Jahren fingen Sie bei Contexta als Junior-Werbeassistentin an, heute sind Sie Chefin der Agentur.
Es ist eine spannende Geschichte, welche unsere 42-jährige Agentur erlebt hat. Ich kann sicher sagen, dass ich mit dem Unternehmen gewachsen bin. Bis ich mich bereit fühlte, auch unternehmerische Fragen anzugehen.

Es ist sehr gut für Sie gelaufen.
Geradezu perfekt.

Vor Ihnen war Regula Fecker Werberin des Jahres. Wie kommt es, dass gleich zwei Frauen in Folge diese Auszeichnung erlangen?
Es gibt viele tolle Frauen in der Werbung. Ich sehe unsere Auszeichnung als Botschaft für all diese Frauen, mit ihrem Engagement weiterzumachen.

Machen Frauen andere Werbung als Männer?
Nein. Ob Mann oder Frau für eine Werbung verantwortlich ist, spielt keine Rolle. Viel wichtiger sind harte Arbeit, Disziplin, Verantwortung und Spass an der Sache.

Muss Werbung heute angesichts der Möglichkeiten durch Internet und Mobiltelefonie anders aussehen als früher?
Die Werbebranche erfuhr über all die Jahre immer wieder neue Trends. Lösungen in der Kommunikation zu suchen, ist darum sicherlich eine komplexe Aufgabe, für die es ausgebildete Leute braucht. Klar, nimmt beispielsweise die Dialog-Werbung zu. Ich sehe das aber eher als Ergänzung zur herkömmlichen Werbung denn als Ablösung. Eine neue Machart entsteht dadurch nicht. Wir lernen lediglich, mit den neuen Disziplinen zu spielen.

Das klingt fast zu simpel.
Es wird immer darum gehen, die Zielgruppe verstehen zu können, die richtige Tonalität und den richtigen Kanal zu finden. Das System bleibt grundsätzlich gleich.

Die ausgezeichneten Kampagnen des letzten Jahres arbeiten allesamt mit Humor. Wie wichtig ist Witz in der Werbung?
Humor kann als Stilmittel sehr gut funktionieren, aber es ist keine zwingende Voraussetzung dafür, dass Werbung ankommt. Nehmen wir als Beispiel die SMS-Kampagne von Sunrise: Klar ist sie witzig, aber vor allem sind es doch kleine alltägliche und authentische Geschichten.

Gibt es auch Dinge, die Sie an Ihrer Branche nicht mögen?
Nein. Was ich nicht mag, mache ich nicht mit.

Die Werbebranche befindet sich doch aber in einer Krise, wie die Medienbranche auch.
Es stimmt, dass wir schnell Budgets streichen müssen, wenn es der Wirtschaft schlecht geht. Andererseits sind wir auch die Ersten, die einen Anstieg spüren.

Was muss ein junger Mensch tun, der 2025 Werber des Jahres sein möchte?
In einer Werbeagentur arbeiten und die Herausforderungen meistern, die sich ihm da bieten. Agenturen sind ständig auf der Suche nach talentiertem Nachwuchs. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.02.2011, 14:12 Uhr

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3 Kommentare

Thomas Läubli Peter

05.02.2011, 16:54 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Was ist an Werbung so speziell und arbeitsintensiv, dass man eine Auszeichnung dafür verdient? Das ist wieder nur eine hübsche Selbstbespiegelung wie auch der Journalisten-Preis - mehr nicht. Antworten


Patrick Merz

04.02.2011, 23:52 Uhr
Melden

"die zweite Frau in Folge" ... also da kratzt man sich schon am Kopf angesichts der offensichtlichen Verwunderung, die der Journalist ob dieser Tatsache an den Tag legt. "Boaah, zweimal hintereinander ein FRAU? Wie kommt das?" Ziemlich peinliche Frage ... Wieso sollten nicht zwei Frauen oder zehn Frauen hintereinander diese Auszeichung gewinnen? Es geht um berufliche Leistung, nicht um Geschlecht Antworten



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