Hau den Köppel
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 11.02.2011 85 Kommentare
Streitgespräch im Radio
Morgen Samstag um 10 Uhr wird das Streitgespräch zwischen Roger Köppel und Giovanni di Lorenzo auf «DRS 4 Talk» ausgestrahlt.
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«Wie bissig ist er noch, der Wachhund der Demokratie? In Zeiten, in denen der Journalismus in der Krise steckt, die Leser – und mit ihnen die Anzeigen – ins Internet abwandern und den Printmedien das Geld fehlt für die Recherche?» Das wäre das eigentliche Thema des gestrigen Streitgesprächs im Zürcher Schauspielhaus gewesen. Geladen waren der «Weltwoche»-Chef Roger Köppel und der Chefredaktor der «Zeit», Giovanni di Lorenzo.
«Gibt es bald ein Badesalz von der ‹Zeit›?»
Leider stellte der Moderator Lukas Bärfuss nur am Anfang ein, zwei Fragen zum Thema und schürte damit die Hoffnung auf ein wirkliches Streitgespräch. «Gibt es bald ein Badesalz von der ‹Zeit›?», wollte er etwa von Giovanni di Lorenzo wissen. Dies als Seitenhieb auf die aktuelle Ausgabe, die voller Eigeninserate für irgendwelche «Zeit»-Veranstaltungen, «Zeit»-CDs oder «Zeit»-Buchreihen steckt. Und Roger Köppel fragte er in Bezug auf die aktuelle «Weltwoche»: «Ist das noch seriös, wenn einer wie Engeler drei Artikel schreibt?»
Dann war es jedoch aus mit dem eigentlichen Thema. Denn Lukas Bärfuss wollte von Roger Köppel wissen: «Was ist an Ihrer Meinung so relevant, dass sie zuvorderst in der Zeitung stehen muss?», und eröffnete damit Runde eins in der Serie «Schlag den Köppel». Die Frage war doppelt überflüssig, ist es doch Sinn eines Editorials, dass der Chefredaktor darin seinen Senf dazugibt.
Lochness und König Arthur
Ab hier ging es eigentlich nur noch um die «Weltwoche», das «unbequeme staatskritische Blatt», so Köppels Definition, das deutsch und deutlich seine Meinung sage und sich abseits des Mainstreams bewege, ganz anders als «Die Zeit». Dies brachte di Lorenzo gleich zum ersten Mal in Rage. «Dieses David-gegen-Goliath-Getue geht mir auf die Nerven», enervierte er sich. Das Credo der «Weltwoche», als einziges Blatt Tabus brechen zu wollen, sei die «grösste Legendenbildung seit Lochness». Es sei so voraussehbar, dass die Zeitschrift immer die Gegenposition zu allen anderen einnehme. Ausserdem solle sie lieber der Wirtschaft auf die Finger schauen, statt Politiker schon auf dem Titelblatt blosszustellen, teils unterhalb der Gürtellinie.
Das wiederum animierte Köppel dazu, eins auf di Lorenzos «Lochness» draufzusetzen: «Die grösste Legendenbildung seit König Arthus ist es, den Schulterschluss von Journalisten und Politikern zu leugnen.» Der Staat habe ein Monopol und es sei die Aufgabe der Journalisten, dies kritisch zu hinterfragen. Ganz im Gegensatz zur Wirtschaft, wo der Wettbewerb herrsche. «Da verschlägt es sogar mir die Sprache», so di Lorenzo. Es gebe eine Glaubenskrise, weil das Gerechtigkeitsempfinden der Leute zutiefst gestört worden sei. Dies, seitdem das Leistungsprinzip ausser Acht sei und jemand, der furchtbare Dinge getan habe, auch noch grosse Abfindungen kassiere. Der Applaus des Publikums war ihm sicher. Köppel dagegen schaffte es gestern Abend bloss auf drei oder vier applaudierende Fans. Das war nach Lukas Bärfuss' Editorial-Frage vorhersehbar gewesen. Und genau das war es, was sich die beiden Kontrahenten gegenseitig bezüglich ihrer Blätter vorwarfen: Vorhersehbarkeit.
Köppel in der Falle
Giovanni di Lorenzo sprach die ganze Zeit mit ruhiger Stimme, aber spitzer Zunge. Und Köppel? Der steckte di Lorenzos Pfeile meist so regungslos ein wie eine Zielscheibe beim Dart. K. o. ging Köppel deswegen jedoch nicht: Die SVP und die «Weltwoche» sei ein beliebtes Thema, wie sich wieder einmal zeige, meinte er, ohne sich sichtbar aufzuregen. Er könne jedoch nicht verstehen, weshalb immer darauf herum gehackt werde. «Hören Sie auf mit der ‹Armer Roger›-Leier. Sie sind kein Märtyrer, Sie sind begünstigt und privilegiert.» Der Applaus war Giovanni di Lorenzo einmal mehr sicher. Als Lukas Bärfuss dann noch auf die Empfindlichkeit von Köppel zu sprechen kam, weil er gegen die NZZ wegen Rufschädigung vor Gericht gehe, war dieser definitiv in der Falle, aus der er trotz Erklärungsversuchen wohl nicht mehr heraus gekommen wäre, wenn Lukas Bärfuss ihn und den Abend nach 90 Minuten nicht abgeklemmt hätte. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.02.2011, 09:53 Uhr
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85 Kommentare
Ein MUSTERBEISPIEL, wie das aktuelle Thema "Journalismus in der Krise" manipuliert wird durch
"Bewährte anzuwendende Formen der Zersetzung". Details siehe Google: "Richtlinie 1/76" des
ehemaligen DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (STASI).
für die Diskreditierung des öffentlichen Rufes, des Ansehens und des Prestiges missbraucht wird
Antworten
@ steve walker: Sogar Köppel hat nun bemerkt, dass man mit 29% keinen 100% Umsatz erreicht, er möchte auf vielen Hochzeiten tanzen, das kann auf die Dauer nicht gutgehen. Verkauft wird dann alles unter 'Pressefreiheit' und 'Journalistischer Vielfalt', aber das einfältige braune Süppchen, das vorneweg schwimmt, vergiftet nur den Fluss, bevor es selber bachab geht. Antworten
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