Kultur

Der «Jazzband- aus-Tokio-Vorwurf»

Wie berichten «Bund» und BZ über das Berner Kulturleben? Das war gestern Thema an einem Podium.

Daniel Kölliker, Veranstalter des kleinen Kulturlokals Ono, war der erste Votant aus dem Publikum. Und er brachte gleich einen zentralen Konflikt aufs Parkett, der wohl manchem Kulturveranstalter unter den Nägeln brannte, der gestern Abend das Kunstmuseum besuchte. Stehe eine bekannte Band auf dem Programm, sagte Kölliker, so habe er kein Problem, sein Haus zu füllen. Wenn aber eine innovative Jazzband aus Tokio spiele, dann sei er auf die Zeitungen angewiesen. Doch «Bund» und BZ berichteten immer dann über sein Lokal, wenn er feste Grössen bringe.

«Was ist los in Bern?» war das gestrige Kulturpanel übertitelt, das Bekult organiserte, der junge Verband der Berner Kulturveranstalter. Und es kamen 200 Leute, darunter etliche grosse Fische des Berner Kulturteichs. Der Untertitel «Kultur, Kulturpolitik und Kulturberichterstattung» war etwas gar breit angelegt, die Diskussion selbst konzentrierte sich aber auf die Frage, ob «Bund» und BZ angemessen über die Kultur berichten. Auf dem Podium anwesend waren nämlich unter anderem die Chefredaktoren der beiden Berner Tageszeitungen. Und sie äusserten sich auch zum «Jazzband-aus-Tokio»-Vorwurf. «Es ist nicht unser Job, Ihr Lokal zu füllen», sagte BZ-Chef Michael Hug. Gerade über die Veranstaltungen zu berichten, die kaum Publikum anzögen, und die grossen Anlässe zu ignorieren – dies könne sich seine Zeitung nicht leisten. «Da wären wir doch völlig neben den Schuhen.»

Auch «Bund»-Chefredaktor Artur K. Vogel unterstrich, dass eine Zeitung nicht nur ein Minderheitenprogramm bieten könne. Er betonte aber auch, dass sich seine Kulturredaktion durchaus leiste, Perlen hinauszupicken – aus dieser Flut von 200 Veranstaltungen, die wöchentlich in Bern stattfinden. Eine Zahl übrigens, die Kultursekretärin Veronica Schaller in die Runde warf. Sie nahm zusammen mit Thomas Beck, Direktor der Hochschule der Künste Bern, ebenfalls an der Diskussion teil. Eine Diskussion, die nicht hitzig verlief, aber einen Grundgefühlszustand des Berner Kulturbefindens gut widerspiegelte: mittlere Unzufriedenheit. (Der Bund)

Erstellt: 04.05.2010, 09:22 Uhr

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