«Die Politiker werden nackter, aber nicht intelligenter»
Interview: Michèle Binswanger. Aktualisiert am 07.07.2011 44 Kommentare
Nackte Tatsachen: Das Plakat, das für Aufregung sorgt.
Was hält die Bevölkerung von der nackten FDP-Politikerin? DerBund.ch/Newsnet hat nachgefragt. (Video: Jan Derrer, Lucienne-Camille Vaudan)
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Was halten Sie als Kommunikationsfachmann von dieser Kampagne?
Ich bin absolut schockiert von diesem Bild. Von der Generalsekretärin der FDP-Frauen wünsche ich mir, dass sie sich inhaltlich äussert. Davon habe ich von ihr im letzten Jahr zu wenig gehört. Und diese Mode der letzten Jahre, sich oben ohne und nackt zu präsentieren, ist für mich ein Niedergang der Demokratie und ein Niedergang der FDP.
Analysieren wir es etwas genauer: Wie finden Sie den Slogan?
Er ist zu intellektuell. «Nie mehr oben ohne» - dass sich das auf die Frauen bezieht, die oben Karriere machen wollen, ist auf den ersten Blick nicht verständlich. Der Slogan ist zu verspielt, was sich übrigens von der ganzen FDP-Werbung sagen lässt. Damit kann man heute keine Wahlen mehr gewinnen. Ich bin der Meinung, dass das zu einem Reputationsschaden führt, einmal für die Frau, aber vor allem für die FDP. Die wird nicht mehr ernst genommen.
Jungpolitiker setzen ja schon länger auf nackte Haut, Bastien Girod zog sich für die Grünen aus, Schwitzguébel für die SVP – ist dieser Trend nun im bürgerlichen Polit-Establishment angekommen? Man setzt heute das erotische Kapital viel bewusster ein als noch vor 20 Jahren. Die Sexualisierung unserer Gesellschaft geht weiter, die bürgerliche Gesellschaft löst sich auf. Das hängt mit dem ökonomischen und politischen Wettbewerb zusammen, man sucht Aufmerksamkeit. Aber die nützt nichts, wenn dahinter kein Inhalt steht. In der Tendenz würde ich sagen: Die Politiker werden nackter, aber nicht unbedingt intelligenter.
Aufmerksamkeit hat die Kampagne ja erreicht. Muss die FDP nun trotzdem mit einem Reputationsschaden rechnen?
Ich kenne die Schweiz auswendig. Bei den ernst zu nehmenden Leuten, die das Land führen, wirkt das nicht positiv. Ich hätte ja gerne erfahren, was die FDP-Frauen genau machen. Die Forderung allein, dass sie nach oben wollen, ist ein völliger Blödsinn. Wer leistet, der kommt in der Gesellschaft auch nach oben, dafür muss er sich nicht ausziehen.
Machen solche Sachen eigentlich nur Frauen? So wie die «Girls», die sich für den «Blick» ausziehen?
Sie wollte sich wahrscheinlich auch einmal auf einer Titelseite präsentieren und wahrscheinlich hat sie es versäumt, sich beim Blick anzumelden. Das hätte sie besser so gelöst.
Was bedeutet das für die FDP?
Ein weiterer Schaden. Wenn man Inhalte hat, darf man durchaus auch etwas exzentrisch auftreten, aber wenn da eine oben ohne kommt, will ich wissen, was die will. Aber das erfahre ich nicht.
Sie haben mal gesagt «Wer sich profiliert, wer stört, kommt vorwärts». Ist das hier nicht der Fall?
Es muss einfach Substanz dahinter sein. Im Moment, da ich einen Vorstoss von solcher Radikalität in die Gesellschaft mache, muss ich sofort liefern. Sie müsste in den nächsten zehn Tagen mit einem zweiten Plakat kommen, das ihre Inhalte benennt. Dann würde ich sagen: Okay, du warst mutig. Aber: You get what you see. Was ich jetzt sehe, ist mangelnde Substanz.
Man könnte es also auch ins Positive wenden?
Ja, man könnte, aber man muss es auch tun. Bis jetzt sehe ich das als Verzweiflungsaktion. Vielleicht hat sie auch ein glatter Werbeberater überzeugt, die FDP hat ja seit vier Jahren auch keine besonders glückliche Werbeberatung. Wenn sie ihre nackten Frauenbrigaden einsetzen wollen, sollen sie das tun, aber ich will auch den Inhalt sehen.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.07.2011, 15:07 Uhr
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44 Kommentare
ein Schlag gegen Emanzipation, die richtige. Jahrzehnte lang haben Frauen gekämpft um Karriere machen zu können weil sie etwas im Gehirn haben-
dieses Plakat setzt uns zurück in die Zeit wo Karriere "mit dem Boss ins Bett" gleichgestellt wurde.
Ich bin schockiert, empört- so eine Schande und Blamage.
Die Schweizer Parteien haben zur Zeit schlimmere Propaganda als die Amis, das will etwas heissen
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Man kann sagen, was man will - aber Aufmerksamkeit hat die Aktion zweifelsohne erreicht! Und hässlich ist Frau Esseiva auch nicht. Mir ist das Plakat zumindest sympatischer als so mancher schleimig grinsende Anzugsträger.
Und wer um Gottes Willen ist auf die Idee gekommen, ausgerechnet Klaus Stöhlker dazu zu befragen???
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