Auf den Spuren des Monsieur Grenouille
Von Martin Ebel. Aktualisiert am 03.05.2011 2 Kommentare
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Das war wohl eine falsche Vorstellung: Grasse duftet nicht. Die Hauptstadt des Parfüms riecht vielmehr so wie jede andere vom Auto beherrschte französische Stadt. Ausserdem regnet es in Strömen. Also auf den Parkplatz der erstbesten Parfümerie, deshalb sind wir schliesslich hier: Ein jüngeres männliches Familienmitglied hat «Das Parfüm» gesehen, die Tom-Tykwer-Verfilmung von Patrick Süskinds Bestseller, und will den Ort der Handlung aufsuchen. Hinweise auf den Helden Jean-Baptiste Grenouille sehen wir nicht, der ist schliesslich auch eine fiktive Figur.
Aus der Fabrik wurde ein Museum
Höchst real dagegen Molinard, eine der grossen Traditionsparfümerien in Grasse (neben Fragonard, Galimard und anderen, die auch ins Ausland liefern). Sie existiert seit 1849 und ist immer noch in Familienhand, ausserdem stehen die alten Destillierkolben, Kupfergefässe und Salbentrommeln noch, wenn auch in der Stadt selbst aus Sicherheitsgründen nicht mehr destilliert werden darf. Die Fabrik ist jetzt also ein Museum mit angeschlossenem Verkaufsraum oder umgekehrt. Zwei mechanische Puppen schütten scheinbar Rosenblätter in riesige Gefässe, aus denen Dampf steigt: Durch Eintauchen in ein Lösungsmittel und anschliessendes Destillieren wird die kostbare Essenz gewonnen, die, gemischt mit destilliertem Wasser und Alkohol, zu Duftwässerchen verschiedener Konzentration bzw. Verdünnung führt.
Gelegenheitsparfümkäufer können hier einiges lernen. So etwa, dass man nach dem Aufsprühen zehn Minuten warten muss, um überhaupt zu spüren, was man vor sich hat. Wer diese Zeit nicht hat und gleich zahlt, hat nur die «Kopfnote» wahrgenommen, die erste und flüchtigste Schicht des Parfüms. Stärker hält die «Herznote», und noch länger, einen ganzen Tag lang, die «Grundnote». Jede Note enthält wiederum mehrere Substanzen: «Habanita», die berühmteste Kreation von Molinard, 1921 erfunden und immer noch hergestellt, enthält insgesamt 17 Noten, mit einer Kopfnote aus Bergamotte, Himbeere, Orangenblüte, Pfirsich usw.
Normale und gebildete Nasen
Jean-Baptiste Grenouille erwarb sein Parfümwissen bei verschiedenen Meistern, ausserdem war er ja ein Naturtalent (und abgesehen davon ein böses, mädchenmordendes Monster). Heute müssen Parfümeure Chemie studieren und danach noch jahrelang auf die Ecole de Parfumerie. Eine solche ausgebildete «Nase» kann bis zu 1000 Düfte unterscheiden, Normalriecher weniger als 100. Meisterparfümeure – das sind solche, die ein eigenes und kommerziell erfolgreiches Parfüm erfunden haben – gibt es auf der ganzen Welt nur 180, und sie sind überaus begehrt und teuer.
Und noch etwas lernt die normale Nase bei Molinard: Es ist falsch, Duftwässer in Glasflaschen aufzubewahren. Und schon gar nicht im Badezimmer! Denn die drei Feinde des flüchtigen Duftes sind: Licht, Feuchtigkeit und wechselnde Temperaturen. Aber natürlich kauft und verschenkt man lieber attraktive Glasfläschchen als Aluminium. Die stehen deshalb auch im Verkaufsraum. Das jüngere männliche Familienmitglied ist kühn genug, ein solches für die Freundin zu erwerben. Nicht Habanita, das denn doch nicht – zu schwer, zu scharf, zu intensiv. Der Duft der jungen Generation ist viel leichter und heisst Miss.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.05.2011, 08:05 Uhr
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2 Kommentare
Ihr Artikel hat bei mir gleich Erinnerungen wachgerufen. War letzten Herbst da. Was ich in diesem Artikel vermisse ist der Hinweis, dass man bei Molinard, Fragonard und Galimard unter fachkundiger Anleitung sein eigenes Parum kreieren kann. Schade, dass sie sich dieses Highlight entgingen liessen! Antworten
Der Author hätte in Grasse nur die Augen aufmachen sollen. An der Route de Cannes 28 gibt es einen Advokaten, mit Messingschild an der Tür, der Didier Grenouille heisst. Und in den Seitenstrassen gibt es noch viele "boutiques", wo nicht destilliert wird, dafür aber auf Fett extrahiert. Schade, der Artikel ist schlecht recherchiert. Antworten
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