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Claude Nobs ist gestorben

Aktualisiert am 11.01.2013

Der Gründer und Leiter des Montreux Jazz Festival, Claude Nobs, ist tot. Nach einem Langlaufunfall im Dezember war der 76-Jährige ins Koma gefallen.

1/12 «Ich mache das Spiel mit, aber ich hasse es auch»: Nobs über das Musikgeschäft.
Bild: Keystone

   

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«Danke Claude»

Der Leiter des Montreux Jazz Festival hinterlässt eine grosse Lücke. Eine Hommage seiner Mitarbeiter an ihren Chef, Claude Nobs:

«Du hast uns an diesem Donnerstag, den 10. Januar, einige Tage nach Deinem Unfall in Caux-sur-Montreux verlassen, in Deinen geliebten Bergen, über dem Genfer See.

In Deinem Blick sprühte immer dieser gewisse Funke, wenn Du Dir wieder einmal eine neue Idee oder Überraschung ausgedacht hattest. Für uns, die Dich gekannt haben, wirst Du immer derjenige bleiben, der Gewissheiten hinterfragte. ‹Warum nicht?› Diese Frage hast Du uns immer gestellt, wenn wir Dir erklären wollten, warum uns ein bestimmtes Projekt nicht durchführbar erschien.

Die Realität entspricht nicht immer den Träumen, diese hast Du jedoch schon immer vorgezogen. Das Festival ist der sichtliche Beweis dafür, aber nicht der einzige. In jedem von uns widerhallt Deine Experimentierfreudigkeit, diese Mischung aus Wünschen und Austausch, welche es Dir ermöglicht hat, über alle Massen zu geben und zu bekommen.

Danke, dass Du uns weiter gebracht hast, als wir es je für möglich gehalten hatten. Wie es Deine Art war, bist Du überraschend von uns gegangen, um uns daran zu erinnern, dass im Leben wie in der Musik jede Jamsession die letzte sein könnte. Es ist Dir gelungen, Deinen Abgang wie Dein Leben zu gestalten. Wir werden alles, was Du uns beigebracht hast, in uns weiter tragen.

Danke Claude.

Dein Team von gestern, heute und morgen» (sda)

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Claude Nobs, der Gründer des Montreux Jazz Festival, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Dies teilte das Festival heute Abend auf seiner Internetseite mit. Nobs war während einer Langlauf-Tour über die Feiertage in Caux VD gestürzt.

Er musste daraufhin im Universitätsspital CHUV in Lausanne operiert werden. Dabei fiel er in ein Koma, aus dem er anscheinend nicht mehr erwachte. «Du bist überraschend von uns gegangen, um uns in Erinnerung zu rufen, dass im Leben wie in der Musik jeder Jam der letzte sein kann», teilten die Mitarbeiter des Festivals auf der Website mit.

In aller Welt ein Begriff

Nobs hatte 2010 die operative Leitung des Montreux Jazz Festival wegen gesundheitlicher Probleme mit dem Rücken an sein Team und seinen designierten Nachfolger Jaton abgegeben. Die strategische Leitung blieb aber weiterhin in seiner Verantwortung.

Als langjähriger Leiter des Festivals, das er vor fast 50 Jahren mitgegründet hat, ist Nobs Musikern in aller Welt ein Begriff. Deep Purple erwähnten ihn in «Smoke on the Water» namentlich als «Funky Claude»; der Song handelt von einem Brand im Casino Montreux, bei dessen Evakuierung Nobs mit Hand anlegte.

Montreux will Nobs ehren

Der Tod des Montreux-Jazz-Festival-Gründers sei «ein sehr, sehr grosser Verlust für Montreux und die Musik». Das sagte der Stadtpräsident von Montreux, Laurent Wehrli, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

«Claude Nobs war immer voller Enthusiasmus und neuer Ideen», erinnerte sich Wehrli. Er habe alles unternommen, um das Unmögliche möglich zu machen. Wehrli unterstrich auch Nobs' Liebe zu Montreux und seine ausgezeichnete Beziehung zu den Musikern, die das Image des Festivals ausgemacht hätten.

Die Stadt Montreux werde Claude Nobs mit einer grossen Veranstaltung ehren, versprach Wehrli. Die Einzelheiten seien jedoch noch nicht bekannt.

«Meister des Showbusiness»

Der Gründer des Paléo Festival und Bürgermeister von Nyon, Daniel Rossellat, hat Nobs als «Meister des Showbusiness» gewürdigt. Nobs habe Montreux mit seinem Festival auf der Weltkarte sichtbar gemacht. Rossellat, der Nobs seit 40 Jahren kennt, lobte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA dessen «Leidenschaft» und «Ehrgeiz für Montreux».

Nobs habe mit der Gründung des Festivals mehr für die Bekanntheit der Stadt gemacht, als dies jede Werbekampagne geschafft hätte. «Er hat seine Leidenschaft in eine Erfolgsgeschichte verwandelt», sagte Rossellat. (wid/chk/sda)

Erstellt: 10.01.2013, 23:52 Uhr

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