Der Traum des neuen Stadttheater-Direktors
Von Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 20.10.2011
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Spendefreudige Gesellschaft
Auf Initiative des Theaterdirektors Walter Oberer wurde 1961 die Gesellschaft Freunde des Stadttheaters Berns gegründet. Gut 3 Millionen Franken hat die Organisation in den letzten 50 Jahren dem Theater gespendet. Zuletzt waren es jeweils 100 000 Franken jährlich. Künftig wird es laut Beat Luginbühl, Präsident der Gesellschaft, weniger sein, weil sich in der Ära Marc Adam die Zahl der Mitglieder fast halbiert hat. Heute sind es noch knapp 400. Die Gesellschaft übernimmt jeweils in jeder Sparte für eine Aufführung das Patronat. Weiter bietet sie Einführungen und Besuche hinter die Kulissen an und organisiert Musikreisen. Im Jubiläumsjahr ist die Homepage überarbeitet worden: Mit einem attraktiveren Erscheinungsbild soll auch ein jüngeres Publikum angesprochen werden. (bnb)
Stephan Märki, der neue Direktor des Berner Stadttheaters, ist sichtlich gerührt über das Geschenk: Ein nigelnagelneuer, glänzender Stutz-Flügel steht auf der Bühne. Es ist nicht der erste Flügel, den die Gesellschaft der Freunde des Stadttheaters schenkt, sondern bereits der dritte. Zum 100-jährigen Bestehen des Theaters (2006) überraschte die Gesellschaft mit einem Steinway, später spendierte sie noch einen Flügel für die Vidmarhallen, und der neuste kommt nun ins Foyer.
Für Märki ist denn der Flügel auch sofort ein Symbol für die neue spartenübergreifende Zusammenarbeit, die er mit seinem Team plant. «Im Foyer steht er im Herzen des Theaters.»
Der prächtige Flügel ist nicht die einzige Überraschung, die an der Gala zum 50-Jahr-Jubiläum der Gesellschaft der Freunde des Stadttheaters auf Stephan Märki wartet. «So klare und unterstützende Voten bin ich mir von Politikern nicht gewohnt», sagt Märki nach den Reden von Bernhard Pulver und Alexander Tschäppät, «vor allem nicht von solchen, die was zu sagen haben.» Der Regierungspräsident und der Stadtpräsident gratulieren nicht nur dem neuen Direktor zu seinem Transfergeschick bei der Wahl der neuen Spartenleiter, die beiden appellieren an das Publikum auch, das Theater über politische Entscheide zu unterstützen.
«Finanzpolitik ist Kulturpolitik»
Pulver warnt davor, den Schalmeien der Steuersenkungen zu folgen, hätten diese doch immer schmerzliche Konsequenzen für die Kultur. «Finanzpolitik ist immer auch Kulturpolitik.» Und der Stadtpräsident erinnert daran, dass das Finanzierungsdach von 45 Millionen Franken für die anstehende Renovation des Grossen Hauses am Kornhausplatz noch nicht steht und weiterhin auf ein verbindliches Zeichen der Regionsgemeinden gehofft wird.
Viele Vorschusslorbeeren samt Szenenapplaus bekommt Stephan Märki an seinem ersten öffentlichen Auftritt in Bern. Und zwar neben den Politikern auch von jenen Kreisen, denen die Zukunft des Theaters und des Berner Symphonieorchesters (BSO) besonders am Herzen liegt. Denn die Theaterfreunde hatten für ihre Feier auch die Freunde des BSO, die Berner Ballettfreunde sowie die Mitglieder des Berner Theatervereins eingeladen. An die Querelen, welche die Zusammenführung des Theaters und des BSO begleiteten, mag niemand mehr erinnert werden. Für Märki spielen diese Vereinigungen, die dem Theater auch in schwierigen Zeiten die Treue gehalten haben, für das Gelingen des Neustarts eine zentrale Rolle: «Vier Freundeskreise machen Mut. Als Hardcore-Freunde sind sie ganz wichtige Vermittler.» Diskussion und Auseinandersetzung wünscht sich der neue Direktor, auf dass das Theater weit herum wahrgenommen wird. Und er hat einen Traum. Erfüllt ist er, wenn die Berner sagen werden: «Wir sind das Theater.» (Der Bund)
Erstellt: 20.10.2011, 10:35 Uhr
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