Deutschland vor, bloss kein Tor!
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 08.06.2010 132 Kommentare
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Bald ist WM. Wie immer wird die Schweiz in der Vorrunde oder im Achtelfinal ausscheiden, während Deutschland mindestens den Halbfinal erreicht. Und wie immer wird das Publikum in hiesigen Fussball-Bars mit einer beeindruckend geschlossenen Mannschaftsleistung johlend die Gegner Deutschlands unterstützen. Dieses Jahr vielleicht sogar ein bisschen lauter als sonst. Schnappen uns die Deutschen doch gerade die Jobs weg und infiltrieren obendrein den Mittelstand.
Allein, wir sind seit Jahrzehnten gegen die Deutschen. Weil sie besser sind? Ein unbequemer Gedanke. Schliesslich will man kein Kleingeist sein. Doch man kennt das Phänomen von Erfolgsclubs wie Bayern München oder (einst) GC. Nach jahrelangen Siegesserien kommen gegnerische Fans ins Stadion, in der Hoffnung, die Übermannschaft verlieren zu sehen. Es ist der Neid der Hablosen.
Vielleicht mal ein Stratege
Ein anderer grosser Deutschland-Widersacher heisst England. Immer, wenn die beiden Fussballnationen aufeinander treffen, überschlagen sich britische Zeitungen mit Wortspielen: «Let's Blitz Fritz» zum Beispiel. Und eben erst bezeichnete die «Daily Mail» das schwarze WM-Ausweichtrikot der deutschen Nationalelf als «Nazi-Stil». Es wecke Erinnerungen an die SS.
Das ist geschmacklos, aber historisch nachvollziehbar. Doch auch in Stockholm, Barcelona, Moskau und wahrscheinlich auch in Brisbane schlagen sich die Zuschauer auf die Seite von Deutschlands Gegnern. Liegts am deutschen Spiel, das inhärent auf Kampf und Disziplin beruht? Das den elegant dribbelnden Widersacher wie ein, nun, Panzer platt macht? Sagen wir es mal so: Tatsächlich bringt jedes Fussball-Land ab und zu einen begnadeten Techniker hervor. Messi, Rooney, Ronaldo, Robben, Ribéry und wie sie alle heissen. Aber Deutschland? Vielleicht mal ein Stratege wie Beckenbauer oder Netzer. Alle paar Jahrzehnte. Sonst halt mehr oder weniger verbissene Chrampfer.
Deutschlands Trost
Doch Fairplay! Wenn bald die Schweiz aufläuft, kämpfen die nicht-schweizerischen Zuschauer ziemlich sicher mit Gähnreflexen. Sowieso: Es gibt Mannschaften, die ein Fussballspiel effizienter zu zerstören wissen als Deutschland. Zum Beispiel Italien. Trotzdem mag man die blaue Truppe (Faulheit ist cooler als Tüchtigkeit). Und trotzdem werden die Trauerspiele der Schweizer Mannschaft international wohlwollend zur Kenntnis genommen (gerade von den Deutschen).
Die deutsche Mannschaft ist jedoch - Sommermärchen hin oder her - längst zu einer Projektionsfläche für alles geworden, was im Fussball als hässlich empfunden wird. Siegeswillen. Ausdauer. Glück. Fouls. Penaltys. Brüllende Torhüter. Ob das überhaupt noch zutrifft (tut es nur bedingt), ist nebensächlich. Symbole brauchen keine Begründungen und folgen weder Logik noch Analysen. Man mag sich als Deutscher damit trösten, dass man auf der ewigen WM-Rangliste an zweiter Stelle liegt. Oder dass die deutsche Nationalelf in Japan gut ankommt. Allerdings haben die Japaner ihre Schuluniformen auch nach preussischen Militäruniformen entworfen. Nun. Bald ist WM – da werden statt Klischees Bälle gedroschen. Mal sehen, von wem. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.06.2010, 10:09 Uhr
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132 Kommentare
Tja, warum ist wohl ausgerechnet die Schweiz so sehr gegen die deutsche Elf? Und dies mehr als andere Länder? Ganz einfach: seit Kindesbeinen sind wir durch die deutschen MEDIEN geprägt. Z.B. 1-2 Schweizer TV Sender gegen 12-15 Deutsche! Wir sind also gezeichnet von Zitaten wie: "Es wird uns über Jahrzehnte keiner das Wasser reichen können" oder "macht nix wir sind ja Weltmeister" (bei Wimbledon!) Antworten
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