Kultur

Drohungen, Rekurse, Beschwerden: Kulturleute auf Subventionsjagd

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 17.08.2009 50 Kommentare

Um sich staatliche Fördergelder zu sichern, greifen Kulturschaffende auch zu rabiaten Mitteln. Das Gezänk um die Filmförderung ist nur die Spitze des Eisbergs.

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Dorfposse: Regisseur Samir deckt am Filmfestival Locarno das Bundesamt für Kultur mit Vorwürfen ein. Er fühlt sich bei der Vergabe übergangen.
Bild: Keystone

   

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Zwei Filmproduzentenverbände haben vor einigen Wochen eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Filmförderung des Bundes eingereicht. Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Von Vetternwirtschaft ist die Rede, von Intransparenz und der Verschleppung von Verfahren. Unabhängig davon, ob die Kritik berechtigt ist: Die Aufsichtsbeschwerde stammt mehrheitlich von Leuten, denen in den letzten Jahren Projekte abgelehnt wurden. Der grösste Polterer gegen die nationale Filmförderung, der Regisseur und Produzent Samir, stand mit seiner Produktionsfirma Dschoint Ventschr kurz vor dem Konkurs, nachdem einige seiner Eingaben von der Filmförderung zurückgewiesen wurden.

Andere Regisseure distanzieren sich von den Vorwürfen. Dass es sich dabei vorwiegend um jene Akteure handelt, die in den letzten Jahren vom Fördergeld profitiert haben, versteht sich von selbst. Zum Beispiel Michael Steiner. Er wurde bei seinem letzten Projekt «Sennentuntschi» mit dem Maximalbetrag von einer Million Franken unterstützt, um den Film zu retten ist er auf weitere Zuschüsse des Bundes angewiesen.

Der Vorwurf der Befangenheit ist bei der Schweizer Kulturförderung immanent, nicht nur beim Film. In den jeweiligen Fachgebieten kennt jeder kennt jeden, ein Expertengremium zu bilden, das die Projekte beurteilen kann und mit niemandem verbandelt ist, ist kaum möglich. Entsprechend ist «Vetternwirtschaft» meist auch das erste Wort das fällt, wenn sich jemand benachteiligt fühlt.

Langer Forderungskatalog

So offen und gehässig wie beim Film wird der Kampf um Subventionen in anderen Kulturbereichen selten ausgetragen. Kleiner ist die Anspruchshaltung deswegen nicht. Zum Beispiel in der Buchbranche: Dort kämpft man nicht nur seit Jahren für den Erhalt des Preis-Kartells, auch sonst ruft man gerne nach Staatshilfe. So instrumentalisierte man kurzerhand die Ankündigung, der Ammann Verlag werde schliessen, um nach mehr Subventionen zu rufen.

Der Forderungskatalog der Branchenorganisation Swips ist nicht zu knapp ausgefallen: Sie verlangt nebst einer direkten Förderung von Buchverlagen «eine systematische Politik von Buchankäufen durch die öffentliche Hand, Exportförderung, zusätzliche Übersetzungsförderung in die eigene und in andere Sprachen sowie Massnahmen zugunsten von Buchhandlungen». Geht es darum, Forderungen anzubringen, ist sich die Branche rasch einig. Wenn das Geld dann fliesst, ist Schluss mit der Harmonie. Zuletzt protestierten einige Exponenten der Swips vehement gegen die Vergabe der Pro-Helvetia-Verlagsprämien. Der damalige Swips-Präsident Ricco Bilger versuchte zu beschwichtigen - sein Verlag war bei der Vergabe berücksichtigt worden.

Geld her oder ich gehe

Selbst international anerkannte Künstler halten sich nicht zurück, ihre Ansprüche in aller Öffentlichkeit geltend machen. Pipilotti Rist drohte 2007 dem Kanton St. Gallen, sie lehne den ihr zugesprochene St. Galler Kulturpreis ab, weil das Kantonsparlament ihr eine Subvention von 300'000 Franken für ihren Film «Pepperminta» verweigerte. Den Preis nahm sie dann schlussendlich doch an – er war mit 30'000 Franken dotiert.

Erfolgreicher war da Alexander Pereira, Direktor des Zürcher Opernhauses. 2005 machte er seinen Verbleib in Zürich davon abhängig, dass der Kanton eine Subventionskürzung von zwei Millionen Franken rückgängig macht. Der Kanton lenkte ein, Pereira lehnte ein Jobangebot der Mailänder Scala ab. Bei Christoph Marthaler als Direktor des Zürcher Schauspielhauses nahm eine ähnliche Situation einen anderen Ausgang. Da der umstrittene Theatermacher nach dem Wegfall einer kantonalen Zusatzleistung mit einem um 2,5 Millionen Franken reduzierten Budget hätte auskommen müssen, traten er und sein Team 2004 ein Jahr vor Vertragsende zurück. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2009, 10:33 Uhr

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50 Kommentare

Heinzmann Rolf

17.08.2009, 11:26 Uhr
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Die Kulturschaffenden sollten besser etwas weniger arrogant auftreten und dankbar sein, dass sie überhaupt etwas bekommen. Denn wenn ihre Kultur gut genug wäre, dann bräuchten sie auch keine Subventionen. Denn es gibt Staatsaufgaben die ein MUSS sind, und solche die ein KANN sind. Kultur gehört zum KANN. Antworten


Urs Wigoltinger

17.08.2009, 11:25 Uhr
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@Camenzind: Ihrem Votum kann ich mich nur anschliessen. Wenn ich sehe was heute als "Kultur" durchgeht frage ich mich schon. Das Problem beim höheren Entgelt ist halt dass sich nur noch gut verdienende Leute Kultur leisten können. Aber oft wird ja Kultur eher von gut gebildeten und damit besser verdienenden Leuten konsumiert. ;-) Antworten



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