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Linus Schöpfer
Redaktor Kultur


Geheilt wie Alex

Aktualisiert am 18.04.2012 8 Kommentare

Ein Psychologe will Schwerstverbrechern wie Anders Breivik Angst beibringen. Sein Ziel wurde bereits im Roman «A Clockwork Orange» formuliert: Die medizinisch-automatische Blockade von Gewalttaten.

1/5 Bei der Vorführung grässlicher Bilder entwickelt Alex plötzlich Angstgefühle: Szene aus Kubricks Adaption von «A Clockwork Orange» (1971).
Clockwork Orange

   

Niels Birbaumer (*1945) ist studierter Psychologe und Neurobiologe. Seit 1975 ist er Professor an der Uni Tübingen, wo er das Institute of Medical Psychology and Behavioral Neurobiology leitet. (Bild: Uni Tübingen)

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«Doch, das würde ich in Erwägung ziehen», sagt Peter Schaber, seines Zeichens Professor für Philosophie an der Uni Zürich gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Schaber, der den Lehrstuhl für Angewandte Ethik innehat, spricht von der Ludovico-Methode, einer Erfindung des britischen Romanciers Anthony Burgess. In Burgess' berühmtestem Werk, «A Clockwork Orange» (1962), wird der schwerkriminelle Protagonist Alex nur deshalb aus dem Gefängnis entlassen, weil er sich ebendieser Ludovico-Behandlung unterzieht: Er wird so konditioniert, dass er in Situationen, die ihn zu einer Gewalttat verleiten könnten, extreme Übelkeit empfindet (am Filmende ist Alex «von der Heilung geheilt» und ein Verbrecher wie zuvor). «Diese Methode hätte den Vorteil, dass die unbescholtenen Mitglieder der Gesellschaft vor notorischen Schwerstverbrechern geschützt und gleichzeitig die Grundrechte des Delinquenten gewahrt würden», erklärt Schaber. «Eine Methode, die lediglich Übelkeit hervorruft und vom Betroffenen willentlich bejaht wurde, ist nach meinem Dafürhalten vertretbar.»

Ausbleibende Furchtreaktionen

Vielleicht wird die Sciencefiction aus «A Clockwork Orange» bald schon Realität, die Theorie bald Praxis: Niels Birbaumer, renommierter Psychologie-Professor der Uni Tübingen, schickt sich nämlich an, die Ludovico-Methode zu verwirklichen – in leicht gewandelter Form. Birbaumer unterzog psychopathische Schwerverbrecher einem Gehirn-Scanning und stellte in der Folge fest, dass diese Verbrecher – im Gegensatz zu Normalbürgern – keine Furchtreaktionen zeigten, wenn er ihnen grauenvolle Fotos zur Besichtigung vorlegte (siehe Beitrag im «Tages-Anzeiger» von letzter Woche).

«Verhalten hat stets auch Wurzeln im Gehirn», sagt Birbaumer. Sein erklärtes Ziel ist es nun, den Verbrechern Angst einzuflössen, ihnen Angstzustände beizubringen. Ein Thermometeranzeiger veranschaulicht den Probanden, wie sehr sie während des Experiments die Angstregionen stimulieren; indem sie sich bemühen, den Anzeiger hochzutreiben, trainieren sie sich die eigentlich natürlichen Angstgefühle an.

Birbaumer warnt

Eine verwirklichte Ludovico-Methode eröffne den Gewalttätern eine völlig neue Perspektive, erklärt Ethik-Professor Schaber. Mit ihr verfügten sie plötzlich über die Möglichkeit, unter verschiedenen Lebensentwürfen zu wählen.

Ob dereinst die Entlassung eines auf diese Weise manipulierten Schwerstverbrechers vor der Gesellschaft verantwortet werden kann, bleibt allerdings bis auf weiteres zweifelhaft. Birbaumer, der sich seit Jahren mit der revolutionären Biofeedback-Therapie beschäftigt, warnt selbst vor überzogenen Erwartungen. «Das alles steht bisher auf wackligen Füssen», sagte er unlängst gegenüber der Wochenzeitung «Die Zeit».

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.04.2012, 13:48 Uhr

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8 Kommentare

Mario Monaro

18.04.2012, 15:29 Uhr
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Aber gerade im Film Clockwork Orange wird doch gezeigt, dass ein Mensch, der Gewalt ausüben will und es nicht kann auch kein Mensch mehr ist. Er kann sich nicht mehr zwischen gut und böse entscheiden. Er ist nur noch eine "Orange mit einem Uhrwerk". Gewalttäter wegsperren ja, sie zu Zombies machen, na ich weiss nicht... Antworten


Philipp Rittermann

18.04.2012, 14:00 Uhr
Melden 4 Empfehlung 0

der "clockwork-orange-effekt" zieht nur dann, wann beim "patienten" ein kausales furchterlebnis eingeimpft wird. furcht als emotionale barriere existiert aber noch lange nicht bei jedem delinquenten. trotzdem - intressanter ansatz. Ich bevorzuge in diesen fällen den exorzismus, da er sich konzentriert auf der ganzen bandbreite einsetzen lässt. Antworten



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